Groupe Bénéteau gehört zu den weltweit größten und bekanntesten Anbietern von Motor- und Segelyachten. Kürzlich hat die französische Werft ihre Flyer-Serie der offenen Sportboote mit Außenborder aktualisiert. Die Baureihe umfasst derzeit sechs Boote in verschiedenen Variationen, zwischen 5,45 und 8,25 Metern Länge, darunter auch die Flyer 6, die in drei unterschiedlichen Decksvarianten angeboten wird. Während es sich bei der Spacedeck und Sportdeck um Bowrider mit Steuerkonsole handelt, hat das getestete Modell, das übrigens auch zum „European Power Boat of the Year 2015" gewählt wurde, ein geschlossenes Vordeck samt darunter liegender Kajüte.

Wappen am breiten Bug: Die Beneteau Flyer 6 Sundeck tritt markant auf. Foto: Dieter Wanke

Wappen am breiten Bug: Die Beneteau Flyer 6 Sundeck tritt markant auf. Foto: Dieter Wanke



Breite Schnauze und Luft unterm Kiel
Mit ihrem breiten Bug sorgt die Flyer 6 schon auf den ersten Blick für Aufmerksamkeit, denn das Markenemblem an vorderster Front erinnert fast schon an den Kühlergrill eines Autos. Nützliche Nebeneffekte: Die breite Spitze sorgt für erheblich mehr Platz und bietet besseren Spritzwasserschutz bei kurzer, kabbeliger Welle. Der Rumpf der neuen Flyer 6 verfügt im Unterwasserbereich über Bénéteaus bekannte Air-Step-Technologie. Dabei wird gezielt Luft unter den Rumpf geführt, was die Reibung reduzieren und die Effizienz erhöhen soll. Komfort gibt es aber nur gegen Aufpreis, denn alle Polsterauflagen, auch die für die Kojen, gibt es nur gegen Zuzahlung.

Stufen und Luft: Beneteaus patentiertes System soll Reibung reduziewren und Komfort erhöhen.  Foto: Dieter Wanke

Stufen und Luft: Beneteaus patentiertes Airstep-System soll Reibung reduzieren und Komfort erhöhen. Foto: Dieter Wanke



Damit lässt sich dann der Bug bei Bedarf komplett auslegen und es entsteht eine sehr große Liegefläche für das Sonnenbad. Wer das Backbord-Polster an weglässt, kann bequem vom Bug über drei großzügige Treppenstufen am Steuerstand vorbei bis zur ausklappbaren Teleskop-Badeleiter im Heck laufen. Achtern befindet sich auch eine Sitzbank, die bei Bedarf in eine weitere Sonnenliege verwandelt werden kann. Wer den Cockpittisch geordert hat und die beiden Schalensitze am zentralen Steuerstand nach hinten dreht, kann so eine komplette Sitzgruppe für fünf bis sechs Personen schaffen.

Brotzeit oder Cocktail: Im Heck findet sich Platz für beides. Die Drehsessel vorn sind serienmäßig, das Tischchen gibt's gegen Aufzahlung. Foto: Dieter Wanke

Brotzeit oder Cocktail: Im Heck findet sich Platz für beides. Die Drehsessel vorn sind serienmäßig, das Tischchen gibt's gegen Aufzahlung. Foto: Dieter Wanke



Kompromiss im Schlafgemach
Am Steuerstand, der von einer kleinen Windschutzscheibe etwas Schutz vom Fahrtwind erhält, erwarten den Rudergänger und seinen Beifahrer zwei höhenverstellbare Einzelsitze, wobei auf der Fahrerseite auch eine bequeme Fußstütze integriert ist. Die Motorinstrumente sind optimal auf den Steuermann ausgerichtet und die Konsole ist zudem auch in einem augenschonenden Grauton gehalten, der Lichtreflexionen verringert. Besteht der Wunsch nach einem 7-Zoll-Kartenplotter, Platz dafür wäre vorhanden. Die Ergonomie der Lenkung und Schaltung ist gut, wobei auch die Funktionsschalter leicht erreichbar sind.

Gut gegliedert: Steuerstand mit blendfreiem Armaturenbrett und Niedergang gleich nebenan. Foto: Dieter Wanke

Gut gegliedert: Steuerstand mit blendfreiem Armaturenbrett und Niedergang gleich nebenan. Foto: Dieter Wanke



Links neben der Konsole befindet sich der Niedergang, der durch eine abschließbare Plexiglas-Schiebetür freigegeben wird. Raumwunder sollten allerdings bei der Bootsgröße unter Deck nicht erwartet werden, so ist die Stehhöhe mit knapp 1,50 Meter eigentlich nur für Kinder geeignet. Aber immerhin lässt sich mit entsprechenden Einsätzen eine 2,25 mal 1,80 Meter große Doppelkoje zur Übernachtung einrichten. Danach ist allerdings der Zugang zur wahlweise erhältlichen Pump-Toilette, die in einen Fäkalientank entleert wird, versperrt. Ein Waschbecken ist nicht vorgesehen, doch als Zubehör gibt’s eine Kaltwasserdusche am Heck mit, die aus einem 100-Liter-Tank versorgt wird.

