An der französischen Atlantikküste zählt das Hochseeangeln zu den beliebten Freizeitbeschäftigungen, die allerdings nur mit Booten möglich ist, die den rauen Bedingungen gewachsen sind. Dass die dort beheimatete Traditionswerft Bénéteau, der weltweit größte Produzent von Segel und Motoryachten, intensiv darüber nachgedacht hat, verdeutlicht die Barracuda 9, die speziell für Angler entwickelt wurde. Das von Patrick Tableau entworfene Boot mit zentralem Deckshaus wird in verschiedenen Versionen angeboten, wobei der patentierte Air-Step-Rumpf ident ist mit dem der Antares 8.80 aus gleichem Haus. Das Basismodell der Barracuda 9 wird ohne Flybridge angeboten. Wer also den Freiluftsteuerstand will, wird extra zur Kasse gebeten. Ebenfalls aufpreispflichtig ist das Ausstattungspaket "Fishing Edition Barracuda Tour”, das  für 6354 Euro sinnvolle Ergänzungen bietet wie elektrische Ankerwinde, Bugstrahlruder, Kühlschrank, Warmwasserbereiter, Fischbehälter und Rutenhalter.




Beneteau Barracuda 9 Fly: Gebaut für raues Wasser. Foto: Dieter Wanke

Beneteau Barracuda 9 Fly: Gebaut für raues Wasser. Foto: Dieter Wanke


Optimiert für raues Wasser
Schon beim Betreten der Barracuda 9 wird man an die Rauwassertauglichkeit des Bootes erinnert, weil dazu die hohe Bordwand überwunden werden muss, am besten über die Trittstufen an der Steuerbordseite im Heck. Der Vorteil der Hürde liegt auf der Hand: das hohe Freibord sorgt für Sicherheit. So leicht steigt hier keine Welle ein und so schnell geht niemand über Bord. Sollte dennoch Wasser eindringen, läuft es aus dem selbstlenzenden Cockpit wieder ab. Für den freiwilligen Sprung ins Nass gibt es eine Heckdusche und eine ausklappbare Badeleiter auf der Schwimmplattform. Zum Hochklappen der Außenborder kann die Lehne der achteren Sitzbank nach vorne geneigt werden.




Holz am Boden: Wertiges Ambiente im Achtercockpit mit Platz für ein Gläschen unter freiem Himmel. Foto: Dieter Wanke

Holz am Boden: Wertiges Ambiente im Achtercockpit mit Platz für ein Gläschen unter freiem Himmel. Foto: Dieter Wanke


Für diesen Bereich gibt es auf Wunsch einen Bodenbelag aus Massivholz bzw. einen Holztisch, wobei sich die Bestuhlung durch einen Klappsitz achtern am Deckshaus ergänzen lässt. Der Bug ist über breite Gangborde erreichbar, nur die backbordseitige Leiter zur Flybridge verengt den Durchgang etwas. Der luftige Steuerstand am achteren Ende des Deckshauses hat Platz für zwei und bietet beste Rundumsicht. Der dunkelgraue Instrumententräger ist blendfrei und kann auf Wunsch mit einem großen Kartenplotter ergänzt werden.




Aus- und Rundblick: Die Flybridge mit Platz für zwei. Foto: Dieter Wanke

Aus- und Rundblick: Die Flybridge mit Platz für zwei. Foto: Dieter Wanke


Beispielhaft auf der Barracuda 9 sind die soliden Handläufe, die auf dem Weg nach vorne überall für Sicherheit sorgen. Auf dem Vordeck gibt es viel Platz zum Fischen oder Faulenzen auf einer gepolsterten Sitzbank bzw. der optionalen Sonnenliege. Das Aus- und Einsteigen über den Bug wird von beidseitig eingelassenen Trittstufen und zwei zentralen Handläufen erleichtert. Das unverzichtbare Ankergeschirr gehört aber auch auf diesem Boot nicht zur Grundausstattung.




