Es ist noch gar nicht so lange her, dass Beneteau die Oceanis 58 als größtes Modell dieser Baureihe vorgestellt hat, doch das ist Schnee von gestern. Denn mit der neuen Oceanis 60 ist der Posten des Flaggschiffs schon wieder neu  – und größer – besetzt, auch wenn der überarbeitete Rumpf vom Vorgänger stammt.




Flaggschiff-würdig: Die Oceanis 60 kann Luxus und zügiges Segeln

Flaggschiff-würdig: Die Oceanis 60 bietet Luxus und zügiges Segeln.


Das neue Schiff zeichnet sich durch zwei besondere Merkmale aus: Die Dingi-Garage im vormals offenen Heck, die bei abgesenkter Schwimmplattform zugänglich ist und die große Sonnenliege hinter den beiden Steuerrädern. In der Garage selbst findet neben einem partiell entlüfteten Schlauchboot (wie z. B. dem Hatfield 2.4) allerlei Zubehör Platz, wie z.B. Fender, Eimer, Leinen, Stromkabel etc.
Auf Wunsch können für die Liegeflächen an Deck auch Polster geordert werden, die dann je zwei Erwachsenen Platz bieten. An der Stelle lässt es sich gemütlich sitzen, sowohl unterwegs, als auch vor Anker wenn die Heckklappe offen ist. In den Staukästen, die als Sitze für den Rudergänger und als Rückenlehne für die Sonnenanbeter dienen, ist auch Platz zu finden, zum Stauen des Rettungsfloßes an Steuerbord und der Propangasflasche gegenüber.




Garage im Heck: Platz für Schlauchboot und Zubehör

Garage im Heck: Platz für Schlauchboot und Zubehör und Sonnenliege mit Polstern obenauf.


Die Sitzflächen auf diesen Staukästen bieten ebenfalls Platz für zwei und auch auf Handgriffe wurde nicht vergessen. Das ist gut so, denn bei einer Breite von fünf Metern gibt es bei Krängung sonst weit und breit nichts, wo man sich festhalten könnte, auch wenn die Harken Winschen in Reichweite des Steuermanns sind. Die Fallwinschen sind ebenfalls in der Nähe, allerdings ist deren Anordnung nicht für den Einhandbetrieb ausgelegt. Heißt, wer diese Yacht solo bewirtschaften möchte muss hier den Autopiloten zu Hilfe nehmen. Beidseitige Staufächer für die losen Enden der Fallen und Reffleinen sind praktisch, wären allerdings noch praktischer wenn sie auch ausreichend dimensioniert wären.
Ansonsten gleicht das Cockpit dem Vorgängermodell mit dem enorm großen Tisch zwischen den Sitzbänken für die Mitsegler, an dem locker sechs Erwachsenen Platz finden. Auch hier gibt es genug Handläufe für sicheren Gang bei Seegang.




Geräumig, bequem und sicher: So sollten Cockpits auf allen Yachten sein

Geräumig, bequem und sicher: So sollten Cockpits auf allen Yachten sein.


Seit einigen Jahren tut es Beneteau Hunter gleich mit der travellerlosen Großschot,  die oben auf dem Targabügel angeschäkelt ist. Regattaseglern, denen am Feintrimm gelegen ist, gefällt dies weniger, aber für Fahrtensegler ist das eine gute Lösung, denn die spielen ohnehin nicht dauernd mit dem Traveler und freuen sich, dass im Cockpit mehr Platz und Ordnung herrscht. Dieser Bügel eignet sich außerdem auch vorzüglich für die Anbringung einer Spritzkappe oder eines Biminis.


Auf den breiten und hindernisfreien Seitendecks lässt es sich problemlos nach vorne gehen bis zur Bugspitze, die in eine schmale Plattform ausläuft, auf der nur für eine Ankerrolle Platz ist. Unmittelbar dahinter ist die vertikale Ankerwinde von Lewmar platziert. Hervorzuheben wären auch die großzügig dimensionierten Belegklampen vorn, mittschiffs und achtern, und die hohen Relingsdrähte, die der Besatzung wirklich Sicherheit verleihen, anstelle nur niedrige Fallstricke zu sein.


Puncto Besegelung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die 120-Prozent überlappende Genua mit einer Rollanlage von Facnor ist Standard, doch das Boot kann auch mit einer kleineren Stagsegelfock für das Aufkreuzen bei Starkwind betucht werden. Raumschots und vor dem Wind lassen sich mit einem Code 0 gut Meilen machen. Vor allem wer nur zu zweit unterwegs ist, wird diese Variante bevorzugen und ein Großsegel mit Rollreffanlage wählt, wie sie auf dem Testboot installiert war.




Einfach aber wirkungsvoll: Die Besegelung der Oceanis 60 mit der 120-Prozent-Genua

Einfach aber wirkungsvoll: Die Besegelung der Oceanis 60 mit der 120-Prozent-Genua.


