Bavaria hat als eine der ersten Werften Produktionsoptimierung in den Herstellungsprozess integriert. Als andernorts noch ein mit Stichsägen bewaffnetes Team von Tischlern die Inneneinrichtung in Booten installierte, wurden bei den Franken die Teile der Einrichtung schon mittels CNC-Fräse präzise vorgeschnitten und in einer Lackierkabine veredelt. Diese Vorgangsweise reduzierte die Kosten deutlich und brachte die Qualität auf einen konstanten und wiederholbaren Standard. Durch diese und andere Innovationen wurde die Firma bekannt für gut gebaute, leistbare und geräumige Tourenboote.




Viel zu tun: Am Bodensee wird die Bavaria 34 noch als Schulschiff eingesetzt. Foto: www.segelschule-ueberlingen.de

Viel zu tun: Am Bodensee wird die Bavaria 34 noch als Schulschiff eingesetzt. Foto: www.segelschule-ueberlingen.de


Rumpfform
In dieser Ära entwickelte sich die Yachtkonstruktion rapide weiter und die 34er profitierte von einem Kiel mit Bombe, obwohl der Ballastanteil mit 31 Prozent und die Größe der Bombe geringer ausfielen als bei späteren Booten, was auch bedeutet, dass die Stabilität geringer ist als bei neueren Entwürfen.


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Obwohl die Überhänge deutlich kürzer sind als bei den früheren Konstruktionen, sind sie für heutige Verhältnisse dennoch relativ lang. Daraus ergibt sich eine recht kurze Wasserlinie, die das Geschwindigkeitspotenzial des Bootes einschränkt, ihm dabei aber auch eine etwas komfortablere Bewegung bei frontal angreifenden Wellen verleiht. Auch ist die Heckpartie deutlich schmäler als bei den aktuellen Entwürfen, aber dennoch bietet sich genug Platz für zwei Achterkajüten.


Beim Kiel gab es zwei Optionen, einmal kurz mit 1,35 Meter Tiefgang und eine Standardflosse mit 1.85 Meter. Heutige Modelle ähnlicher Größe, wie z.B.  die etwas kürzere Bavaria 33 Cruiser verfügen über Kiele mit 1,50 m bzw. 1,95 m Tiefgang.




Zwei Innenlayouts und ein konservativer Segelplan, der bei Leichtwind mitunter zu wenig PS auf die Piste bringt.

Zwei Innenlayouts, ein schmales Heck und ein konservativer Segelplan: So baute man Ende der 1990er Jahre Fahrtenschiffe.


Unter Deck
Die 34er wurde mit einem Zwei- und Dreikabinenlayout angeboten, wobei die Größe der Kajüten sogar beim Dreikabiner noch von annehmbarer Größe waren, mit Stehhöhe am Kopfende jeder Doppelkoje, obwohl der Stauraum dabei alles andere als großzügig war. In der Zweikabinen-Verison wurde das Bad nach Steuerbord und hinter den Navi-Tisch verlegt, was viel zusätzlichen Platz in der Bugkajüte schafft, die dadurch von einem größeren Doppelkoje profitiert, doppelt so viel Stehplatz und erheblich mehr Stauraum. Die Backbordkajüte achtern hat in dieser Variante ebenfalls eine breitere Doppelkoje.




Innen dunkel: Traditionelles Mahagonifurnier dunkeln mit der Zeit nach. Foto: teszt.bookaboat.hu

Innen dunkel: Traditionelles Mahagonifurnier dunkelt mit der Zeit nach. Foto: teszt.bookaboat.hu


Obwohl es unter Deck durch die Verwendung von dunklem Hartholzfurnier nach heutigen Verhältnissen doch recht finster ist, fühlt sich das Boot innen überraschend geräumig an. Der Salon hat zwei lange Sitzbänke beidseits des mittig angeordneten Falttisches und es gibt einen ordentlichen nach vorne gerichteten Kartentisch mit eigenem Sitz und Platz genug für eine in die Hälfte gefaltete Seekarte. Die Kombüse mag für manchen allerdings eine Enttäuschung sein, besonders auf den früheren Booten der Baureihe, die nur über eine einfache Spüle verfügen und eine Arbeitsfläche, die zur Gänze von der Abdeckung der Kühlbox eingenommen wird.


