Dass Finnen exzellente Boote bauen, ist kein Geheimnis. Wasser ist im Land der 1000 Seen allgegenwärtig und in den kurzen Sommern ist fast die ganze Nation mit dem Boot unterwegs. Wichtig dabei: Qualitätativ hochweritge Fahrzeuge, die auch eine Portion Spaß bieten, wie etwa Aquador, XO Boats oder Paragon Yachts. Doch Axopar?

Gut bei rau: Axopar 28 AC. Foto: Dieter Wanke

Gut bei holprigen Bedingungen: Axopar 28 AC

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Die Marke ist neu, aber sie kommt nicht aus dem Nichts. Die Macher der zuvor genannten Betriebe stecken auch hinter diesem Produkt, das zwar in Helsinki entwickelt, aber in Polen von der Ślepsk-Werft gefertigt wird, die auch Boote für Sea Ray, Bayliner und Quicksilver erzeugt. Das deshalb, weil es die Polen verstehen, nicht nur kostengünstig, sondern auch gut zu bauen. Das gilt auch für die Axopar 28, dem ersten Wurf der neuen Marke, die auf einem Stufenrumpf aufbaut und in fünf unterschiedlichen Versionen erhältlich ist. Vom offenen Sporboot bis zur Kabinenversion mit vier Schlafplätzen ist für jeden Geschmack und Bedarf etwas dabei.

2015 Axopar 28 AC-1774

Steil & stufig: Der Steven und der Rumpf der Axopar 28



Hohes Niveau, tiefe Sitzposition
Beim Testboot, der Axopar 28 AC, handelt es sich um das Spitzenmodell, das mit einem Deckshaus allwettertauglich ist und sich mit vier Kojen auch für Törns mit Übernachtungen eignet. Wer sein Boot allerdings ausschließlich für kürze Ausfahrten bei Schönwetter benutzt, wäre mit dem Einstiegsmodell Axopar 28 Open bestens bedient, das auf Wunsch mit einem aufpreispflichtigen Fahrverdeck am Steuerstand ausgerüstet werden kann. Dazwischen gibt es drei weitere Varianten, mit T-Top oder mit Deckshaus aber ohne die Unterflur-Doppelkoje im Heck, die das Kennzeichen der AC ist.

Unterflurkoje im Heck: Kein Palast, aber ein adäquater Schlafplatz für zwei. Foto: Dieter Wanke

Unterflurkoje im Heck: Kein Palast, aber ein adäquater Schlafplatz für zwei. Foto: Dieter Wanke



Dass die Axopar für den Betrieb unter widrigen Umständen gebaut ist, beweist schon die Auslegung von Cockpit und Steuerstand. Skipper und Passagiere sitzen etwas tiefer als das Niveau des Walkaround-Decks, also in einer sichereren und gut geschützten Position. Der Beifahrer nimmt auf einem separaten Gestühl an Backbord Platz und die Bank dahinter bietet Raum für drei weitere Mitfahrer. Die vorderen Einzelsitze  sind drehbar, womit eine Sitzgruppe entsteht, die mit einem Tisch ergänzt werden kann. Die Rückbank gibt durch Hochklappen den Zugang zur Unterflur-Doppelkoje frei. Für den Notausstieg sind zwei große Luken da, die sonst der Belüftung dienen. Bei Bedarf können die quer gestellten Vordersitze und das achterliche Sofa in eine Doppelkoje umgewandelt werden.

Sitz- und Liegeplatz: Die dreh- und klappbaren Vordersitze  können Teil einer Sitzgruppe sein, oder auch in eine Doppelkoje verwandelt werden. Foto: Dieter Wanke

Sitz- und Liegeplatz: Die dreh- und klappbaren Vordersitze können Teil einer Sitzgruppe sein, oder auch in eine Doppelkoje verwandelt werden. Foto: Dieter Wanke