Ausstieg vorn: Trittstufen und Handläufe für mehr Sicherheit. Foto: Dieter Wanke

Ausstieg vorn: Trittstufen und Handläufe für mehr Sicherheit. Foto: Dieter Wanke


Kommandozentrale mit Rücksitz




Glashaus mit Kommandostand: Gute Sicht und viel Licht im Deckshaus mit Schiebedach. Foto: Dieter Wanke

Kommandostand: Gute Sicht und viel Licht. Foto: Dieter Wanke


Breite Schiebetüren an beiden Seiten des Deckshauses sorgen für leichten Zugang und gute Ventilation, die mit dem Schiebedach noch weiter geseigert werden kann. Der Innensteuerstand im vorderen Bereich ist gut bestückt und ergonomisch durchdacht, denn alle Instrumente stehen im optimalen Winkel zum Steuermann und lassen sich gut ablesen. Praktisch: Die mittleren Belegklampen sind vor den Schiebetüren montiert, womit das Anlegen erleichtert wird. Dank großzügiger Verglasung gibt es ein helles Ambiente und beste Sicht nach draußen. Im hinteren Teil ist eine gepolsterte Rückbank installiert, mit einem 42-Liter-Kühlschrank im Sockel. Zwei Klapptischchen verwandeln diesen Bereich in eine Halbdinette, denn die drehbaren Einzelsitze für Fahrer und Beifahrer lassen sich zur Sitzgruppe hin nach hinten ausrichten. Der Niedergang an der Backbordseite führt hinunter in die Bugkabine, deren v-förmige  Liegefläche zwei Personen auch bei mehrtägigen Ausflügen zur Nachtruhe genügen sollte. In der abgetrennten Nasszelle an Steuerbord gibt es ein WC, ein Waschbecken und eine Duschmöglichkeit. Warmwasser fließt in der Basisversion allerdings nicht aus dem Hahn, das gibt es nur gegen Aufpreis.




Mehrzweck-Nutzen: Halbdinette achtern mit Tischchen, Kühlschrank und den drehbaren Sitzen für Fahrer und Beifahrer. Foto: Dieter Wanke

Mehrzweck-Nutzen: Halbdinette achtern mit Tischchen, Kühlschrank und den drehbaren Sitzen für Fahrer und Beifahrer. Foto: Dieter Wanke


Speed durch Schub und Luft
An der Bénéteau Barracuda 9 können einzelne Außenborder oder Doppelanlagen montiert werden. Pre-rigging Optionen gibt es für Motoren von Honda, Mercury, Suzuki und Yamaha, wobei das Leistungsspektrum zwischen 220 kW (300 PS) und 331 kW (450 PS) liegt. Auf dem Testboot war mit zwei Yamaha F225 das Limit erreicht. Der Schub mit denen die beiden Yamahas zur Sache gehen, ist beeindruckend. Im Test katapultierten die beiden japanischen V6-Benziner das Boot in nur 3,5 Sekunden auf Gleitfahrt, die bei 2700 Umdrehungen und knapp 16 Knoten begann. Und nach beachtlichen 13 Sekunden lag die Spitzengeschwindigkeit von 41,5 Knoten an. Eine vernünftige Reisegeschwindigkeit stellte sich bei 3500 Umdrehungen und etwa 25 Knoten ein. Der 400-Liter-Treibstofftank ließe so eine Reichweite von etwa 150 Seemeilen zu, wobei noch 20 Prozent Reserve mitkalkuliert sind. Aber selbst mit weniger Motorleistung sollte die Barracuda noch viel Fahrspaß bringen.




