Dufour Yachts weiß, wie man gute und große Fahrtenyachten baut. Den eindrucksvollen Beweis dafür erbringt zum Beispiel das Flaggschiff, die 560 Grand Large. Dass sich die Franzosen auch in der heiß umkämpften 10-Meter-Klasse zurecht finden, zeigt die Dufour 350 GL, ein kompakter Tourer, der das erfolgreiche Vorgängermodell 335 GL ersetzt und dabei auch die schnittige Linienführung nicht missen lässt, für die das Konstruktionsbüro Felci Yacht Design bekannt ist: Senkrechter Steven vorn, Kimmkanten achtern und ein breites Heck, das mit einer Klappe geschlossen wird, die in gesenktem Zustand eine praktische Badeplattform ergibt.

m Charakter: Dufours 350 GL zeigt alle Merkmale der großen Modelle der Serie in einem kompakten Paket

Im Charakter: Die Dufour 350 GL zeigt alle Merkmale der großen Modelle der Serie in einem kompakten Paket. Auffällig der aufpreispflichtige Bugspriet.



Auf der Höhe der Zeit
Das fraktionale 9/10-Alurigg ohne Achterstag stammt von Selden und ist auf Deck gestellt. Es stützt eine Am-Wind-Segelfläche von 55 qm mit einer kleinen, nicht-überlappenden Selbstwendefock, die mit einer Facnor-Rollanlage ausgestattet ist. Standardmäßig wird die 350 GL mit Dacronsegeln von Elvström geliefert, auf Wunsch auch mit durchgehenden Latten im Groß. Die Wanten werden, wie heute üblich, an Püttingen gefahren, die außen an der Rumpf-Deck-Verbindung ansetzen. Dies ergibt engere Schotwinkel für das Vorsegel für besseres Aufkreuzen und eine ungehinderte Passage entlang der Seitendecks. Die Doppelsteueranlage und ein faltbarer Tisch sorgen für Platz und Bewegungsfreiheit im Cockpit, besonders beim Durchgang vom Heck zum Deckshaus. An beiden Steuerständen gibt es Kompasse vor und eine praktische hochklappbare Sitzbank für den Rudergänger hinter dem Rad, wobei auch die Primärwinschen vom Ruder aus leicht zugänglich sind, was dem Einhandbetrieb höchst förderlich ist.

Gewohnter Anblick: Breites Heck, chines und zwei Steuerstände sind auch in dieser Größe heute selbstverständlich.

Gewohnter Anblick: Breites Heck, große Klappe, Chines und zwei Steuerstände sind auch in dieser Bootsgröße heute selbstverständlich.



Die Elektronik wurde aufgeteilt: Der ist Kartenplotter an Steuerbord installiert, wo sich auch die Schaltung für den Motor befindet während die anzeigen für die Windinstrumente an montiert werden. Die Großschot wird an einem Hahnepot gefahren und am Kajütdach getrimmt und belegt, wie auch die Fallen und Trimmleinen. Erwähnenswert sind die beiden Lüftungsluken in diesem Bereich, die sich hinter der Spritzkappe verstecken, also auch bei Regen oder rauem Segelwetter offen bleiben können. Auf den Stauraum hat Dufour nicht vergessen: Fender, Leinen und anderes Zubehör, das man gern in Griffweite hat, werden von den Stauräumen im Cockpitboden hinter den Steuerrädern geschluckt. Für sich genommen sind solche Details keine spektakulären Besonderheiten, doch in ihrer Gesamtheit sind sie der Beweis, dass die 350 GL dem aktuellen Trend der Fahrtenyachten in ihrer Klasse entspricht.

Multifunktionaler Rüssel
Das GFK-Deck ist mit rutschfesten Oberflächen ausgestattet, wobei auch schicke Zierleisten aus Holz nicht fehlen, die jedoch sparsam eingesetzt sind, um Gewicht und Pflegeaufwand gering zu halten. In der Optionsliste sind auch Teakbeläge aufgeführt und zwar für Boden und Sitzflächen im Cockpit, für die Fußleisten an Deck, die bei Krängung besseren Halt bieten und für die Handläufe am Kajütdach.
Das Testboot hatte die serienmäßige Ankerrolle am Bugbeschlag, doch die Dufour 350 GL ist auch mit einem Bugspriet lieferbar, auf dem einerseits der Gennaker angeschlagen wird und der andererseits auch als Ankerhalterung dient, die das Grundeisen daran hindert, beim Fallen oder Hochholen am Gelcoat entlang zu schrammen, eine praktische und empfehlenswerte Aufrüstung.

Aufgeräumt: Das Deck der 350 GL ist frei von Hindernissen, die kleine Fock praktisch fürs Segeln mit kleiner  Mannschaft.

Aufgeräumt: Deck und Cockpit der 350 GL sind frei von Hindernissen, eine ebenfalls machbare Selbstwendefock wäre allerdings praktischer fürs Segeln mit kleiner Mannschaft.



Der Rumpf besteht aus einer Sandwichkonstruktion mit Schaumkern und wird von Hand unter der Verwendung von Harzinfusion laminiert. Das beschleunigt den Prozess, ergibt ein leichtes und steiferes Laminat, und soll auch umweltverträglicher sein, doch unter der Wasserlinie ist das Laminat massiv. Die Rumpf-Deck-Verbindung ist durch das innenliegende Flansch stabil und die Riggkräfte werden über eine integrierte Laststruktur in den Rumpf eingeleitet. Das Unterwasserschiff ist konventionell gehalten, mit einem mittigen Ruderblatt und dem L-förmigen Gusseisenkiel, der mit einer Ballastbombe ausgestattet ist und in der Länge von 1,90 m oder 1,55 m verfügbar ist.