Mit Kühlbox, Waschbecken und Gaskocher, die unter den Vordersitzen installiert werden können, lässt sich mehr Wohnkomfort schaffen. Wer sich gar für das Frischwassersystem mit 45-Liter-Tank entscheidet, kann auch eine Heckdusche installieren lassen. Und wie bei wohl allen skandinavischen Booten steht auch für die Axopar eine Heizung auf der Zubehörliste. Doch auch die Sonne kommt zu ihrem Recht, denn das Deckshaus ist serienmäßig mit einem Schiebeplanen-Verdeck ausgestattet, das in geöffnetem Zustand fast schon eine Art Kabrio-Gefühl aufkommen lässt. Der Zugang zu den Gangborden erfolgt über die beiden seitlichen Schiebetüren und zum WC-Raum geht es durch eine große Tür an der Vorderseite des Deckshauses. Im Bug befindet sich an Backbord eine längs montierte Sitzbank mit Stauraum darunter, die wahlweise entweder mit einem Tisch ergänzt oder zu einer Sonnenliege umgewandelt werden kann. Dies zusätzlich zur großen Liegefläche hinten, die vom Dach der Achterkabine gebildet wird. Gut gelöst ist die Unterbringung der Fender, die seitlich in geschlossenen Stauräumen Platz finden, womit der Gang zu den beiden Badeplattformen am Heck und der ausklappbaren Teleskopleiter an Steuerbord frei bleibt.

Platz an der Sonne: Sitzbank im Bug fürs Picnic oder das Sonnenbad. Foto: Dieter Wanke

Platz an der Sonne: Sitzbank im Bug fürs Picknick oder das Sonnenbad. Foto: Dieter Wanke



Wendig, sicher und flott
Der Hersteller empfiehlt Motorisierungen zwischen 110 kW (150 PS) und 221 kW (300 PS), wobei Boote Polch, der Lieferant des Testbootes, auch einen Mercury F 100 EFI anbietet, der für Eigner am Bodensee von Interesse wäre. Am Testboot kam allerdings der Mercury Verado 300 mit XL-Schaft und 221 kW (300 PS) zum Einsatz, doch ab dem Modelljahr 2016 wäre die Maximalmotorisierung ein Mercury Verado 350. Aber auch der 300er sorgte für mächtig Vortrieb: Schon nach sechs Sekunden war die Gleitfahrt erreicht und die Höchstgeschwindigkeit von 41,6 Knoten lag nach nur 19 Sekunden an. Allerdings erreichte das Testboot mit 5650 Umdrehungen nicht den maximalen Drehzahlbereich des 2,6-Liter-Reihensechszylinders, der laut Hersteller zwischen 5800 und 6400 Umdrehungen liegt. Mit dem passenden Propeller, so darf man vermuten, ließen sich dann auch die 46 Knoten Topspeed erreichen, die laut Werftangaben mit dieser Motorisierung möglich sein sollen.

Stark aber nicht Top: Der Mercury 300 sorgte am Testboot für gute Fahrleistungen, doch ab 2016 geht's mit dem Verado 350 wohl noch einen Tick schneller. Foto: Dieter Wanke

Stark aber nicht top: Der Mercury 300 sorgte am Testboot für gute Fahrleistungen, doch ab 2016 geht's mit dem Verado 350 wohl noch einen Tick schneller.  Im Hintergrund die steuerbordseitige Badeplattform mit Klappleiter. Foto: Dieter Wanke



Bei Vollgas saugt der Verado stündlich 113 Liter Benzin aus dem mit 260 Liter ziemlich knapp bemessenen Tank, was bedeutet, dass man nach etwas mehr als zwei Stunden nachbunkern oder den Gashebel vom Tisch nehmen muss. Wer sich allerdings mit 25 Knoten begnügt, kann bei einem Verbrauch von rund 44 Litern pro Stunde und einer 15-prozentigen Sicherheitsreserve fünf Stunden unterwegs sein und hat dabei einen Aktionsradius von immerhin 125 Seemeilen.
Positiv: Die Ergonomie am Steuerstand ist mehr als nur Nebensache, denn das höhenverstellbare Steuerrad lässt sich gut auf die Körpergröße des Fahrers anpassen und die hydraulische Lenkung ist leichtgängig und präzise, weshalb sich Vollkreise mit einem Radius von 1,8 Bootslängen problemlos meistern lassen. Dank der steilen Aufkimmung des Rumpfes von 22 Grad und einem praktisch vertikalen Bugsteven läuft die Axopar wie auf Schienen und taucht dabei sehr weich in die Wellen ein. Auch im Hafen ist das fast neun Meter lange Boot einfach zu beherrschen, ganz besonders wenn das (aufpreispflichtige) Bugstrahlruder installiert ist.

