Die beste Nachricht für die neun Segler von Vestas Wind und ihre Familien daheim ist wohl, dass niemand verletzt wurde in dem peinlichen Vorfall, der sich bei gutem Wetter am Samstag Nachmittag Ortszeit auf der zweiten Etappe des Volvo Ocean Race von Kapstadt nach Abu Dhabi ereignet hatte:




Hoch und trocken: So lag die havarierte Vestas Wind gestern auf dem Riff. Foto: Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

Hoch und trocken: So lag die havarierte Vestas Wind gestern auf dem Riff. Foto: Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race


Beim Durchsegeln der Cargados-Carajos-Inseln, die ca. 250 Seemeilen nordöstlich von Mauritius liegen und zwischen denen gefährliche Untiefen lauern, fanden die Dänen “hartes Wasser” als sie auf eine solche aufliefen. Ihr Boot wurde dabei schwer beschädigt und nahm übers Heck Wasser, weil u.a. beide Ruder weggebrochen waren. Die Crew stand in ständigem Kontakt mit der Regattaleitung und den Seglern auf Team Alvimedica, die ihr Rennen unterbrochen hatten, um in der Nähe auf Standby zu gehen und Hilfe zu leisten, falls nötig.


Die Havaristen, unter der Führung des erfahrenen australischen Skippers Chris Nicholson, 45, brachten vorsichtshalber eine Rettungsinsel aus, die sie jedoch nicht in Anspruch nehmen mussten. Am Sonntag, nachdem sie Diesel, Hydraulik und andere Ausrüstung von Bord geschafft hatten, verließen sie das Schiff zu Fuß und wateten bei Niedrigwasser zu einem leicht erhöhten Punkt. Dort wurden sie später von der Küstenwache abgeborgen, die in der Nähe eine Station betreibt. Danach wurden die Segler auf die Hauptinsel des Archipels transferiert, wo sie provisorisch in Baracken untergebracht wurden.




Unfassbar: Beim seinem fünften Volvo Ocean Race läuft Skipper Chris Nicholson mitten im Meer auf ein Riff. Foto: Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race

Unfassbar: Bei seinem fünften Volvo Ocean Race läuft Skipper Chris Nicholson mitten im Meer auf ein Riff. Foto: Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race


Durch den Wassereinbruch gingen schnell Strom und somit auch alle Kommunikationsmittel verloren, sodass nur das Satellitentelefon im Rettungspaket übrig geblieben war, das über ein portables Solarmodul mit Strom versorgt werden konnte. Dennoch nahm sich Nicholson Zeit für ein kurzes Interview mit der Regattaleitung:


„Der Schaden am Boot ist massiv. Leider können wir derzeit keine Bilder schicken, weil uns die Mittel fehlen…. Ich sagte den Jungs, dass wir im wahrsten Sinne Schiffbrüchige sind und dass dies eine einzigartige Erfahrung ist, die wir durchmachen.
„Ich bin klarerweise sehr enttäuscht über das, was passiert ist. Ich weiß nicht. Ich habe ihnen gesagt… (lange Pause) … dass wir immer daran geglaubt haben, ein starkes Team zu sein und dass wir Fehler gemacht haben, die zu (dem Vorfall) gestern Abend führten. Aber es hat mich umgehauen, wie sie alle mit der Situation fertig wurden und wie sie mit ihrer Einstellung versuchten, heute alles so gut wie möglich hinzubiegen”.


Hier ein Video mit Auszügen aus dem Gespräch.



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Die Cargados-Carajos-Inseln selbst sind nur wenige Quadratkilometer groß, werden aber von einem 35 Seemeilen langen Riff durchzogen, das von den Profiseglern auf Vestas Wind offenbar falsch eingeschätzt wurde. Die vom dänischen Windkraftanlagen-Hersteller gesponserte Mannschaft war die letzte, die für dieses Rennen genannt hatte und hatte demnach auch die kürzeste Vorbereitung. Dennoch hielt sie sich in der ersten Etappe von Alicante nach Kapstadt mit dem 4. Platz überraschend gut.


Nicholson, der dieses Rennen zuvor schon vier Mal segelte (dritter Platz mit Amer Sports One 2001/2002, zweiter Platz mit Camper 2010/2011), hatte weniger als zwei Monate Zeit, um seine Crew mit ihren vier Volvo-Neulingen zusammen zu schweißen. Kein Neuling ist übrigens  der niederländische Navigator Wouter Verbraak, der immerhin schon zum dritten Mal dabei ist.


Bei Redaktionsschluss herrschte noch keine Klarheit über die Abholung der geretteten Segler, die Bergung des havarierten Schiffes, das Ausmaß der Schäden oder die Möglichkeit einer Reparatur, um eventuell zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Rennen zurück zu kehren.




Auf Standby. Alvimedicas Skipper Charlie Endfight (l.) und Navigator Will Oxley sprechen per Funk mit den schiffbrüchigen Dänen. Foto: Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

Auf Standby. Alvimedicas Skipper Charlie Endfight (l.) und Navigator Will Oxley sprechen per Funk mit den schiffbrüchigen Dänen. Foto: Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race


Alvimedica hat den Rennbetrieb wieder aufgenommen, liegt aber durch die Auszeit beinahe 140 Meilen hinter dem mittlerweile überlegen führenden Team von Abu Dhabi, das die Ausläufer des vorhergesagten Zyklons derzeit am besten im Griff zu haben scheint.


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