Musik am Spiegel: Mit zwei Motoren und insgesamt 450 PS schafft die Barracuda 9 mehr als 40 Knoten. Foto: Dieter Wanke

Musik am Spiegel: Mit zwei Motoren und insgesamt 450 PS schafft die Barracuda 9 mehr als 40 Knoten. Foto: Dieter Wanke


Der Rumpf kommt mit geballter Kraft bestens klar, was zu einem guten Teil auch dem patentierten Air-Step-Design von Bénéteau geschuldet ist. Dabei wird Luft seitlich am Deckshaus eingesaugt und in der Rumpfmitte über Kanäle unter das Boot geführt. Kanten im Rumpf leiten die Luft  über den hinteren Teil des Unterwasserschiffs ab. Dadurch hebt sich der Bug beim Beschleunigen weniger aus dem Wasser, das Handling verbessert sich und der Widerstand wird reduziert, was sich auch günstig auf den Verbrauch auswirkt. Der Rumpf geht dabei auch butterweich durch die Wellen und die Schwimmlage kann mit elektrischen Trimmklappen noch justiert werden. Selbst bei engen Kurven gab es beim Test keine Probleme und die Propeller blieben im Wasser. Auch bei Langsamfahrt war das Handling tadellos und bei Manövern in ganz engen Häfen hilft notfalls das (aufpreispflichtige) Bugstrahlruder.




Manieren in Kurven: Dank des Air-Step-Konzepts gleitet der Rumpf auf Luftblasen, die über ein Schachtsystem unter den Rumpf geführt werden. Foto: Dieter Wanke

Manieren in Kurven: Dank des Air-Step-Konzepts gleitet der Rumpf auf Luftblasen, die an der Rumpfunterseite entlang geführt werden. Foto: Dieter Wanke


Power hat einen Preis Leistung und Fahrspaß wird auf einem Angelboot, das für Rauwasser konzipiert wurde, nicht immer so groß geschrieben wie auf der Bénéteau Barracuda 9 Fly, die obendrein auch sauber verarbeitet ist. Es zeigt außerdem, dass sich das Konzept nicht ausschließlich an Freunde des Angelsports richtet, sondern auch an Eigner, die die Rute nur gelegentlich mitnehmen und das Deckshaus bzw. die breiten Gangborde auch für Wochenend- und Familienfahrten schätzen.


Eine Barracuda 9 in Grundausstattung und ohne Motor steht mit rund 64.000 Euro in der Preisliste. Die getestete Version mit Flybridge liegt bei knapp 68.000 Euro. Wer die Testmotorisierung  möchte, muss mit etwa 54.000 Euro kalkulieren, zuzüglich etwa 3000 Euro für Pre-rigging und Montage. Das ergibt einen Gesamtpreis von knapp 125.000 Euro, ohne Transportkosten. Sparpotenzial gäbe es noch mit zwei Suzuki DF 225 TX, die 7.660 Euro weniger kosten als die getesteten Yamahas. Natürlich könnte man dafür auch viel Fisch kaufen, aber darum geht es ja nicht.


Technische Daten Bénéteau Barracuda 9 Fly
Länge: 8,91 m
Breite: 2,96 m
Tiefgang: 1,00 m (mit abgesenktem Motor)
Leergewicht: 2849 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK CE-Kategorie: B (C)
Zulässige Personenzahl:  4 (10)
Kojenplätze: 2
Treibst.: 400 l
Wasser: 100 l
Motorisierung: Außenborder, Einzel- oder Doppelanlagen mit einer Leistung  ab 220 kW (300 PS) bis  331 kW (450 PS)


Grundpreis ohne Motor:  63.605 Euro Grundpreis des Testbootes mit Flybridge und zwei Yamaha F225FETX 124.915 Euro zuzüglich Transportkosten und Auslieferungspauschale.


Messung Schall + Fahrt mit zwei Yamaha F225FETX Außenborder, Benziner mit 165 KW (225 PS)


Bildschirmfoto 2014-12-23 um 9.44.04 AM


Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Crew: 2 Pers., Messung: GPS, Wasser: 18°C, Luft: 22°C, Wind: 0 Bft., Tank: Benzin 160 l (40 %), Wasser 50 l (50%)


Werft
Beneteau
Z.I. des Mares, B.P.
66 85270 Saint Hilaire de Riez
Frankreich


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