Ausrüstung und Optionen
Generell waren die Bavarias aus dieser Zeit eher sparsam ausgestattet, sogar der Anker stand auf der Zubehörliste. Heutzutage sollte sich auf diesen Booten genügend Extras angesammelt haben, doch es darf nicht überraschen, wenn man große Unterschiede beim Ausstattungsstandard der sonst sehr ähnlichen Boote vorfindet. Dennoch: Eine Fockroll-Anlage von Furlex wurde bei allen standardmäßig installiert, das praktische Einleinen-Reff von Seldén fürs Großsegel war aufpreispflichtig.


An Deck und Segelleistungen
Das Großsegel lässt sich mittels des fraktionalen 9/10-Zweisalingriggs leicht entpowern, bevor gerefft werden muss. Doch ein Zeichen des Alters dieses Bootes ist, dass es für eine weit überlappende Genua konzipiert wurde, anstelle der nicht-überlappenden Vorsegel neuerer Designs. Im Cockpit fühlt man sich sicher, wobei es genug Platz gibt, um sich bequem zu bewegen, ohne dass es dabei für gutes Abstützen in der Sitzposition zu groß wäre. Das Deck wurde ebenfalls so konfiguriert, dass man sich darauf gut bewegen kann, wenn es denn nötig ist.


Die Primärwinschen sind in der Nähe des Steuerrads angebracht, womit es dem Rudergänger möglich ist, das Boot alleine zu wenden. Allerdings ist die Großschot auf eine Seilklemme am Kajütdach geführt, womit auch nur kleine Trimmänderungen gleich zu einem Zweipersonen-Job werden. Für ein Boot, das rein auf den Fahrtenseglermarkt abgestellt ist, lässt sich die Bavaria 34 unter Segel gut handhaben, ohne grobe Unarten, besonders in der Ausführung mit dem Standardkiel. Die vielleicht größte Enttäuschung war die bescheidene Qualität der Originalsegel. Boote mit einer neueren Garderobe aus dehnungsresistentem Tuch sollten denn auch schneller segeln, höher am Wind und mit besseren Manieren, besonders wenn’s böig ist.


Unter Motor benimmt sich das Boot tadellos, speziell mit dem tieferen Kiel finden sich keine besondere Laster, wobei das Ruder auch im Rückwärtsgang schnell greift. Es wurden zwei Motorisierungen angeboten, beide mit Saildrive. Ein 19-PS Volvo Penta war Standard, doch einige Boote wurden auch mit einem 28-PS-Aggregat aus dieser Modellreihe ausgestattet.


Die Stärken
Die Bavaria 34 bietet viel Platz in einem Paket, das mit vernünftigem Aufwand in Schuss zu halten und immer noch für attraktives Geld zu haben ist. Es ist ein durchdachtes Boot, auf dem Wartungsteile gut zugänglich sind, was auch bei heutigen Yachten keinesfalls alltäglich ist. Auf der 34er kommt man allerdings leicht an die Maschine ran, wie auch an die Abflusspumpen der Dusche und die Filter.


Kompromisse
Diese ergeben sich vornehmlich aus den gegensätzlichen Ansprüchen von Platz und Performance. Es gibt mit Sicherheit schnellere Boote dieser Größe, und einige mit besserem Handling. Doch mit der 34er hat Bavaria eine angemessene Balance erzielt beim Bau eines geräumigen Bootes, das auch gut segelt.


Spezifikationen
LüA: 10.35m
LWL: 8.45m
Breite: 3.48m
Segelfl. (Genua 135%): 61,3 qm
Tiefg.: 1.85/1.35m
Verdr.: 4,5 t
Ballast: 1,4 t
Markteinführung: 1998
Stückzahl gebaut: 700 (bis 2001)
Gebrauchtpreise (je nach Zustand und Ausstattung): ab ca. 35,000 Euro

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