Die Marke Eolo ist im deutschsprachigen Raum noch kaum bekannt. Dabei handelt es sich um Boote, die von der sizilianischen Werft NadirMarine gebaut werden, einem Betrieb, der ansonsten auch die Marke AS Marine Italia im Programm hat. Dabei ist das Unternehmen, das am Fuß des Ätna ansässig ist, beileibe kein Branchenneuling, sondern einen Hersteller, der mit Unterbrechungen seit über 40 Jahren im Geschäft ist und insbesondere in Italien für Sportboote mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis geschätzt wird. Konstruiert von Achille Fortunato, wurden die Boote ab Anfang der 1970er Jahre in GFK gebaut. Eine Krise am Ende der 1980er Jahre führte zum Konkurs und der Schließung der Werft, der allerdings im Jahr 2000 unter der Marke Nadir in Genua der Neustart gelang. Die Entwicklung der 650 day führte vor gut 10 Jahren zur Wiedergeburt der Marke Eolo. Es gibt vier Produktlinien mit insgesamt 15 Modellen, vom 5,10 Meter langen offenen Konsolenboot Eolo girasole bis zur 8,30 Meter langen Eolo 830 day mit einer Kabine für zwei Personen und großzügigen Sonnenliegen in Bug und Heck.

Mit der vielseitige Eolo 770 Cruiser will die italienische Werft NadirMarine in Deutschland Fuß fassen. Foto: boats.com/Wanke

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Die hier besprochene Eolo 770 Cruiser ist eine Rivalin der von uns bereits besprochenen Four Winns V255 feierte ihre Weltpremiere auf der boot 2017 in Düsseldorf und ist das Flaggschiff der "cabin line". Wer keine Einbaumaschine möchte, findet das Boot auch in einer Version für die Montage von Außenbordern, die als 770 HBS Cruiser im Programm ist. Auch wenn zu ihrem Leergewicht von 1,6 Tonnen noch der Motor und Antrieb mit insgesamt gut 400 kg gerechnet werden müssen, ist das 2,55 Meter breite Boot problemlos trailerbar. Da eine Zulassung in der CE-Kategorie B besteht, kann die Eolo 770 Cruiser theoretisch mit bis zu sieben Personen an Bord auch außerhalb von Küstengewässern bei Wellenhöhen bis zu vier Metern und bis Windstärke 8 betreiben.

Lounge mit Tisch am Achterdeck, wobei en Teil der Sitzbank die Badeplattform überragt. Der Flexiteak-Belag ist aufpreispflichtig. Foto: boats.com/Wanke


Praktische Raumaufteilung, viele Extras


Durch ihre zahlreichen Holzapplikationen bei Luken und Türen sowie dem Salontisch oder dem Flexiteek auf dem Cockpitboden hat das Testboot eine edle Anmutung. Es sollte aber klar sein, dass es sich dabei allesamt um Extras handelt, die zusätzlich berechnet werden. In der Serienausstattung blickt man auf nüchterne GFK-Oberflächen, auch bei der Tischplatte. Die Badeplattform mit einer ausklappbaren Badeleiter an Steuerbord gehört zur Serienausstattung, doch die wird teilweise durch die Sonnenliege im Heck überragt. Eine Oberfläche aus Flexiteek schlägt hier mit 1.110 Euro zu Buche. Unter der Liegefläche gibt's praktischen Stauraum und an Backbord befindet sich ein breiter Eingang ins Cockpit. Die Sonnenliege wird nach Umklappen der Rückenlehne teilweise zur Sitzgruppe im Heck und ist dann nicht mehr in voller Größe nutzbar. Dafür entsteht eine Sitzgelegenheit für bis zu vier Personen samt Tisch. Auf der Höhe des optionalen Geräteträgers (2.980 Euro) ist an Backbord eine Wetbar montiert. Sowohl das Waschbecken samt Armatur (160 Euro) und der einflammige Gaskocher (340 Euro) gehören zu den Extras.

