Der französische Arzt und Abenteurer Alain Bombard gehört zu den Pionieren im Wassersport. Für seinen spektakulären Selbstversuch, das Überleben bei Schiffbruch zu erforschen, überquerte er 1952 den Atlantik mit einem von ihm entwickelten Schlauchboot, das erstmalig einen festen Boden hatte und einen Außenborder als Antrieb verwenden konnte. Gefertigt wurden solche Boote beim französischen Flugzeughersteller Zodiac. Seit den Filmen von Jacques Cousteau, in denen diese Fahrzeuge stets zum Einsatz kamen, genießt die Marke Kultstatus und wurde im französischen Sprachraum zum Synonym für Schlauchboote.




Bpmbardier 650. Auch für Fahrten weiter draußen geeignet. Foto: Dieter Wanke

Bombard Sunrider 650. Auch für Fahrten weiter draußen geeignet. Foto: Dieter Wanke


Bis heute gehört Bombard zu Zodiac, die mittlerweile unter Z Marine Recreational S. A. S. U. firmieren und noch immer zu den führenden Herstellern in ihrem Segment gehören. Die 2013 vorgestellte Bombard-Sunrider-Baureihe startete mit den Modellen 550 und 650, die inzwischen mit dem 750 und 500 nach oben bzw. unten ergänzt wurden. Konzipiert wurden sie für Familientrips und zur gelegentlichen Verwendung als Zugboote für Brettsportler. Während die beiden kleineren Modelle für küstennahe Reviere zugelassen sind, dürfen die getestete Sunrider 650 sowie ihre neue, große Schwester 750 rechtlich auch weiter draußen am Meer eingesetzt werden.




Platz für Tüten und Taschen: Auf der Sunrider 650 wurde auf den Stauraum - hier unter dem Konsolensitz - nicht vergessen. Foto: Dieter Wanke

Platz für Tüten und Taschen: Auf der Sunrider 650 wurde auf den Stauraum - hier unter dem Konsolensitz - nicht vergessen. Foto: Dieter Wanke


Platz für Passagiere samt Gepäck
Dass die Bombard Sunrider 650 für Tagestouren mit Fahrgästen ausgelegt wurde, ist an der Vielzahl der Sitzgelegenheiten und den Umbaumöglichkeiten erkennbar. Im Bug gibt es einen großen Staukasten, der auch als Unterbau der dortigen Sitzflächen dient. Die asymmetrisch platzierte Steuerkonsole mit hoher Windschutzscheibe und stabilem Handlauf verfügt an ihrer Vorderseite ebenfalls über einen integrierten Doppelsitz. Der Platz im Bug lässt sich durch die wahlweise erhältliche Kombination aus Sonnenliege und Picknicktisch in eine Liegefläche oder eine Sitzgruppe verwandeln. Durch die klappbare Konsole an Steuerbord, unter der sich auch der Kraftstofftank befindet, entsteht an Backbord ein breiter Durchgang zum Achterschiff. Die Doppelsitzbank für den Rudergänger ist zweckmäßig als Stehsitz ohne Rückenlehne ausgelegt und enthält weiteren Stauraum. Achtern folgt eine Rückbank für zwei weitere Passagiere, und noch mehr Platz für Zubehör. Der Ausstieg zur Badeleiter befindet sich an der Backbordseite.




Konvertierbar: Der Platz im Bug könnte auf Wunsch Sitzecke sein oder Sonnenliege. Foto: Dieter Wanke

Konvertierbar: Der Platz im Bug kann auf Wunsch Sitzecke sein oder Sonnenliege. Foto: Dieter Wanke


Flink und zahm, aber wenig Reichweite
Die Bombard Sunrider 650 kann mit grauen oder blauen Schläuchen aus Strongan (PVC) oder mit beigefarbenen Schläuchen aus hochwertigerem Hypalon geordert werden, die insgesamt über fünf Luftkammern verfügen. Blasebalg, Paddel, ein Kraftstoff-Wasserabscheider, Bilgepumpe, Badeleiter, Manometer und ein Reparatursatz gehören zur Serienausstattung. Der am Testboot montierte Ski-Zugmast, Bimini, Geräteträger, Schutzbezüge oder Persenning sind Optionen. Als Antrieb dienen Außenborder mit Langschaft und einem Leistungsspektrum von 53 kW (70 PS) bis 115 kW (150 PS). Am Testboot war ein Yamaha F 115 BETL EFI montiert, der das mit zwei Personen besetzte Boot in nur drei Sekunden auf Gleitfahrt brachte, die bei rund 13 Knoten einsetzt. Die Höchstgeschwindigkeit von gut 33 Knoten war nach ebenfalls zügigen 15 Sekunden erreicht. Da das Boot sehr früh ins Gleiten kommt, sind Reisegeschwindigkeiten ab rund 18 Knoten schon ein Genuss. Dabei flossen 21 Liter Kraftstoff pro Stunde durch die Benzineinspritzung. Der eher knapp bemessene 77-Liter-Tank reicht nur für gut drei Betriebsstunden, wobei noch 20 Prozent Reserve über sind. Das Fahrverhalten der Sunrider 650 war tadellos, denn durch die relativ steile Aufkimmung von 21 Grad geht der Rumpf weich und gradlinig durch die Wellen. Kurvenfahrten waren absolut sicher und auch bei Wellen blieb das Boot stabil.