Zwei oder drei Kabinen
Anders als das Vorgänger Modell, bietet Dufour die 350 GL mit zwei oder drei Kajüten an. Letzteres ist dem größeren Rumpfvolumen geschuldet, das durch die Verwendung von Kimmkanten erzielt wurde. Komfortliebhaber werden dennoch mit der Zweikabinen-Version liebäugeln, die über einen deutlich größeren Nassraum mit separater Dusche und eine eigene Navi mit Sitz verfügt. Das Pult kann bei Bedarf abgesenkt werden, entweder um die Sitzfläche zu vergrößern oder einen zusätzlichen Schlafplatz zu schaffen. Achtern sind je nach Version entweder eine große Kabine nach Backbord versetzt oder zwei kleinere Kammern installiert. Das Standardfinish des Mobiliars ist Maobi-Furnier, das gut zum hellen Ambiente passt, das von den zwei fixen Skylights und einer transparenten Decksluke viel natürliches Licht bekommt.

Helle Stube: Lichte Holzfurniere und moderne Gestaltung gehören bei allen französischen Großsereienherstellern mittlerweile zum guten Ton

Freundliches Ambiente: Lichte Holzfurniere und moderne Gestaltung gehören bei den französischen Großsereienherstellern zum guten Ton



Die konventionelle, L-Förmige Kombüse an Backbord hat erfreulicherweise zwei Spülbecken, einen von oben zugänglichen Isotherm-Kühlschrank und Corian-Arbeitsflächen mit Schlingerleisten, die den Abflug des Geschirrs bei Seegang verhindern. Praktisches Detail: Zur Vergrößerung der Arbeitsfläche kann der zweiflammige Eno-Herd mit einer Corianplatte abgedeckt werden, die bei Nichtgebrauch in einer Halterung am Schott gestaut wird oder als Serviertablett zum Einsatz kommt. Zwischen Herd und Kühlschrank wurde sinnigerweise ein Stauraum für Küchenzutaten wie Öl oder Gewürze geschaffen. Weinliebhabern imponiert das für Dufour übliche Flaschenregal, das unter den Bodenbrettern am Fuß der Niedergangstreppe versteckt ist.
Der Salon, der sich vorne an die Navi, bzw. die Küche anschließt, wird von einem großen Tisch mit zwei faltbaren Hälften dominiert, den man bereits von der größeren Dufour 382 GL kennt und der groß genug ist, um von beiden Sitzbänken bequem erreicht zu werden. Im fixen Mittelteil gibt es unter einer Klappe einen praktischen und variablen Stauraum.

Zwei oder drei? Yachten mit breitem Heck erlauben die Unterbringung von drei Doppelkajüten, für jene Kunden, denen dichte Bevölkerung an Bord nichts ausmacht.

Zwei oder drei? Dufour bietet die 350 GL mit zwei Konfiogurationen an, wobei in der Dreikajütenversion auch eine Option mit Kartentisch existiert.



Große Yacht mit kleinen Abmessungen
Der Test unter Segeln war spannend, bei Gewitter, Regen und guter Brise, womit sich die Angelegenheit ziemlich lebendig gestaltete. Bei 15 Knoten scheinbarem Wind schaffte die 350 GL gute 6,5 Knoten auf der Kreuz, bei einem Windeinfallswinkel von 45 Grad. Die Wenden ging leicht und flott von der Hand, Dank der Selbstwendefock. Am Raumschotkurs bei 120 Grad Windeinfall, sank die Geschwindigkeit auf 5,9 Knoten, nicht zuletzt aufgrund der kleinen Selbstwendefock.
Unter Motor (am Testschiff war eine stärkere 29-PS-Version eingebaut) lagen bei 3000 Umdrehungen 7,2 Knoten Höchstgeschwindigkeit an. Gemütlicher aber immer noch zügig geht’s mit 6 Knoten voran, was auch Reichweitenvorteile hat. Der Dieseltank fasst übrigens 160 Liter. In der Standardversion bunkert die 350 GL 220 Liter Wasser, die auf Wunsch durch Zusatztanks auf fast 400 Liter erhöht werden können. Wer gern länger oder mit Familie unterwegs ist, mag diese Option sinnvoll finden.
Dufour bietet die GL 350 mit abgestuften Ausstattungsvarianten an (Daysailing, Liberty, Adventure, Grand Prix), in denen nützliche und sportliche Details zu finden sind wie u.a. Spritzkappe, elektrische Ankerwinsch, ein fester Baumniederholer, das deutsche Cupper-Großschotsystem und ein durchgelattetes Großsegel. Das heißt, die Dufour 350 ist mit ihren knapp 10 Metern Rumpflänge zwar eine kleine Yacht, die ihren größeren Schwestern in Sachen Leistung allerdings um nichts nachsteht, und das ganz ohne den deftigen Preiszettel.

Technische Daten Dufour 350 GL
Lüa (Rumpflänge): 9,98 m
Gesamtlänge: 10,28 m
LWL (Länge Wasserlinie): 9,00 m
Breite: 3,54 m
Gewicht: 5,7 t
Tiefgang/alternativ: 1,90 / 1,55 m
Ballast/-anteil: 1,6 t / 27 %
Segelfläche am Wind: 55,0 qm
Maschine: Volvo Penta 20 PS
Treibstofftank: 160 l
Frischwassertank: 220 l
CE-Kategorie: B
Konstrukteur: Felci Yacht Design
Preis (Daysailer-Version): Ab 113.570 Euro inkl. MwSt.

Importeur für Deutschland: Baltic Yacht Management

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