Auf der boot Düsseldorf feiert auch die schon vor geraumer Zeit angekündigte  Grand Soleil 46 LC Weltpremiere. Das Boot, für dessen Neuentwicklung sich die italienische Traditionswerft mehr als ein Jahr Zeit genommen hat, ist nicht zuletzt das "Ergebnis einer intensiven Marktanalyse und Kundenbefragung”, so Gigi Servidati der kaufmännische Leiter von Cantiere del Pardo, der so etwas wie die Seele des Projekts ist.




Grand Soleil 46 LC: In Halle 16 sitzt das neueSchiff ohne Kiel am Hallenboden. Foto: YACHT/M. Strauch

Grand Soleil 46 LC: In Halle 16 sitzt das neue Schiff ohne Kiel am Hallenboden. Foto: YACHT/M. Strauch

Anzeige


"Wir sind immer wieder von Eignern angesprochen worden, ob wir nicht auch ein Fahrtenboot bauen könnten", sagt Servidati. Schon vor zwei Jahren ließ die Werft erste Skizzen anfertigen, wie eine Grand Soleil zum Cruisen aussehen könnte. So richtig konkret wurde es aber erst Anfang 2014. Wie ausgefeilt diese Pläne waren, zeigt die Baunummer 1, die jetzt in Halle 16 bis auf wenige Veränderungen so zu sehen ist.


Ein luxuriöser Allrounder
Am auffälligsten ist der GFK-Bügel über dem Niedergang und sowohl die Großschot aufnimmt als auch Sprayhood und Bimini. Aber das sind nicht die einzigen Kennzeichen. Das große Volumen des recht hohen und breiten Rumpfes differenziert die 46 LC ebenso von den sportlicheren Booten der Werft.


LC steht übrigens für "Long Cruise", eine etwas ungelenke Bezeichnung für die neue Modellreihe, die wohl am ehesten mit "Langfahrt" übersetzt werden kann. Dabei ist die Grand Soleil nicht unbedingt ein Blauwasserkreuzer für Weltumsegelungen sondern vielmehr ein komfort-orientierter Allrounder für anspruchsvolle (und vermögende) Fahrtensegler.




Grand Soleil 46 LC: Geräumig, offen und mit Guckfenster überm Hautschott.  Foto: YACHT/M. Strauch

Grand Soleil 46 LC: Geräumig, offen und mit Guckfenster überm Hautschott. Foto: YACHT/M. Strauch


Das wird besonders unter Deck deutlich, wo die Italienerin mit einem überraschend großen und offenen Salon aufwartet. Nicht unbedingt einfach begehbar bei starker Krängung und ruppigem Seegang, im Hafen oder vor Anker aber eine Wucht.


Geschickt haben die Stylisten von Nauta Design die Pantry an Backbord vom Niedergang eine kleine Stufe tiefer gelegt. Das ermöglichte es ihnen, dem Küchenblock Höhe und visuelle Schwere zu nehmen – er wirkt am Übergang zur Sitzgruppe eher wie ein flaches Sideboard und damit sehr elegant.


In der ausgestellten Drei-Kabinen-Version (auf Wunsch soll es später auch eine Variante mit zwei Kajüten geben) verfügt die Grand Soleil 46 LC über zwei Nasszellen. Die Eignerkammer mit viel Stauraum und guter Begehbarkeit liegt im Vorschiff; achtern gibt es an Steuerbord eine in zwei Einzelkojen teilbare Liegefläche, backbord eine breite Doppelkoje.


Sehr hochwertig wirkt die offenporige Maserung des Ausbaus in heller Eiche. Die Hölzer werden drei bis vier Mal in einem speziellen Verfahren klarlackiert, das viel von der natürlichen Haptik bewahrt. Auf Wunsch und ohne Aufpreis können Eigner auch traditionelles Teakfurnier oder gemessertes Teak von Alpi wählen.


Massives Hauptschott, aufwändige Verarbeitung
Die Struktur der Yacht wirkt extrem solide. Ein hohes Gerüst aus Spanten und Stringern in Volllaminat steift den Rumpf aus. Deck, Schotten und Struktur sind verklebt und anlaminiert, um die Festigkeit des Verbunds zu erhöhen. "Das war uns wichtig", betont Servidati und verweist auf das vier Zentimeter dicke Hauptschott.


Diese Sicherheits-Philosophie findet sich im ganzen Schiff wieder. So verzichtet die Werft auf den einfacher zu installierenden Saildrive und bietet die 46 LC nur mit Wellenantrieb an, "einfach weil er robuster ist", so Servidati. Standard ist ein 75 PS-Volvo-Penta, gegen Aufpreis gibt es auch einen 110-PS-Yanmar.




Großes Cockpit, zwei Räder, flacher Aufbau: Die Grand Soleil 46 LC liegt ganz im Trend der Zeit. Foto: YACHT/M. Strauch

Großes Cockpit, zwei Räder, flacher Aufbau: Die Grand Soleil 46 LC liegt ganz im Trend der Zeit. Foto: YACHT/M. Strauch


Das Rigg ist über sehr breite Salinge abgespannt. Weil die Oberwanten ganz außen am Rumpf angreifen und die Unterwanten an der Aufbaukante, bleibt der Durchgang nach vorn völlig frei. Auch dies ein Wunsch der Eigner, der perfekt umgesetzt wurde.


Als Standard-Vorsegel fährt die Grand Soleil eine Selbstwendefock; für eine leicht überlappende Genua IV gibt es schon in der Grundausstattung Schienen, Umlenkblöcke und Stopper. Optional bietet die Werft auch ein wegnehmbares inneres Vorstag an, an dem eine Schwerwetterfock gefahren werden kann. Das Groß verfügt serienmäßig über drei Reffreihen – das unterstreicht die breitbandige Auslegung der Yacht.


Gut möglich also, dass Grand Soleil ähnliche Erfahrungen macht wie X-Yachts, die bereits 2008 begonnen hatten, ihr Produktportfolio um eine Fahrtenreihe zu erweitern. Die Dänen verkauften in den Folgejahren mehr Boote der XC-Reihe als Performance-Cruiser. Der 46 LC, die moderner und noch konsequenter wirkt, ist ein ähnlicher Erfolg zuzutrauen.


Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung der AYacht logo Europas größtem Segelmagazin

Anzeige