Als Liebhaber von Karossen und Booten und allem, was man so mit Motoren ausrüsten kann, halte ich es für leicht frevelhaft, wenn Frauen von mir ausschließlich wegen meiner Spielzeugsammlung beeindruckt wären, selbst wenn da eines der heißesten Boote dabei ist, die derzeit auf dem Wasser sind. Auf der anderen Seite beleidigt mich Aufmerksamkeit ganz und gar nicht, denn mit umgekehrten Vorzeichen würde es ja schließlich ähnlich laufen: Man stelle sich vor, eine tolle Frau entsteigt dem Fahrersitz einer tollen Karosse und schenkt einem im Vorbeigehen ein Lächeln: Die Sache wäre doch geritzt. Aber irgendwie sind Damen dann doch nicht so einfach zu beeindrucken, weshalb ich in dieser kurzen aber listigen Besprechung fünf sehr unterschiedliche Optionen vorschlage, die alle Eventualitäten abdecken sollten.

Feine Klinge: Riva Aquariva

Feine Klinge: Riva Aquariva



Riva Auquariva Super
Riva, das weiß man, baut einige der schönsten, begehrtesten und teuersten Boote der Welt. Selbst eine Frau, die davon keine Ahnung hat, ließe sich mit der gediegenen Holzverarbeitung eines Aquariva Super und seinen exquisiten Linien wohl zu mehr als einem Glas Sekt verführen. Dieses 10-Meter-Boot ist das eigentliche Highlight der Riva-Modelle, weil es das authentische Sportboot-Feeling mit einem großzügigen Platzangebot vereint. Mit zwei 380-PS Yanmar Motoren und einem großzügigen Arrangement von poliertem Holz und handgenähtem Leder, bietet das Aquariva eine Verschmelzung von Gegenwart und Vergangenheit mit einer überzeugenden Mischung aus Luxus und Leistung. Klar, ein Iseo oder Rivarama Super täten es im Zweifelsfalle auch, (wie eigentlich alle klassischen Riva-Modelle), aber mit einem relativ kleinen und offenen Boot, das viel vom traditionellen Erbe mitbringt und dabei nicht allzu prahlerisch wirkt, kann man eigentlich fast nichts falsch machen. Zielgruppe: Gutsherrinnen

Fürs Wellenreiter- und Partyvolk: Mastercraft X55

Fürs Wellenreiter- und Partyvolk: Mastercraft X55



Mastercraft X55
Es ist kein Geheimnis, dass Mastercraft eine Marke ist, die besonders jene reizt, die eine große Brieftasche haben und große Ambitionen in Sachen Wassersport und Après-Ski hegen. Und kaum ein Modell tut dies besser als das X55. Als das größte Boot der X-Reihe mit 7,25 m Länge und mehr als 3 m Breite, bietet das X55 die gewohnte Verarbeitungsqualität und einen offenen Bug mit fast genau so viel Platz, wie im eigentlichen Cockpit. Insgesamt gibt es Sitzplätze für 18 Personen, eine separate Toilette und eine Wet Bar samt optionalem Kühlschrank, genug Verdrängung also, um berghohe Heckwellen zu erzeugen. Siehe auch unseren Test der X55.
Der ZeroFlex Tower, das Wake-Plate und ein Ballastsystem (max. Zuladung: 500 kg) gehören zur Serienausstattung, aber es wäre ein Fehler, seine Fantasie nur auf den Wassersport zu beschränken, denn das X55 ist so schamlos auf Party getrimmt, wie kaum ein anderes Boot. Warum, auch nicht? Man ist gut bei Kasse, fit, jung – oder jung geblieben – und auch lauter Musik nicht abgeneigt. Dazu die coolen Shorts, die abgefahrenen Handshakes, die kreative Gesichtsbehaarung und hippe Sprüche, die nur attraktive und junge Menschen kapieren: Das muss man ausnutzen, solange es geht. Zielgruppe: Sonnenanbeterinnen mit Hang zu Parties 

