Rund 240.000 Besucher kamen in diesem Jahr, etwa 8000 weniger als 2014. Das Segelboot oder die Segelyacht ist nach wie vor des boot-Besuchers Liebling, wie die Messe nach einer Umfrage verlauten ließ: Fast die Hälfte aller derer, die gekommen waren, interessierte sich für den Bootssport unter Segeln. Knapp jeder Dritte wollte sich über Motorboote informieren. Das gilt auch für Bootsausrüstungen und Zubehör. Doch wie lief die Messe für die Firmen konkret? Die YACHT hat Werften, Händler, Ausrüster, Charterfirmen und Versicherer am Montag danach gefragt.

Bilanz gemsischt aber überwiegend positiv:  Die boot 2015 schloss am Sonntag ihre Pforten.  Foto: boot Düsseldorf

Bilanz gemsischt aber überwiegend positiv: Die boot 2015 schloss am Sonntag ihre Pforten. Foto: boot Düsseldorf

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Daniel Kohl, Produktmanager von Bavaria Yachtbau: "Die Messe war so gut wie im Vorjahr, wir dürften auf rund 100 verkaufte Yachten kommen, die exakten Zahlen haben wir noch nicht, weil einige Verträge noch finalisiert werden müssen. Über die Resonanz auf unsere neuen Katamarane vom Typ Nautitech Open freuen wir uns ganz besonders, da haben wir etwa 14 verkauft."

Bei Hanseyachts gab es ebenfalls zufriedene Gesichter: "Die boot lief bei uns wie in den beiden vergangenen Jahren: Sehr gut, sie ist unsere stärkste Messe überhaupt. Ich glaube, wir haben die Umsätze sogar noch steigern können, weil wir größere neue Boote wie die Moody 54 DS und die Dehler 46 gut verkaufen konnten", so Vorstandssprecher Jens Gerhardt.

Eine eher unerfreuliche Bilanz nach der Messe zieht Bénéteau-Händler Thorsten Bergheim, Geschäftsführer der Firma BM-Yachting in Flensburg. "Was ich sicher sagen kann, ist, dass für uns die Messe im Bereich Segelboote deutlich schlechter ausgefallen ist als noch im Vorjahr. Wir haben weniger verkauft als erwartet, und die Nachfrage ist merklich zurückgegangen." Es gab mehr unentschlossene Kunden am Stand und eine spürbar abwartende Haltung vieler Interessenten. Auch hätte man auf dem Stand bei Beneteau wieder mehr ältere Besucher registriert, die sich vor allem für Yachten aus den größeren Segmenten interessieren. Die kleineren Boote von Beneteau hätten dagegen weniger Beachtung erfahren.

Zufrieden und hörbar gut gelaunt äußerte sich Magnus Rassy zum Messe-Verlauf. Der Chef der Traditionswerft Hallberg-Rassy reist mit einem gut gefüllten Auftragsblock zurück nach Schweden. "Die boot in Düsseldorf ist für uns zur absolut wichtigsten internationalen Messe überhaupt geworden. Ich war vor allem erstaunt über die hohe Anzahl von Kaufinteressenten aus Ländern wie zum Beispiel Litauen, Bulgarien oder aus der Slowakei." Die Verkäufe haben die Erwartungen erfüllt, und zwar über das gesamte Angebot der HR-Werftlinie.

Nach Angaben von Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft, liegt das Neuboot-Geschäft generell auf dem guten Vorjahresniveau. Dies treffe sowohl für Motorboote als auch für den Markt rund um Segelyachten und Segelboote zu. In manchen Segmenten seien auch Zuwächse zu verzeichnen. "Die Nachfrage nach großen Yachten zieht wieder an. Die Leute kommen mit konkreten Kaufabsichten. Was uns freut, ist, dass das Publikum etwas jünger geworden ist, der Nachwuchs scheint in den Wassersport einzusteigen."

Bei den Ausrüstern zeigte an sich ebenfalls viele zufrieden. Christian Hofmann, Geschäftsführer von A.W. Niemeyer, zog das Fazit: "Die Besucher bei uns am Stand waren gut vorbereitetes Fachpublikum, wir haben unsere Vorjahresumsätze deutlich übertroffen. Ein Trend, den wir übrigens schon seit etwa einem halben Jahr beobachten." Gut angekommen sei auch das neue Konzept der rund 30 "Water-Pros", mit dem AWN junge Wassersportler in Segel-Vereinen ansprechen will.

Auch Elektronik lief gut, wie Thomas Dührkop von GMM-Yacht berichtet, die Bordsysteme vernetzen: "Die Messe war sehr gut! Wir haben unglaublich viel Arbeit mit nach Hause gebracht. Unser Stand war in diesem Jahr zum ersten Mal nicht bei den Megayacht-Konstrukteuren in der 7a, sondern im Elektronik-Bereich von Halle 11. Dadurch haben wir ein wesentlich breiteres Publikum angesprochen, das zudem auch bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen."

Der BVWW bewertete die boot aus Sicht der Ausrüster so: "Die Anbieter von hochwertigen Bootsausrüstungen und Zubehör profitieren von der demografischen Entwicklung. Ihre Umsätze überschreiten das Vorjahresniveau deutlich. Viele Bootseigner jenseits der Lebensmitte ziehen die Aufwertung ihres Bootes dem Kauf eines Neubootes vor. Sie investieren gutes Geld in hochwertige Komfortausrüstungen wie Bord- und Unterhaltungselektronik, Kochgeräte sowie Kühl- und Klimatechnik für ihr 'zweites Heim'."

Die Bootsversicherer zeigten sich überwiegend zufrieden. Selbst wenn nach Angaben vieler immer häufiger Haftpflicht- und Kaskopolicen nicht für neue, sondern für gebrauchte Yachten angefragt würden.

Der Chartermarkt lief ebenfalls gut. Dirk Kadach von 1. Klasse Yachten: "Wir liegen über Vorjahresniveau an der Ostsee, unsere Mittelmeer-Basen waren auch extrem gut gefragt. Es waren mehr Leute am Stand, und die sind qualitativ gut, buchen auch wirklich."

Das kann auch Andrea Barbera, Geschäftsführerin von Master Yachting, nur bestätigen: "Die Messe war sehr, sehr gut, wir liegen etwa 10 bis 15 Prozent über dem Vorjahr." Spürbare Reviertrends gab es ebenfalls: "Die Türkei schwächelt etwas, dafür lief Griechenland sehr stark. Italien verliert wie schon letztes Jahr etwas, die müssen an ihrer Qualität arbeiten." Auch die Buchungen für die Karibik zogen spürbar an, neben den Lieblings-Destinationen wie BVIs und Grenadinien war auch Kuba gefragt, das viele noch einmal sehen wollen, bevor der US-amerikanische Tourismus dort Einzug hält.

Bleibt zuguterletzt der Messe-Betreiber mit seinem Urteil: "Wir sind mit dem Messeverlauf zufrieden, auch wenn wir an das Spitzenergebnis des Vorjahres nicht anknüpfen konnten. Das Winterwetter am traditionell besucherstärksten zweiten Samstag hielt viele Gäste vom Messebesuch ab. Hinzu kamen geringfügige Verluste an einigen Wochentagen. An der Gesamtbewertung der Messe und ihrer Position in der Messelandschaft ändert das nichts: Mit traditionell weit über 200.000 hochkarätigen Besuchern im kaufkraftstärksten Raum Europas bleibt die boot Düsseldorf ein Garant für gute Kontakte und Geschäfte und ein verlässlicher Marktplatz für die Boots- und Wassersportbranchen", so Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

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