Welle kein Problem: Die Axopar 28 AC eignet sich für schlechtes Wetter und küstennahe Gewässer. Foto: Dieter Wanke

Welle kein Problem: Die Axopar eignet sich für den Betrieb auf Seen, besonders aber auch für küstennahe Gewässer. Foto: Dieter Wanke



Fahrfreude und Sicherheit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist für gewöhnlich ohne gravierende Kompromisse kaum möglich. Dass es dennoch geht, zeigt die Axopar 28 AC, auf der die Passagiere im tiefergelegten Cockpit gut aufgehoben sind, aber auch Spaß am Fahren empfinden, besonders bei rauem Wasser, wie man es in Küstenrevieren fallweise vorfindet. Ski- und Brettsportler, dies sei der Vollständigkeit halber vermerkt, kommen auf der Axopar 28 ebenfalls auf ihre Rechnung, wenn der optionale Wasserskimast installiert ist.

Multitalent: Wetterfest, vier Schlafplätze und dennoch schnell genug für eine Runde Wasserski: Die Axopar 28 AC bedient viele Ansprüche. Foto: Dieter Wanke

Multitalent: Wetterfest, vier Schlafplätze und dennoch schnell genug für eine Runde Wasserski: Die Axopar 28 AC bedient viele Ansprüche. Foto: Dieter Wanke



Gut durchdacht, gut gebaut, gut bezahlt
Finnische Boote haben den Ruf, durchdacht konzipiert und wertig gebaut zu sein. Dass viele von ihnen, wie auch die Axopar 28, mittlerweile in Polen gefertigt werden, tut der Sache keinerlei Abbruch. Das modulare Konzept ermöglicht eine individuelle Konfiguration und die Stufenrumpfkonstruktion sorgt für Freude am Volant, weil man nicht gleich vom Gas muss, wenn’s mal etwas härter zur Sache geht und sich dabei dennoch geborgen fühlt. Schnell und sicher ist quasi eine Quadratur des Kreises, doch die hat ihren Preis: Das Einstiegsmodell Axopar 28 Open gibt’s ohne Motor ab 40.282 Euro, doch für die getestete Axopar 28 AC mit Deckshaus und Kojen beginnt die Kalkulation bei 52.241 Euro. Dazu kommen jeweils noch die Kosten für den Antrieb, die Montage und eine Auslieferungspauschale. Das fahrfertige Testboot mit dem Mercury Verado 300 notierte bei einem Grundpreis von gut 92.000 Euro und lag am Schluss mit einigen Extras im sechsstelligen Bereich, was dem gebotenen Qualitäts- und Leistungsniveau durchaus entspricht. Wer das Axopar-Konzept schlüssig findet, doch in anderen Größenordungen denkt, der sollte kommenden Januar auf der Messe in Düsseldorf die neue Axopar 37 begutachten. Aber auch eine 24er und ein Modell über 40 Fuß sind angekündigt.

Hier das Video zum Schwesternschiff Axopar TT

Technische Daten Axopar 28 AC
Länge: 8,99 m
Breite: 2,85 m
Tiefgang: 0,75 m (max.)
Leergewicht: 1790 kg (ohne Motor)
Durchfahrtshöhe: 2,75 m (mit Instrumentenmast)
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 8
Kojenplätze: 2+2
Brennstofftank: 260 l
Wassertank: 45 l (Option)
Fäkalientank: 40 l
Motorisierung: Außenborder mit XL-Langschaft und einer Leistung ab 110 kW (150 PS) bis 261 kW (350 PS)
Grundpreis: 52 241 Euro ohne Motor
Preis mit Testmotorisierung Mercury Verado 300 XL inklusive Transportkosten, Pre-Rigging, Montage Inbetriebnahme und Auslieferung: 92 123 Euro

Messung mit Mercury Verado 300, Leistung 221 kW (300 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 17 °C, Luft 18 °C, Wind 0 Bft., See: 0, Tank: Benzin: 174 l, (67%), Wasser: leer

Bildschirmfoto 2015-11-30 um 12.08.50 PM

 

Werft 
Axopar Boats Oy
C/o Oy Quitas Ab
Piritan aukio 3 C 39
00150 Helsinki
Finnland

Importeure
Boote Polch KG
Zum Hafen 18
56841 Traben-Trarbach

Nautic Yachting GmbH
Akademiestraße 340213 Düsseldorf
Vertriebsbüro Nordancora marina
An der Wiek 7-15
23730 Neustadt in Holstein

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