Die Manufaktur der RIB-Spezialisten aus Alimos bei Athen ging 2005 mit ihrem Erstlingswerk, der 688 an den Start. Es dauerte nicht lange, bis nachgelegt wurde. Zu den neuen Modellen gehörte bald auch die SeaDNA 999, die wir in einer Vorverison, der SeaDNA 999 S bereits vorgestellt haben.  Der Rumpf und damit das entscheidende Bauteil, wurde in Kooperation mit dem britischen Konstrukteur Adam Younger entwickelt. Die Arbeit gelang außerordentlich gut und wurde schnell zum Publikumsliebling, denn die hervorragenden Laufeigenschaften konnten die Kundschaft schnell überzeugen. Im Modelljahr 2017 ging nun die fünfte Generation des meistverkauften RIB's der Werft an den Start. Mit signifikanten Änderungen. Dazu gehört bei der G5 das Zusammenlegen von Deck und Heckbereich zu einem Teil, was Vorteile bei der Produktion und Stabilität mit sich bringt.

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Der Bestseller in der 5. Generation: Technohull SeaDNA 999 G5 Foto: boats.com/Wanke

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Früher kam als Standardharz Polyester zum Einsatz. Inzwischen werden die Rümpfe der SeaDNA 999 ausschließlich mit Vinylester laminiert. Auch bei den Stringern, die nun mit Schaumkernen versehen sind, wird ausschließlich das hochwertige Harz verwendet. Dadurch wird die Elastizität verbessert, was auch Vorteile bei hohen Belastungen mit sich bringt. Außerdem kann bei Verwendung von Vinylester die gefürchtete Osmose - also als das Eindringen von Wasser in das Laminat - gar nicht erst entstehen, denn im Gegensatz zu Polyester ist Vinylester Wasser abstoßend, da es auf Epoxidmolekülen basiert. Die Glasfasern werden also bestens geschützt.

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GFK meets Hypalon: Bei Rumpf und Schläuchen kommt Spitzenmaterial zur Verarbeitung. Foto: boats.com/Wanke



Das wäre zwar bei Epoxidharz auch der Fall, Vinylester lässt sich aber direkt mit dem Gelcoat kombinieren und muss nicht lackiert werden. Das macht die Oberfläche robuster, erleichtert die Pflege und garantiert ein langes Leben. Das versprechen auch die etwas dickeren Hypalonschläuche der G5, die aus Orca 866 von Pennel & Flipo in über 40 Farben mit verschiedenen Strukturen bestellt werden können. Das Material basiert auf einem Polyestergewebe mit einem Fadengewicht von 1670 dtex, was mit chlorsulfoniertem Polyethylen, einem äußerst widerstandsfähigen Elastomer mit hervorragender Beständigkeit gegen UV-Bestrahlung, Alterung und Reißfestigkeit beschichtet ist. Den Schläuchen ist so ebenfalls ein langes Leben garantiert. Auch etwas mehr Höhe wurde der G5 spendiert, dadurch wird der Aufenthalt im Cockpit insbesondere bei rauen Bedingungen noch sicherer. Weitere Änderungen gab es beim Tank. Der liegt jetzt in einer mit Schaum gepolsterten Wanne aus Sperrholz, wodurch Schäden durch Schläge vermieden werden.

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Vorne offen: Das Testboot wies keine Kajüte auf, die aber als Modul im Technohull-Angebot steht. Foto: boats.com/Wanke


Flexibilität durch raffinierte Modulbauweise


Die SeaDNA 999 G5 basiert auf einem Modulsystem. Dadurch kann sich jeder Kunde sein Boot nach individuellen Ansprüchen konfektionieren. Die Werft versteht sich ohnehin eher als Manufaktur und liefert keine Produkte von der Stange. Die Module bei der SeaDNA 999 bestehen aus drei Bugformen – „Cabin“, „Delta“ und „Open“sowie den vier Heckvarianten „Inboard“, „Classic Sun Deck“, „Straight“ sowie „U-Shape“. Es lassen sich also je nach Bedarf beispielsweise Versionen mit Innenbordern und Kabine oder mit Außenbordern und offenen Bugvarianten zusammenstellen. Die getestete Version setzt sich aus den Modulen Open und U-Shape zusammen. Ein stets vorhandenes Element ist die Zentralkonsole, die vorne über eine Klappe mit integriertem Sitz verfügt. Dahinter ist ein Stauraum, der auf Wunsch mit einer elektrischen Toilette sowie einer Persenning als Sichtschutz versehen werden kann.