Laut, schrill, schnell: Cigarette Marauder

Laut, schrill, schnell: Cigarette Marauder



Cigarette Muscle Boat
Das weiter nach achtern versetzte Cockpit verleiht der genussvoll übertriebenen Marauder SS von Cigarette einen noch längeren und weiter ausladenden Bug, der fast schon einem Degen gleicht. Man soll mit phallischen Analogien ja vorsichtig sein, doch hier besteht wenig Zweifel, dass ein Mann am Steuer dieses Bootes sich recht potent fühlen könnte. Die beiden 1350-PS Mercury-Racing-Maschinen zeigen, dass das Gehabe der Marauder nicht bloß Getue ist – man kann damit auch unvorbereiteten Bewunderern einen guten Schrecken einjagen. Es ginge auch ein bisschen weniger protzig mit der AMG Black Series oder der kleineren Cigarette 42 Huntress, die in jeder Hinsicht mehr Sinn machen würde. Aber darum geht es hier ja nicht. Es geht einfach darum, dass dies ein dreister Dinosaurier von einem Boot ist, perfekt passend für einen dreisten Dinosaurier von Mann. Drogenschmuggler, Rennfahrer, Zuhälter, egal woher das Geld kommt: Wer eine Marauder hat, muss über Bares verfügen, dazu mehr als bloß ein bisschen schräg sein und eine attraktive dunkle Seite an sich haben. Hier wird einer Angebeteten nicht französische Poesie bei Sonnenuntergang ins Ohr geflüstert oder Blumen ins Haar geflochten. Nein, dieses Boot ist das nautische Äquivalent einer Aufforderung zum Beischlaf. Zielgruppe: Frauen, denen es in der Überholspur gefällt

Geschmack ist Nebensache: Die Sunseeker 155, ein schwimmender Palast

Geschmack ist Nebensache: Die Sunseeker 155, ein schwimmender Palast



Eddie Jordan Sunseeker 155
Das neue Sunseeker-Flaggschif mit drei Etagen ist ein 47-Meter-Monstrum, das dem ehemaligen Autorennfahrer und Rennstallbesitzer Eddie Jordan gehört und die Kleinigkeit von 40 Millionen Euro kostet. Dafür bekommt man fünf Gästekajüten, einen eigenen Nachtclub, und einen Benzintank, für den eine Füllung fast 100.000 Euro kostet. Das in England konstruierte und gebaute Schiff läuft unter dem Namen „Blush” (Errötung) und verfügt über eine Reichweite von 4000 Seemeilen, Platz für eine zehnköpfige Crew (der Kapitän hat eine separate Kajüte) und einen ziemlich entzückenden eisblauen Rumpf. Dazu gibt es VIP-Kabinen mit Fenstern vom Boden bis zur Decke und Balkon mit Meerblick, eine Restaurantküche und eine sogenannte Sky-Lounge am Oberdeck. In aller Fairness: Was eine Superyacht über den Geschmack des Besitzers aussagt, ist oft weit weniger schmeichelhaft als das, was sie über seine Brieftasche erzählt. Aber in einer Welt, in der fette Football-Spieler von falschen Prinzessinnen hinters Licht geführt werden, sollte der Versuch, Bewunderer anzulocken, kaum von den Feinheiten des persönlichen Stils torpediert werden. Zielgruppe: Markenbewusste Diamantenjäger

Hip & Hippies: Ein Kanalboot verströmt Alternativ-Charme

Hip & Hippies: Ein Kanalboot verströmt Alternativ-Charme



Jonathan Wilson 57
Nun lachen sie bloß nicht. Ein schmales Schiff wie ein englisches Kanalboot, ist für Männer mit Blaumann, Arbeitermütze und starken Unterarmen. Es zeugt von Respekt für Bier und Käse und von entspannten Gesprächen und träger Selbstwahrnehmung. Kanalboot-Eigner leben in einer Welt von steter industrieller Macht, umgeben von Stahlschiffen, Kohlenfeuer und gigantischen Schleusentoren in tief ausgebaggerten Kanälen. Es sind praktische, starke und selbständige Charaktere, die die Romantik einer sich stets ändernden Umgebung lieben. Und man weiß ja, wie sehr Frauen dies schätzen. Was sie vielleicht nicht so ganz toll finden, ist die schmale Brieftasche, die geizige Einstellung zum Wasserverbrauch, die Unfähigkeit, einen Klönschnack auszulassen und die Neigung, die Realität zu ignorieren und stattdessen auf einer Wolke süßer Illusionen zu entschweben. Na ja, was für manche Frauen stinkt wie Kohl, mag für andere ja ganz betörend sein. Zielgruppe: Hippie-Girls mit Distanz zum Duschen

Geschrieben von: Alex Smith
Alex Smith is an ex-Naval officer, with extensive experience as a marine journalist, boat tester and magazine editor. Having raced as a Pilot in the National Thundercat Series and as a Navigator in the inaugural Red Sea RIB Rally, he has now settled in the West Country, where he lives and works as a specialist marine writer and photographer from his narrowboat in Bath.
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