Nach Mascalzone Latino im Jahr 2011 trat nun mit Team Australia schon wieder ein offizieller Herausforderer zum America’s Cup zurück. Der aktuelle Challenger of Record aus Australien, der den Hamilton Island Yacht Club repräsentieren hätte sollen, hat Verteidiger Oracle Team USA gestern mitgeteilt, dass er das Handtuch wirft. "Die America's-Cup-Organisatoren haben eine Nachricht der Vorsitzenden des Hamilton Island Yacht Club darüber erhalten, dass sie Team Australia vom 35. America's Cup zurückziehen wollen”, hieß es im  Pressetext, der zur Tarnung der Peinlichkeit als „Update über die Teams des 35 America’s Cups” verschickt wurde.




Aus für Team Australia: Teamchef Ian Murray, Skipper Mathew Belcher und Finanzier Sandy Oatley (v.l.). Foto: Andrea Francolini/Team Australia

Aus für Team Australia: Teamchef Ian Murray, Skipper Mathew Belcher und Finanzier Sandy Oatley (v.l.). Foto: Andrea Francolini/Team Australia


Seit Monaten beschweren sich die potenziellen Herausforderer über die Probleme bei der Sponsorensuche für eine Regatta, die mittlerweile dreistellige Millionenbeträge erfordert, um konkurrenzfähig zu sein, doch für die weder Austragungsort noch exakter Termin bekannt sind. Meldeschluss ist der 8. August und bis Jahresende müssen drei Millionen US-Dollar an Meldegeld beim Veranstalter deponiert werden.


„Als wir uns zum Cup meldeten, wollten wir auf mehrere Arten herausfordern”, sagte Sandy Oatley, einer der Finanziers von Team Australia. „ Als Challenger of Record waren wir in einer Position, diesen Wandel beim Entwurf des Protokolls mit zu gestalten. Hauptsächlich ging es darum, den Cup kostengünstiger und tragfähiger zu machen … und den Fokus wieder mehr in Richtung seglerisches Können zu verlagern. Doch am Ende waren die geschätzten Teilnahmekosten weit jenseits unserer ursprünglichen Erwartung und unserer Fähigkeit die Rechnung unserer Investitionen und der übrigen kommerziellen Unterstützung aufgehen zu lassen”.




Team Australia auf dem AC45 im Hafen von Sydney.  Foto: Andrea Francolini/Team Australia

Team Australia auf dem AC45 im Hafen von Sydney. Foto: Andrea Francolini/Team Australia


 "Wir sind sehr enttäuscht über diese Nachrichten”, wird Russell Coutts, der Direktor der America's Cup Event Authority zitiert „Wir waren begeistert, Australien als Herausforderer zu haben und hatten uns gefreut, Regatten der America's Cup World Series in Australien auszutragen. “In Zukunft gilt unser Fokus jenen Teams, die ihre Herausforderungen bereits eingereicht haben bzw. solchen, die uns über ihre Melde-Absicht vor dem 8. August in Kenntnis gesetzt haben. In der Zwischenzeit arbeitet die ACEA weiter daran, einen Austragungsort für den America’s Cup 2017 zu bestimmen”. Man wolle die Entscheidung dazu im Oktober dieses Jahres verlautbaren, so Coutts weiter.




Um Schadensbegrenzung bemüht: Russell Coutts, der nun der America's Cup Event Authority vorsteht. Foto: Oracle Team USA

Um Schadensbegrenzung bemüht: Russell Coutts, der nun der America's Cup Event Authority vorsteht. Foto: Oracle Team USA


Die Cup-Verantwortlichen beendeten ihre Presseaussendung mit einem unterstützenden Zitat von Sir Ben Ainslie, dessen Team, Ben Ainslie Racing, die Farben Englands beim nächsten Cup vertreten soll. "Wir unterstützen weiterhin das kontinuierliche Bemühen des Verteidigers, der ein kommerzielleres Veranstaltungsformat für eine sichere Zukunft  dieser Trophäe anstrebt. Obwohl der Rückzug des offiziellen Herausforderers bedauerlich ist, so ist dies nicht ungewöhnlich. Wir setzen unsere Vorbereitungen für den 35. America's Cup fort und blicken einer aufregenden Zukunft entgegen”.




Ben Ainslie jagt den America's-Cup, den die Engländer 1851 an die Amerikaner verloren hatten und nun - endlich - zurückholen wollen. Foto:  BAR/Lloyd Images

Ben Ainslie jagt den America's-Cup, den die Engländer 1851 an die Amerikaner verloren hatten und nun - endlich - zurückholen wollen. Foto: Lloyd Images


Hört sich so an, als könnte der nächste Challenger of Record aus England kommen. Abwegig wäre es nicht, denn Ainslie war ja als Taktiker beim letzten Cup auf das Oracle-Boot geholt worden, als es ganz und gar nicht nach Wunsch gelaufen war. Mit ihm an Bord konnten die Amerikaner einen 1:8-Rückstand noch in einen 9:8-Sieg verwandeln und behielten damit den Pokal.

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