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Konsolentrick: Der Stauraum der Mittelkonsole kann zu einer Umkleidekabine erweitert werden. Foto: boats.com/Wanke



So dient der Raum auch als Umkleidekabine. An der Rückseite befindet sich der Steuerstand. In der Grundausstattung sind ein Kompass, Motorinstrumente, Schalter und Gashebel montiert. Auf Wunsch kann mit einem Multifunktionsdisplay ergänzt werden. Die Überdachung in Form des T-Tops mit Acryldach ist Zubehör. Der Fahrer und ein Passagier nehmen auf Einzelsitzen Platz. Die bieten guten Seitenhalt und sind bei heruntergeklappter Sitzfläche als Stehsitz verwendbar. Die zweite Sitzreihe ist eine Option. Auch elektrisch verstellbare Versionen können geordert werden. Vor der Konsole befindet sich auf der Probandin eine u-förmige Sitzgruppe, die wahlweise auch mit einem Tisch ergänzt werden kann. Außerdem kann hier durch Einlegepolster ergänzt zu einer Liegefläche umgebaut werden. Im Unterbau befinden sich Stauräume. Die fernbedienbare elektrische Ankerwinde im Ankerkasten gehört zur Serienausstattung. Im Heck ist eine u-förmige Sitzbank montiert, die ebenfalls durch Polster ergänzt werden kann und so zu einer weiteren Liegefläche wird. Die Frischwasser-Heckdusche und die Badeleiter gehören zur Grundausstattung.

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Kommandozentrale: Der Steuerstand ist übersichtlich doch durch die Montage der beiden Streben des T-Tops am Armaturenbrett auch etwas beengt.- Foto: boats.com/Wanke


Viel Auswahl bei der Motorisierung


Grundsätzlich lässt sich die SeaDNA 999 G5 für die Montage von Innen- oder Außenbordern mit Einzel- oder Doppelanlagen bestellen. Bei den Einbaumotoren sind zwei Mercury Diesel vom Typ 2,0L-170 oder ein Mercury Diesel TDI 4,2L-370 mit Bravo-Three-Antrieben gelistet. Bei den Außenbordern bildet ein Verado F400 Racing den Einstieg. Doppelanlagen werden mit zwei Mercury Verado F400, F350 und F300 angeboten. Auf Kundenwunsch werden auch Motorisierungen anderer Hersteller montiert, falls dies technisch machbar ist. Deshalb verfügt das Testboot über zwei Yamaha F 300. Der Eigner hat sich für kürzere BETX-Versionen entschieden, weil sich das Boot nach seiner Auffassung so besser für schnelle Fahrten mit niedrigen Verbrauchswerten bei geringem Seegang eignet. Allerdings bringt diese Abstimmung neben den Vorteilen auch Nachteile mit sich. Bei scharf gefahrenen Manövern ziehen die Propeller nämlich Luft. Wir legen die Hebel auf den Tisch und erreichen bei rasanter Beschleunigung nach nur vier Sekunden bei 1700 Umdrehungen mit niedrigen 10 Knoten die stabile Gleitfahrt. Länge läuft eben.

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Kraftpakete: Die beiden Yamaha 300 sorgten beim Test für die Bewegung. Foto: boats.com/Wanke



Die Spitzengeschwindigkeit von 58,9 Knoten erreichen wir mit der Testmotorisierung nach 22 Sekunden exakt beim Leistungsmaximum der 4,2-Liter-V6-Motoren bei 5500 Umdrehungen. Die ökonomischste Fahrt ist bei 3300 Touren machbar. Die Reisegeschwindigkeit liegt dann bei zügigen 32 Knoten. Dabei genehmigen sich die Motoren zusammen 58 Liter Benzin aus dem 450 Liter Tank. Das ergibt bei einer 15-prozentigen Reserve Reichweiten von beachtlichen 211 Seemeilen. Da der Eigner sein Boot zum Inselhüpfen in griechischen Gewässern, also auch weit außerhalb der Küste einsetzt, wurde im Testboot für Notfälle noch ein weiterer Tank mit rund 160 Litern installiert. Dank dem tiefen V-Rumpf mit zwei Stufen überzeugt die Technohull SeaDNA 999 G5 auch bei ordentlichem Seegang mit weichem Eintauchen in Wellen und insgesamt mit einem exzellenten Handling, selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Schnelle Vollkreise sind bei 25 Knoten mit drei Bootslängen Durchmesser fahrbar. Beim langsamen Manövrieren sind es nur 1,3 Bootslängen in beide Richtungen. Auf Bewegungen am Gashebel oder der Lenkung reagiert die Kandidatin ohne jede Verzögerung.