Praktische Option: Die Wetbar an Backbord. Foto: boats.com/Wanke



Nach vorne schließt sich eine kombinierte Sitz- Liegefläche an, die mit der schrägen Rückenunterstützung Mitfahrern eine bequeme Liegeposition bietet, von der aus Sichtkontakt zum Fahrer gegeben ist, was der Kommunikation förderlich ist. Ein Kühlschrank (1.980 Euro) kann auf Wunsch für die Installation im Unterbau des Fahrersitzes bestellt werden. Zu den Optionen gehört ein nützliches Camperverdeck zum Aufpreis von 4.530 Euro, was Fahrten bei weniger guten Wetterbedingungen erlaubt. Für südliche Gefilde reicht sicher das Bimini für 1.710 Euro. Der Weg auf das Vorschiff führt durch die geteilte und aufklappbare Windschutzscheibe und über Trittstufen, die in der Schiebetür zum Salon einlaminiert sind. Für Polsterauflagen am Vorschiff werden 1.140 Euro aufgerufen, für eine elektrische Ankerwinde sind gar 1.650 Euro fällig.

Steuerstand und Niedergangsluk, über dessen einlaminierte Stufen der Weg auf das Vordeck führt, wenn das mittlere Element der Windschutzscheibe aufgeklappt wird. Foto: boats.com/Wanke


Eingerichtet für Übernachtungen


Der Salon verfügt über einen Vorraum mit 1,86 Meter Stehhöhe und einer gepolsterten Sitzgelegenheit an Backbord. Die Sitzgruppe im Bug kann in eine 1,75 Meter lange und 1,96 Meter breite, v-förmige Liegefläche umgebaut werden. Seitliche Luken dienen der Belüftung ebenso, wie ein großes Luk auf dem Vordeck, das auch als Notausstieg dient. An Steuerbord die Nasszelle, für die entweder ein Chemie-WC ( 270 Euro) oder eine elektrische Toilette mit Fäkalientank ( 2.730 Euro) erhältlich sind. Ein Waschbecken mit Duscharmatur und Wasserversorgung gehört zur Serienausstattung. Wer allerdings warm duschen will, muss für die Warmwasseraufbereitung zuzahlen. Hinter dem Niedergang wartet noch eine Unterflurkabine mit einer 1,90 Meter langen und 1,20 Meter breiten Doppelkoje, in der sich mit einem aufpreispflichtigen Vorhang auch etwas Privatsphäre schaffen lässt.

Der Salon der Eolo 770 Cruiser mit der Sitzgruppe, die sich durch Absenken des Tisches in eine große Doppelkoje verwandeln lässt. Foto: boats.com/Wanke


Gute Fahrleistungen mit der Spitzenmotorisierung


Das Testboot war mit einem MerCruiser 4,5 L mit 186 kW (250 PS) und Bravo Three Antrieb ausgestattet, nominell die Spitzenmotorisierung, die vom Hersteller angegeben wird. Gelistet ist außerdem auch ein MerCruiser 4,5 L mit 149 kW (200 PS) und Alpha One Antrieb. Beide Benziner sind mit Katalysator ausgerüstet und verfügen über eine Bodenseezulassung. Für Liebhaber von Selbstzündern steht ein Mercury-Diesel 3,0 l TDI mit 169 kW (230 PS) in der Liste. Ob sich allerdings der Aufpreis von 20.000 Euro im Vergleich zum Testantrieb je rechnen wird, obliegt der individuellen Kalkulation des Käufers. Wer am Steuerstand Platz nimmt, findet einen Kompass und alle nötigen Motorinstrumente in gut ablesbarer Position. An Platz für einen Kartenplotter eigener Wahl wurde auch gedacht. Der 4,5-Liter-V6 im Testboot brachte die Eolo 770 Cruiser in neun Sekunden bei 3000 Umdrehungen und 15,2 Knoten auf stabile Gleitfahrt. Nach insgesamt 25 Sekunden war die Spitzengeschwindigkeit von 34,4 Knoten erreicht. Dabei wichen die angezeigten 4700 Umdrehungen nur um 100 Touren vom unteren Bereich der Nenndrehzahl ab.

