Öchsner-Boote aus Kürnach hat sich auf trailerbare Kajütboote zwischen rund sechs bis neun Metern Länge spezialisiert, wie zum Beispiel die neue Drago 23 Yachtline, die seit der Saison 2015 das Einstiegssegment ergänzt. Es handelt sich dabei um Öchsners eigene Linie, die von der griechischen Drago-Werft gefertigt wird, und sich deutlich vom normalen Programm des Anbieters unterscheidet. Eine Besonderheit ist die sogenannte „Wide-Beam-Technologie“, die dem Rumpf im achteren Bereich fast senkrechte Bordwände beschert. Dadurch ist das Unterwasserschiff breiter und erzeugt mehr Auftrieb, was größere Kippstabilität und mehr Platz im Innenraum zur Folge hat. Statt mit Holz werden die handlaminierten Rümpfe zwecks Gewichtersparnis mit einem Laminat–Rippen-System versteift.

Foto: Dieter Wanke

Griechin am bodensee: Die Drago 23 Yachtline zeigte ihre Qualitäten vor Friedrichshafen Foto: Dieter Wanke

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Zugelassen ist dieses 7,18 Meter lange Boot für Fahrten in Küstengewässern mit bis zu sieben Personen. Weil das Gesamtgewicht inklusive Anhänger nur 2150 Kilogramm ausmacht, ist die Drago ohne große Umstände auf der Straße zu trailern, womit auch entfernte Reviere in Reichweite sind. Weltpremiere der Drago 23 Yachtline war auf der Interboot 2015 in Friedrichshafen und boats.com hatte die Gelegenheit, Baunummer 1 vor Ort zu testen.

Platz in der Plicht
Das großzügig bemessene und selbstlenzende Cockpit dürfte auch Eltern kleiner Kinder gefallen, denn die hohen Bordwände bieten dem Nachwuchs auch bei flotter Fahrt große Sicherheit. Die Plicht erscheint auch deshalb geräumig, weil nur ein zwar sehr bequemer, aber nicht verstellbarer Sitz am Steuerstand montiert wurde, der unterwegs auch als Stehsitz genutzt werden kann. Erfreulich, dass sowohl eine praktische Fußstütze vorhanden ist und eine bis auf den Kompass weitgehend komplette Grundinstrumentierung.

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Geräumiges Cockpit mit gut sortiertem Steuerstand. Der Sitz ist bequem, aber nicht justierbar. Foto: Dieter Wanke



Die Drago muss allerdings als Schönwetterboot bezeichnet werden, denn sie kommt ohne Scheibenwischer aus, auch weil die Windschutzscheibe aus leicht getöntem Polykarbonat davon zerkratzt würde. Hinter dem Fahrersitz schließt sich unmittelbar eine kleine Wetbar mit Spülbecken an, doch um die Crew standesgemäß zu verköstigen, können hier auf Wunsch ein 43-Liter-Kühlschrank und ein einflammiger Kocher eingebaut werden.Beifahrer können auf einer kombinierten Sitz- Liegefläche an Backbord Platz nehmen. Wer dabei die vordere Rückenlehne nutzt, kann die Beine hochlegen und einen Wasserskiläufer oder Wakeboarder im Auge behalten. Im Heck kann sich ein Erwachsener auf der großzügigen Sitz- Liegekombination bequem zum Sonnenbad ausstrecken. Wird der mittlere Teil der Rückenlehne nach hinten geklappt, lässt sich die Fläche weiter vergrößern, wobei ein Tisch praktisch wäre, der auch zu den Optionen zählt. Für einen bequemen Durchstieg zur großen Badeplattform muss lediglich das Polster an Backbord entfernt werden.

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Viel Platz auch auf der Sonnenliege achtern. Der Durchstieg zur Badeplattform erfolgt an Backbord Foto: Dieter Wanke



Wer hingegen aufs Vordeck möchte, findet an beiden Seiten des Cockpits eine Stufe, die den Schritt auf die recht schmalen Gangborde erleichtert, die allerdings von einer Reling abgesichert werden. Die Ankerinstallation im Bug gehört löblicherweise zur Serienausstattung, weshalb es verwundert, dass die Klampen mittschiffs aufpreispflichtig sind.

Liegen ja, Stehen eher nicht
Durch eine getönte Schiebetür gelangt man in die Kabine und findet dort eine u-förmige Sitzgruppe vor, die sich in eine 1,80 Meter lange und bis zu 1,93 Meter breite Liegefläche verwandelt lässt. Außerdem gibt es noch eine Einzelkoje mittschiffs, die zwar nur 1,70 Meter Länge misst, nach Entfernen eines Polsters aber auf 1,84 Meter anwächst. Für zwei Personen oder eine kleine Familie mit einem Kind wären also durchaus mehrtägige Törns möglich. Ein Wermutstropfen ist allerdings die Stehhöhe von nur 1,64 Meter, die für Erwachsene normaler Größe eindeutig zu knapp bemessen ist. Noch weniger Kopffreiheit, nämlich nur 1,44 Meter, gibt’s in der Nasszelle, die mit einer Chemietoilette und Duschmöglichkeit ausgestattet werden kann. Luken sorgen sowohl hier, als auch in der Kabine für ordentliche Belüftung. Die Verarbeitung von Kunststoffen, Holzeinbauten und Polstern machte auf dem Testboot insgesamt einen sehr ordentlichen Eindruck.