Sehr stilles Örtchen: Wenn die Doppelkoje zur Gänze installiert ist, gibt es keinen Zugang. Foto: Dieter Wanke

Sehr stilles Örtchen: Wenn die Doppelkoje zur Gänze installiert ist, gibt es keinen Zugang. Foto: Dieter Wanke



Ausreichend Power mit 150 PS
Vom Hersteller wird Pre-rigging für Langschaft-Außenborder verschiedener Marken ab 84,6 kW (115 PS) angeboten. Maximal verkraftet das Boot bis zu 147 kW (200 PS). Am Testboot war mit einem Suzuki DF 150 ein Motor aus dem mittleren Leistungsbereich montiert, der aber vorzüglich zum Boot passt. Nach weniger als fünf Sekunden wird bei 3500 Umdrehungen und 14 Knoten die Gleitfahrt erreicht und schon nach 15 Sekunden wird am GPS der Topspeed von 34 Knoten ausgewiesen. Mit der leichtgängigen Hydrauliklenkung geht es spielend in die Kurven, wobei der Rumpf mit nur wenig Schräglage aber direkter Richtungsänderung reagiert.

Nur 150: Mehr PS  (bis 200) können, müssen es aber nicht sein. Denn auch mit dieser Motorisierung kommt gut Bewegung ins Schiff. Foto: Dieter Wanke

Nur 150: Mehr PS (bis 200) können, müssen aber nicht sein. Denn auch mit dieser Motorisierung kommt gut Bewegung ins Schiff. Foto: Dieter Wanke



Selbst bei sehr engen Kurvenradien mit höchstmöglichen Geschwindigkeiten zieht der Propeller keine Luft. Das Handling der Flyer ähnelt dem eines Karts auf der Straße und garantiert Dynamik und Spaß am Steuer. Weil das Boot stets gut kontrollierbar bleibt, sind selbst Anfänger damit nicht überfordert. Dank der hohen Bordwände können sich Mitfahrer auch bei gewagteren Fahrmanövern stets sicher fühlen. Zur Ökonomie: Bei einer Reisegeschwindigkeit von 22,4 Knoten und 4000 liegt der Verbrauch des 2,9-Liter-Vierzylinders mit zwei Nockenwellen und 16-Ventil-Technik bei 25 Litern Benzin pro Stunde. Mit dem 170-Liter-Tank reicht das für knapp sechs Stunden oder etwa 130 Seemeilen, wobei eine 15-prozentige Reserve bereits einkalkuliert ist.

Mäßig Lage: Die Flyer 6 weiß sich auch in engen Kurven zu benehmen. Foto: Dieter Wanke

Mäßig Lage: Die Flyer 6 weiß sich auch in engen Kurven zu benehmen. Foto: Dieter Wanke



Gelungenes Konzept - mit Zubehör
Das Design mit dem breiten Bug mag für manche gewöhnungsbedürftig sein, doch es hat klare Vorteile, die sich insbesondere im besseren Platzangebot des Vorschiffs bemerkbar machen. Positiv auch die Verarbeitungsqualität, die beim Lokalaugenschein keinerlei Mängel offenbarte. Gut für Reiselustige: Mit ihrem Leergewicht von etwa 1,3 Tonnen zuzüglich Außenborder ist die Flyer 6 durchaus trailerfähig, geeignetes Zugfahrzeug vorausgesetzt.

Aufpreisig: Sitz- und Liegepolster müssen extra bezahlt werden. Foto: Dieter Wanke

Aufpreisig: Sitz- und Liegepolster wie etwa hier am Vordeck müssen extra bezahlt werden. Foto: Dieter WankeFoto: Dieter Wanke



Für das Boot in der Grundausstattung ohne Motor sind 22 432 Euro einzukalkulieren. Der beim Test eingesetzte Suzuki DF 150 Außenborder schlägt mit weiteren 19 870 Euro zu Buche. Und wer Polster an Deck schätzt und auch nicht auf Kompass und Angelrutenhalterungen verzichten möchte, dem sei zum Ausstattungspaket „Dynamic“ geraten, für das 2059 Euro fällig sind. Weil auch Bénéteau es sich leider nicht verkneifen kann, das Ankergeschirr extra zu berechnen, fehlt am Schluss nicht viel auf einen Gesamtpreis von 45 000 Euro für ein komplettes Boot, das aber dank des gelungenen Konzepts und der ansprechenden Fahrleistungen einer breiten Klientele viel Freude bereiten dürfte.

Zugang zum Ausgang: Backbordseitig befindet sich der Durchgang zur Badeplattform am Heck. Foto: Dieter Wanke

Zugang zum Ausgang: Backbordseitig befindet sich der Durchgang zur Badeplattform am Heck. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Bénéteau Flyer 6 Sundeck
Länge: 6,43 m
Breite: 2,52 m
Tiefgang: 0,40 / 0,80 m (min./max.)
Leergewicht: 1334 kg (ohne Motor)
Druchfahrtshöhe: 1,80 m
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C (D)
Zulässige Personenzahl: 8 (10)
Kojenplätze: 2
Brennstofftank: 170 l
Wassertank: 100 l (Option)
Fäkalientank: 88 l (Option)
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft und einer Leistung bis 147 kW (200 PS) Grundpreis: 22 432 Euro ohne Motor
Preis mit Testmotorisierung Suzuki DF150TGL 42 302 Euro

Schalldruck- und Verbrauchsmessung
Messung mit Suzuki DF150, Leistung 110 kW (150 PS) Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 3 Personen, Wasser 17 °C, Luft 23 °C, Wind 0 Bft., See: 0-1, Tank: Benzin: 127 l, (75%), Wasser: leerBildschirmfoto 2015-05-12 um 3.38.17 PM

Werft und Händlernachweis
BENETEAU
Z.I. des Mares, B.P. 66
85270 Saint Hilaire de Riez
Frankreich


Händler für Deutschland
Nautikpro GmbH
Am Sandzug 6
D-67122 Ludwigshafen - Altrip


 

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