Der geniale Physiker Albert Einstein hat nicht nur die Relativitätstheorie entwickelt, sondern er konnte auch Weisheiten gut in Sprüche verpacken. So sagte er einmal: „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie”. Dies dürften sich ein paar Yachtkonstrukteure zu Herzen genommen haben als sie die hier gezeigten schwimmenden Absurditäten aufs Reißbrett (bzw. auf den Bildschirm) zauberten. Wer lieber in der Realität bleibt, dem empfehlen wir eine kleine Auswahl von fünf abgedrehten Wasserfahrzeugen, die aktuell im Handel sind - zumindest theoretisch.


Tofi


Tofi von Hyun-Seok Kim
Zuerst eine Muschel vom letzten Karneval, vollgepumpt mit LSD… Wir bitten um Verzeihung, das gehört sich nicht. Denn es handelt sich hier um ein preisgekröntes Yachtkonzept, das aus Kunststoff gefertigt werden soll, mit Holz und Stahl drumrum und durchsichtigen Schotts, die für tolle Aussicht und viel Licht im Inneren sorgen sollen. Während der kathedralenartige Rumpf ein guter Entwurf für stabile Schwimmlage im Hafen ist, würde die erstaunliche Inneneinrichtung mit ihren geschwungenen Formen und Ranken sogar in einer Kunstgalerie herausfordernd wirken, geschweige denn auf einem Boot. Doch selbst wenn man das Styling und den Privatstrand am Heck außen vor lässt, ist das absolute Highlight immer noch das kleine gläserne Fischzimmer mi Luk im Boden, das komfortabel-ruhiges Fischen bei jedem Wetter ermöglicht. Dann gibt es noch eine einziehbare Leiter für den Zugang auf die offene Dachterrasse, wo es neben Tisch, Sitzgelegenheit und Grill auch ein Sprungbrett gibt, das übers heck hinaus ragt, über das man nach einem Sprung ins Wasser wieder bequem an Deck steigt. Wer gern anders unterwegs sein möchte, soll sich die Tofi vormerken.


Mehr dazu auf der Konstrukteursseite


Migaloo


Migaloo von Motion Code: Blue
Ein paar Österreicher haben sich da etwas Besonderes ausgedacht. Die weltweit erste U-Boot-Yacht. Das sechsstöckige Fahrzeug hat einen zylindrischen U-Boot-Rumpf mit einem radikal ausgedehnten Kommandoturm, um die Unterkunftsebene zu vergrößern. Doch das lässt immer noch viel Platz für eine „Open-Air-Bar”, einen 24-Meter-Pool, eine Eigner-Suite vorn, Platz zum Sonnen, eine Helipad und vier konvertible „Strandterassen”.
Vor dem Tauchen lässt sich das gesamte Decksmobilar einfahren und der Grund des Schwimmbeckens hebt sich, bis er bündig mit dem Deck abschließt. Im Inneren können die Passagiere es sich in den acht VIP-Kajüten gemütlich machen, oder im Kino, in der Bibliothek, im Spielzimmer oder im Fitnessraum, während sie sich an den Unterwasser-Aussichten weiden, die auch bei einer maximalen Tiefe von 240 Metern durch die hell erleuchteten Fenster zu genießen sein sollen. Klar, als U-boot, das auf Superyacht umgetrimmt wurde verspricht die migaloo sich wie ein störrisches Maultier aufzuführen sobald sie im aufgetauchten modus unterwegs ist, aber das kann ja auch ganz aufregend sein.


Lust auf mehr? Schauen Sie auf die Seite der Designer


Jet Capsule


Lazzarini Jet Kapsel
Im Unterschied zu den bisher diskutierten Fantasiegebilden kann man sich dieses Boot tatsächlich kaufen. Dieses lustige Ei das vom Lazzarini-Designstudio in Rom stammt, kann für viele verschiedene Zwecke, z. B. als Taxi, als Party- oder Beiboot geordert werden. Platz für 13 soll es geben, plus Sonnenliege am Dach, Schwimmplattform, auf Wunsch sogar reine kleine Galley und eine Doppelkoje. Angetrieben wird das lustige Vehikel von einem 360-PS Yanmar Diesel und einem Wasserjet von Hamilton. Bis zu 32 Knoten soll die Jet-Kapsel schaffen, wobei die ovale Form des Aufbaus auch unter Dach großzügige Kopffreiheit schafft. Als Bonus kommt die gute Aerodynamik bei schneller Fahrt dazu. Auch wenn gern scherzhafte Vergleiche für das Aussehen der Jetkapsel bemüht werden, ist dieses Boot eine clevere und vor allem spaßige Sache. Ganz besonders, wenn man sich für die Sport-Version entscheidet, die nur 13-Fuß lang, aber ca. 50 km/h schnell ist und Platz für vier bietet.