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Kein Palast, aber ein guter Platz fürs Übernachten: Die zur Doppelkoje konvertierte Sitzgruppe der Drago. Foto: Dieter Wanke



Mehr PS für mehr Knoten
Die Drago 23 Yachtline ist mit Einzelanlagen von Volvo Penta erhältlich, die grundsätzlich mit einem SX-Singleprop-Antrieb kombiniert sind. Darunter ist mit dem D3-140 auch ein Selbstzünder, während als Alternative auch Benziner erhältlich sind, etwa der V6-200 oder der im Testboot installierte V6-240 mit 179 kW (240 PS), ein bulliger 4,3-Liter-Motor der überzeugend zur Sache ging. In nur fünf Sekunden katapultierte er das Boot bei 2750 Umdrehungen auf 16,7 Knoten und damit auch zur Gleitfahrt. Nach insgesamt 16 Sekunden nahtlosem Schub erreicht die Drago eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von 38,2 Knoten, wobei der Drehzahlmesser allerdings nur 4950 Umdrehungen anzeigt, deutlich weniger als die Nenndrehzahl von 5800 Umdrehungen. Ein untrügliches Zeichen, dass beim Propeller noch optimiert werden kann. Bei einer angenehmen Reisegeschwindigkeit von 24,9 Knoten läuft der Motor mit 3500 Touren im wirtschaftlichsten Bereich bei einem Geräuschpegel von 80 dB(A). Dabei genehmigt er sich stündlich 29 Liter aus dem 170-Liter-Edelstahltank. Abzüglich einer 15-prozentigen Reserve sind mit der Drago also Reichweiten von 124 Seemeilen realisierbar.

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Extra-Schub: Der 240 PS starke Volvo V6 Benziner. Foto: Dieter Wanke



Das Fahrverhalten war beim relativ ruhigen Bodenseewasser tadellos, wobei die Drago auch die Heckwellen der Fähren ohne Probleme querte. Wer ausgetrimmt und mit hoher Geschwindigkeit eine Kehrtwende fährt, muss allerdings mit Kavitation am Propeller rechnen. Ungetrimmt zog er dagegen auch bei engsten Kreisen und erheblicher Querbeschleunigung bei Radien von maximal zwei Bootslängen keine Luft. Vollkreise bei langsamer Vorwärtsfahrt wurden mit maximal 1,5 Bootslängen gemeistert, wobei es im Rückwärtsgang noch etwas enger ging. Bei langsamer Geradeausfahrt ließ sich ein HARMLOSES? Gieren um die Längsachse feststellen. Insgesamt überzeugt Volvos stärkere Benziner in der Drago 23, weil er sehr gut am Gas hängt und mit zügigem Beschleunigungsvermögen für ausgeprägten Fahrspaß sorgt. Wer darauf weniger Wert legt, sollte auch mit den etwas leistungsschwächeren Antrieben gut beschlagen sein.

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Wide Beam: Die senkrechten Bordwände achtern erhöhen die Stabilität und den Platz im Cockpit. .Foto: Dieter Wanke



Preiswert und aufrüstbar
Zusammenfassend lässt sich die Drago 23 Yachtline als ein solides Boot mit durchdachten Detaillösungen charakterisieren, das zumindest mit der Spitzenmotorisierung Freude aufkommen lässt und sogar Brettsport möglich macht. Durch die Kabine eignet sich das Boot für Paare oder kleine Familien die damit mehrtägige Touren unternehmen können, und es lässt sich per Anhänger (im Paket inbegriffen) auch zu anderen Revieren trailern. Der Einstiegspreis mit der Basismotorisierung liegt bei 57 090 Euro, man könnte aber auch mehr investieren. Zum Beispiel in den stärkeren Antrieb oder in das Touring-Paket (4940 Euro), das sinnvolle Details enthält wie Klampen mittschiffs, ein Bimini-Verdeck, den Cockpittisch und die Druckwasseranlage enthält. Für das Testboot mit der Topmotorisierung waren 59 330 Euro veranschlagt, für die man ein Fahrzeug bekommt, das sich auch für verschiedene Einsätze eignet und dabei auch qualitativ auf ordentlichem Niveau liegt.

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Wochenend und Sonnenschein: Die Drago 23 Yachtline empfiehlt sich für Spritzfahrten mit bis zu sieben Personen oder etwas längere Touren zu zweit bzw. mit kleinen Kindern . Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Drago 23 Yachtline
Länge: 7,29 m
Breite: 2,48 m
Tiefgang: 0,85 m
Leergewicht: 1.691 kg
Durchfahrtshöhe: 1,80 m
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 7
Kojenplätze: 3
Brennstofftank: 170 l
Wassertank: 70 l
Grauwassertank: 30 l
Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel einer Leistung ab 103 kW (140 PS) bis 179 kW (240 PS)
Grundpreis mit Volvo Penta V6 200: 57 090 Euro
Preis mit Testmotorisierung Volvo Penta V6 240: 59 330 Euro

Bildschirmfoto 2016-02-29 um 3.04.17 PM

Messung mit Volvo Penta V6 240, Leistung 179 kW (240 PS)Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 3 Personen, Wasser 17 °C, Luft 17 °C, Wind 1 Bft., See: 0, Tank: Diesel: 85 l, (50%), Wasser: leer

Werft
Drago Boats S.A.
5 Lavriou Ave.
Koropi 19400
Griechenland

Importeur und Vertrieb
Öchsner-Boote GmbH & CO. KG (Testpartner)
Bürckentorstr. 24
97273 Kürnach

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