Die Vorhersage für extrem raue Bedingungen für die ersten 48 Stunden nach dem Start der 5. Etappe in Auckland hat sich weitgehend bewahrheitet: die Flotte wird vom stürmischen Nordostwind und mächtigen Wellen gebeutelt. „Eine der härtesten Nächte, die ich je auf einer Volvo-Etappe mitgemacht habe", erklärte Campers Co-Skipper Stu Bannatyne.

Freiflug für die Vorschiffleute auf Puma. Paul Todd/VOR



Rausgebeutelt hat’s dabei gleich am Anfang ein Schott im Bugbereich von Abu Dhabi, das die Lasten des Vorlieks der kleinen Fock aufnehmen sollte. Also lautete der Entschluss: zurück und reparieren. Nach dem Mastbruch am Anfang und dem freiwilligen Ausscheiden des ersten Steuermanns ein weiterer Rückschlag für ein Team, das mit viel Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Das Servicepersonal in Auckland arbeitete fix, somit konnte „Azzam” innerhalb von 24 Stunden wieder auf den Parcours.

Das losgekommene Schott vonAbu Dhabi. Nick Dana/Abu Dhabi



„Wären wir schon eine Woche unterwegs gewesen, wären wir glatt weitergesegelt”, erklärte Skipper Ian Walker. „Ich denke nicht, dass der Schaden eine strukturelle Bedrohung ist, aber es wäre (draußen) eine große Reparatur gewesen, dieses Schott wieder einzusetzen, um den Zug der Vierer-Fock aufzunehmen, die wir im Südmeer wohl 80 Prozent der Zeit brauchen werden. Weil wir nur 40 Meilen von Auckland entfernt waren, entschieden wir uns, umzukehren und den Schaden schneller und besser reparieren zu lassen, damit wir uns auf die Aufholjagd konzentrieren können.”

Auf Telefonica gilt: eine Hand fürs Boot, die andere für sich. Paul Todd/VOR



So schnell ging's dann allerdings nicht, denn bis zu 60 Knoten Wind im berüchtigten Coleville-Kanal zwangen Walker zum Beidrehen, was natürlich wieder viel Zeit und noch mehr Meilen kostete. „Es ist ein echtes Dilemma", sagte Walker. „Durch den Sturm segeln und wenig aufholen, oder warten bis es weniger wird, und damit noch mehr Boden verlieren?" Am Ende wurde auf lange Sicht entschieden und im Schutz der Inseln beigedreht.

Fast 700 Meilen beträgt Abu Dhabis Defizit mittlerweile, da muss bei den anderen schon viel schief gehen, wollen sie das noch aufholen. Angeführt von Telefonica prescht das Feld unterdessen mit Halbwind weiter Richtung Südosten. Auf Platz 2 liegt Camper, dann Groupama und Puma, die zuletzt Spitzenböen von 54 Knoten, also Windstärke 12 meldete.

Die Zahlen sprechen Bände. 54 Knoten Windspitzen für Puma. Grafik: VOR



Neueste Satellitenbilder zeigten driftende Eisberge, die die virtuelle Sperrzone verließen. Deshalb entschloss sich die Rennleitung, die Wegpunkte zu verschieben. Die dazu verfasste Pressemitteilung erklärte die Folgen so: „Das ändert die Berechnungen für die Distanz bis ins Ziel, aber nicht die Positionen." Das ist, wie so oft, nur die halbe Wahrheit, denn die Navigatoren haben den Kurs ja auf Grund der ursprünglich ausgegebenen Wegpunkte abgesetzt, die nun nicht mehr gültig sind.

Will Oxley, der Navigator von Camper widersprach der beschönigten Version: „Unguterweise haben sie die Eis-Gates 120 Meilen nach Norden verschoben, wurde gerade über e-mail mitgeteilt. Das ändert die Sachlage ganz gewaltig."

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Aktuelle Positionen und Abstände im Tracker.

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