Weitere Details gibt’s auf der Herstellerseite


Oros Island


Orsos Island
In Skandinavien - aber nicht nur dort - ist es ein großer Traum vieler, eines Tages ein privates Eiland zu besitzen. Wenn man sich nun gar eine Insel kaufen könnte, die beweglich ist, wird die Sache natürlich umso interessanter. Das dachten sich die auffälligerweise im Binnenland Österreich beheimateten Erfinder der Orsos Island Plattform, die auf drei Ebenen und ca. 1000 Quadratmeter etwa 80 Personen Platz bietet. Gebaut ist diese mobile Insel wie ein Panzer: Aus Stahl. Doch die leichten Aludecks sorgen für einen niederen Schwerpunkt und entsprechend hohe Stabilität bei Seegang. Mit „nur” 37 Metern Länge ist diese Inselyacht (oder ist es eine Yachtinsel?) nicht ausgesprochen riesig, aber der Platz an und unter Deck ähnelt in etwa dem einer herkömmlichen 55-Meter-Luxusyacht. Antrieb? Gibt’s nicht. „Eine Standortverlagerung bei kleineren Entfernungen kann mittels Schleppbooten durchgeführt werden. Bei größeren Distanzen wird empfohlen, die Insel durch eine Spedition von Frachtschiff an einen anderen Ort zu transportieren”, steht auf der Webseite zu lesen. Strom kommt aus der Steckdose, die an ein  Windenergiesystem, bzw. an ein  160 Quadratmeter große Solaranlage angeschlossen ist. Ein Wärmeaustauscher der mit Salzwasser betrieben wird ist für die Klimakontrolle vorgesehen. Im möchte ja zumindest im Winter in den Tropen wohnen. Mit sechs Doppelkabinen, Büro, Freizeitraum und separater Mannschaftsunterkunft könnte man sich die Orso-Insel ganz gut als eine Attraktion im Luxuscharter vorstellen.


Mehr auf den Seiten der Initiatoren


Nimue 490


Nimue 490
Ein etwas schriller Annäherungsversuch an das Thema Motorbootdesign und Gentleman’s Daycruiser stammt von Timon Sager. Dieses schnittige, 16 Meter lange und für acht Personen gedachte Boot scheint nur aus einem sich stark verjüngenden Bug zu bestehen.dessen Struktur sich an drei Stellen gewollt und gezielt verbiegt. Der Gedanke dahinter: Die Kombination von Wavepiercing und Manövrierbarkeit bei großer Geschwindigkeit. Vorsichtig ausgedrückt: Ein gewagtes Konzept. Aber der Schweizer ist ja kein Yachtkonstrukteur im traditionellen Sinne, sondern eher ein Visionär, der über Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft nachdenkt.
Wie fast jede selbstbewusst auftretende Avantgarde-Studie hat auch die Nimue 490 einen Elektroantrieb, angeblich mit genug Batteriekapazität für eine Reichweite von 1200 Seemeilen und einer Höchstgeschwindigkeit von 42 Knoten. Doch wie schnell dieser Halbverdränger mit Wavepiercing-Bug sich am Steuer anfühlt, wenn man mit 40 Knoten um die Ecke pfeift und sich der messerscharfe Bug absichtlich in Fahrtrichtung verbiegt, mag ich mir nicht so recht vorstellen. Und wie es dann bei starkem Seegang von achtern aussieht, kann man sich zumindest im Augenblick auch nicht wirklich ausmalen. Doch Hut ab vor Herrn Sager, der sich einem Jahrtausende alten Problem von einem ganz neuen, wenn auch nicht sonderlich erprobten Winkel nähert. Einstein hätte sicher seine Freude gehabt.


Mehr auf der Seite des Konstrukteurs

Geschrieben von: Alex Smith
Alex Smith is an ex-Naval officer, with extensive experience as a marine journalist, boat tester and magazine editor. Having raced as a Pilot in the National Thundercat Series and as a Navigator in the inaugural Red Sea RIB Rally, he has now settled in the West Country, where he lives and works as a specialist marine writer and photographer from his narrowboat in Bath.
Anzeige