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Tradition: Die Technohull SeaDNA 999 G5 hat wie ihre Vorgänger das Zeug, auch bei rauem Wasser große Distanzen schnell zurückzulegen. Foto: boats.com/Wanke


Flotter Fahrt für große Crews


Seit der Schlauchbootspezialist Bernd Stockmann Anfang 2016 den Import der Edelschläuche für Deutschland, Österreich und die Schweiz mit seiner Technohull Swiss AG übernommen hat, erfreuen sich die griechischen RIB's auch hierzulande einer schnell wachsenden Beliebtheit. Händler ist außerdem der Valentina Bootsservice in Konstanz. Die getestete Version der neuen Technohull SeaDNA 999 G5 ist in der Grundausstattung ab 142.800 Euro zu haben. Dazu kommen die beiden 300er Yamahas, die zusammen mit 62.455 Euro in der Preisliste stehen. Damit ist schon ohne Montage, Nebenkosten und ein paar Extras die Schallgrenze von 200.000 Euro deutlich überschritten. Dafür bekommt der Kunde aber ein hochseetaugliches RIB, das in der CE-Kategorie B zertifiziert ist und auch außerhalb von Küstengewässern mit bis zu 12 Personen an Bord betrieben werden kann. Trailerbar ist der 10,30 Meter lange Flitzer trotz seiner Breite von 2,80 Metern auch noch, denn wenn die Luft aus den Schläuchen abgelassen wird, ist ein legales Maß für den Straßentransport erreicht und mit rund 2,6 Tonnen inklusive Motorisierung lässt sich das Boot mit entsprechenden Zugfahrzeugen noch problemlos an jedes Revier bringen oder mit in den Urlaub nehmen. Wer sich für die Kabine entscheidet, ist so auch für mehrtägige Törns bestens gerüstet. Aber wer den Spaß mal genießen will, muss das Boot nicht gleich kaufen.

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Spielwiese: Mit Getränkehalterungen und Lautsprechern ist auf der zur Sonnenliege erweiterten achteren Sitzbank für Unterhaltung gesorgt. Foto: boats.com/Wanke



Die Testkandidatin kann bei RIB Cruises (www.ribcruises.com) in Griechenland auch gechartert werden. Die Preise beginnen für kleinere Boote bei 180 € täglich oder 1260 € pro Woche. Die SeaDNA 999 G5 ist je nach Saison ab 1.200 Euro in der Tagescharter und ab 8400 Euro in der Woche zu haben. Für den Preis ist bei diesem Boot sogar ein Skipper inklusive. Den Spaß kann man sich also auch gönnen, wenn kein Bootsführerschein vorhanden ist. Das Sparschwein sollte aber trotzdem ordentlich gefüllt sein.

Wer sich für eine etwas kleinere und günstigere Variante dieses Schlauchbootskonzept interssiert, empfehlen wir den Test der Technohull SV 909

Technische Daten Technohull SeaDNA 999 G5


Länge: 10,30 m
Breite: 2,80 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 2.100 kg (Leergewicht ohne Motoren)
Gesamtgewicht mit Testmotorisierung: 2.620 kg
Baumaterial: GFK/Hypalon
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 12
Brennstofftank: 450 l
Wassertank: 100 l
Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel oder Außenborder mit einer Leistung ab 272 kW (370 PS) bis 2 x 298 kW (400 PS)
Grundpreis Außenbordversion ohne Motoren und Nebenkosten: 142.800 Euro
Grundpreis Innenbordversion ohne Motoren und Nebenkosten: 148.750 Euro
Preis Testmotorisierung 2 x Yamaha F(FL) 300 BETX: 62.455 Euro ohne Montage

Screen Shot 2018-01-04 at 7.46.04 AMMessung mit 2 x Yamaha F(FL) 300 BETX, Leistung je 221 kW (300 PS)
Revier: Mittelmeer bei Antiparos, Griechenland, Besatzung: 3 Personen, Wasser 18 °C, Luft 20 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: 338 l, (75%), Wasser: leer

Werft


Technohull S.A.
Iroos Matsu & Archeou Theatrou
17456 Alimos/Athen
Griechenland

Importeur


Technohull Swiss AG
Ringstrasse 6
8274 Tägerwilen
Schweiz

Zu unseren Anzeigen von Technohull-RIBs

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