Maximamotorisierung: Das Testboot war mit einem 115-PS-Yamaha bestückt. Die Badeleiter ist petite, aber vorhanden. Foto: Dieter Wanke

Maximamotorisierung: Das Testboot war mit einem 115-PS-Yamaha bestückt. Die Badeleiter ist petite, aber vorhanden. Foto: Dieter Wanke


Wert fürs Geld
Ohne Motor ist dieses gut verarbeitete und vernünftig ausgestattete Festrumpfschlauchboot schon ab 17 752 Euro zu haben. Inklusive 115-PS-Yamaha Motor wie am Testboot montiert, kostet das Paket 32 062 Euro. Dazu addiert werden müssen die Frachtpauschale von 705 Euro und die Montagekosten für Boot und Motor, die der jeweilige Händler nach Aufwand kalkuliert. Durch ihre Größe eignet sich die Sunrider 650 auch für Fahrten außerhalb der unmittelbaren Küstennähe. Theoretisch zumindest, denn ihr kleiner Kraftstofftank setzt der Reichweite Grenzen. Insgesamt bietet die Bombard Sunrider 650 wie getestet aber viel Fahrfreude und Platz – und das zu einem vernünftigen Preis.




Gut am Gas, gut in der Hand. Die Sunrider 650 zeigte sich beim Fahrtest von ihrer besten Seite. Foto: Dieter Wanke

Gut am Gas, gut in der Hand. Die Sunrider 650 zeigte sich beim Fahrtest von ihrer besten Seite. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten Bombard Sunrider 650
Länge: 6,35 m
Breite: 2,45 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 430 kg (ohne Motor)
Baumaterial: PVC/Hypalon und GFK
Anzahl der Luftkammern: 5
Vorgesehene CE-Kategorie: B (C)
Zulässige Personenzahl:  5 (13)
Brennstofftank: 77 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft, Leistung von 53 kW (70 PS) bis 115 kW (150 PS)
Grundpreis: 17 752 Euro ohne Motor
Grundpreis mit Testmotorisierung Yamaha F 115 BETL EFI: 32 062  Euro


Motor im Testboot: Yamaha F 115 BETL EFI, Leistung 84,6 kW (115 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Bohrung x Hub: 81 mm x 89,9 mm, Hubraum: 1832 cm3, Nenndrehzahl: 5300 - 6300 min-1


Messung Schall + Fahrt mit Yamaha F 115 BETL EFI, Leistung 84,6 kW (115 PS)


Drehzahl Geräuschpegel Geschwindigkeit
(Leerlauf) 700 1/min  55 db(A)      0 kn
(eingekuppelt) 700 1/min  56 db(A)   1,5 kn
1000 1/min  60 db(A)   3,0 kn
1500 1/min  64 db(A)   4,6 kn
2000 1/min  64 db(A)   5,5 kn
2500 1/min  70 db(A)   8,1 kn
3000 1/min  79 db(A) 12,9 kn
3500 1/min  81 db(A) 17,5 kn
4000 1/min  77 db(A) 21,4 kn
4500 1/min  78 db(A) 24,5 kn
5000 1/min  79 db(A) 27,2 kn
5500 1/min  81 db(A) 30,5 kn
6000 1/min  83 db(A) 33,2 kn


Revier: Mittelmeer bei Saint-Cyr-sur-Mer, Frankreich, Crew 2, Messung: GPS, Wasser 16° C, Luft; 18° C, Wind: 0 Bft, See 0, Tanks: Wasser: 0 l (00%), Benzin: 77 l (100%).


Werft
Bombard
Zodiac International
1, quai de Grenelle
75015 Paris


Importeur und Händlernachweis
Z Marine Recreational S. A. S. U.
Magnolienweg 17
D-63741 Aschaffenburg

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