Innen
Die Oceanis 60 ist eine Luxusyacht das wird durch die Ausstattung unter Deck deutlich, der es Beneteau an nichts fehlen lässt. Der Salon erstreckt sich über die gesamte Schiffsbreite und ist deshalb enorm. An Backbord befindet sich eine gerade Couch mit Hausbar, die so wie die Jalousien der Rumpffenster elektrisch betrieben wird. Dahinter schließt sich die Galley an, mit  Kühl- und Gefrierschrank, dreiflammigem Gaskocher und Mikrowelle. An Steuerbord gibt es eine große U-förmige Sitzecke mit integriertem Lounge-Sofa.
Rar und deshalb bemerkenswert ist die große Navi-Ecke mit eigenem Tisch, an dem man nach vorn gerichtet sitzt. Unter der Arbeitsfläche befindet sich ausreichend Stauraum für Papierkarten und abgetrennte Fächer für Gerätschaften wie Laptop, Schreibzeug, Kartenbesteck, Hand-GPS etc. Wer möchte bei einem Schiff dieser Größe schon auf eine echte Kramlade verzichten?




Heute keinesfalls selbstverständlich: Eine voll ausgestattete Navi mit großem Kartentisch

Heute keinesfalls selbstverständlich: Eine voll ausgestattete Navi mit großem Kartentisch.


Der Schrank hinter dem Navisitz beherbergt Gefrierfächer und eine Waschmaschine mit Trockner. So wird der Platz vor einem der beiden achteren Waschräume gut genützt. Die Oceanis 60 wird ausschließlich mit zwei Gästekajüten achtern angeboten, während die geräumige Eignersuite den Bug einnimmt, dabei aber ganz vorn noch Platz für eine Crewkajüte lässt, die einen eigenen Zugang vom Deck hat. Alternativ lässt sich diese Kammer auch als Stauraum oder Werkstatt nutzen.


Die Eignersuite bietet ein Raumgefühl, das dem eines Luxushotels nahe kommt. An Backbord befindet sich ein Schminktisch und an Steuerbord das abgetrennte Bad mit eigener Decksluke. Aber auch unter den Bodenbrettern gibt es Interessantes, wie z. B. einen eigenen „Weinkeller”. In der Charterversion geht es allerdings etwas weniger großzügig her, weil dieser Raum in zwei Doppelkajüten mit Bad geteilt ist.




Hotelzimmer: Die komfortable Eignersuite mit integriertem Bad lässt kaum Wünsche offen.

Hotelzimmer: Die komfortable Eignersuite mit integriertem Bad lässt kaum Wünsche offen.


Käufer können zwischen drei verschiedenen Alpi-Furnieren wählen, entweder in mattem oder glänzendem Finish. Licht und Luft gibt es ebenfalls genug durch die großen Rumpffenster und die reichlich vorhandenen Decksluken. Auch hier bit es genug gut platzierte Handgriffe, die bei Seegang sicheren Halt bieten, auch wenn es dafür zumindest für die am Kajütdach angebrachten Handläufe einer gewissen Körpergröße bedarf.


Segeln
Beim Ablegen in der Marina des königlichen Yachtclubs von Palma de Mallorca schob der 140-PS Volkswagen Diesel das Boot spielerisch durch die Kabbelwelle. Zugang zum Motor unter dem Niedergang gibt es von den Achterkajüten aus, wobei die Paneele eher knapp bemessen sind. Die Reisegeschwindigkeit unter Maschine lag bei 7,5 Knoten, der Topspeed war bei 3300 Umdrehungen  pro Minute und 9,4 Knoten erreicht. Die Tankkapazität liegt bei knapp 500 l Diesel und 740 l Wasser, wobei es auf Wunsch (z. B. für Blauwassersegler) auch größere Tanks gibt.




Souverän in jeder (Lebens) Lage: Die Oceanis 60 macht auch bei Wind gute Figur.

Souverän in jeder (Lebens) Lage: Die Oceanis 60 macht auch bei Wind gute Figur.


Draußen in der Bucht von Palma wurden die Segel ausgerollt und flugs lagen bei ca. 14 Knoten Wind forsche 8,6 Knoten Geschwindigkeit an, bei einem scheinbaren Windeinfallswinkel von 70 Grad. Dabei sollte man nicht vergessen, dass sich da mehr als 20 Tonnen durchs Wasser bewegen. Der Übergang vom Motoren zum Segeln gestaltete sich äußerst einfach, als ob das Boot darauf gewartet hätte richtig loszulegen. Und als alles säuberlich getrimmt war, wies die Logge dann sogar 9,2 Knoten aus.


Selbst hoch am Wind änderte sich nicht viel. Auch bei mehr Krängung galoppierte die Oceanis 60 weiter munter vor sich hin, mit 7,5 Knoten auch ziemlich schnell für den anliegenden Kurs. Einer der Kollegen, der sich partout am Bug aufhalten wollte, wurde nass, als das Boot die Seen muskulös zur Seite schulterte. Nicht alle lieben das Segeln bei starker Lage, aber es ist gut zu wissen, dass die Oceanis 60 auch diese Gangart beherrscht. Wenn es denn unbedingt sein muss.


Technische Daten Oceanis 60
LüA (Rumpf): 17,75 m
Gesamtlänge: 18,24 m
LWL: 16,43 m
Breite: 4,99 m
Gesamtgewicht: 21,6 t
Tiefgang Standard: 2,70 m
Ballast / -anteil Standardkiel: 6,4 t / 29 %
Tiefgang Kurzkiel: 2,20 m
Ballast / -anteil Kurzkiel: 7,1 t / 33 %
Masthöhe über Wasserlinie: 27,5 m
Großsegel / Option Rollmast: 87,7 qm / 79,0 qm
Genua (120 % Überlappung): 100,5 qm
Maschine (Volkswagen Marine): 140 PS
Konstrukteur: Berret Racoupeau Yacht Design
Preis: ca. 550.000 Euro (inkl. MwSt.)


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