Das Testboot war mit einem MerCruiser 4,5 L mit 186 kW (250 PS) Leistung bestückt, womit mehr als 34 Knoten Höchstgeschwindigkeit erreicht wurden. Foto: boats.com/Wanke



Eine gute Reisegeschwindigkeit lag bei 3500 Umdrehungen und 23,2 Knoten an, bei der stündlich 41 Liter Benzin durch die Einspritzdüsen laufen. Mit dem 270-Liter-Tank sind nach Abzug einer 15-prozentigen Reserve also Schläge von 130 Seemeilen machbar. Schnelle Vollkreise meistert die Eolo mit Durchmessern von zwei Bootslängen in beide Richtungen, wobei insbesondere nach Backbord auch viel Kavitation im Spiel war. Beim Manövrieren mit Standgas waren Wendekreise mit 1,5 Bootslängen Durchmesser möglich. Der Geradeauslauf war auch bei Langsamfahrt dank gegenläufiger Doppelpropeller stabil. Durch eine Servolenkung, die mit 1.780 Euro gelistet ist, gehen Kurswechsel leicht von der Hand. Der Rumpf zeigte gute Laufeigenschaften und meisterte auch die Heckwellen der Bodenseefähren ohne Auffälligkeiten.

Sportlich und solide


Die Eolo 770 Cruiser ist insbesondere für Paare oder Familien interessant, die gelegentlich auch mehrtägige Touren mit Übernachtungen planen oder ihr Boot mit in den Urlaub nehmen möchten. Schlafplätze für bis zu vier Personen und bei entsprechenden Extras eine vollwertige Nasszelle sorgen für unbeschwertes Vergnügen auf dem Wasser. Die Verarbeitung des kleinen Kreuzers ließ sich dabei genauso positiv beurteilen, wie die Fahreigenschaften. Durch die Zulassung für Fahrten außerhalb von Küstengewässern sind theoretisch auch längere Törns auf See machbar, die lediglich durch die Tankkapazität beschränkt sind. Der Einstiegspreis für die Eolo 770 Cruiser liegt bei 42.730 Euro. Der MerCruiser 4,5 L mit 186 kW (250 PS) und Bravo Three Antrieb schlägt mit 30.330 Euro zu Buche. Samt einer Transport- und Auslieferungspauschale von 2.440 Euro liegt der Grundpreis ohne die vielen Extras des Testbootes dann bei 75.500 Euro.

Interessante Kombination: Die Eolo 770 Cruiser bietet Cruising-Komfort in einem trailerbaren Paket. Foto: boats.com/Wanke


Technische Daten Eolo 770 Cruiser


Länge: 7,70 m
Breite: 2,55 m
Tiefgang: 0,45 m (Antrieb oben)
Durchfahrtshöhe: 2,55 m
Leergewicht: 1600 kg (ohne Motor)
Gewicht Testboot mit Motor: ca. 2.010 kg
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: B mit 7 Personen
Brennstofftank: 270 l
Wassertank: keine Angabe
Abwassertank: keine Angabe
Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel mit einer empfohlenen Leistung bis 186 kW (250 PS).
Grundpreis ohne Motor: 42.730 Euro
Preis inklusive Transportpauschale mit Testmotorisierung MerCruiser 4,5 L mit 186 kW (250 PS):75.500 Euro

Messung mit MerCruiser 4,5 L mit 186 kW (250 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 16 °C, Luft 24 °C, Wind 0-1 Bft., See: 1, Tank: 165 l, (61%), Wasser: (50%)

Werft


NadirMarine Srl
C.da Ponte Rosmarino s/n
98076 Sant'Agata di Militello ME

 

Importeur und Lieferant des Testbootes


Marine-Center Diebold GmbH
Wendelsbergstr. 5
D 78465 Konstanz-Dettingen

 

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