Eigentlich ist es ein und dasselbe Boot. Doch in Europa wird es als 420 FX bezeichnet, während es im Herkunftsland USA 400 FX genannt wird. Die Diskrepanz leitet sich aus dem Umstand ab, dass im einen Fall die Badeplattform bei der Gesamtlänge mitgerechnet wird, im anderen nicht. Das Kürzel FX allerdings wurde nicht geändert und das steht für die Ausstattungsvariante der Supersport-Baureihe mit Carbon-Applikationen und speziellen Decksbelägen. Außerdem war das Testboot mit „Extreme”-Komplettlackierung und Hardtop ausgestattet, was schon im Hafen für viel Aufmerksamkeit sorgte.




Auffällig schnittig und schnell: Formula 420 FX . Foto: Dieter Wanke

Auffällig, schnittig und schnell: Formula 420 FX . Foto: Dieter Wanke


Die US-Bootsbauer von Thunderbird in Decatur, Indiana, sind für schnelle Boote mit guten Fahrverhalten bekannt, wobei der Familienbetrieb auch auf solide Verarbeitung und sorgfältige Materialwahl großen Wert legt. Laminiert wird grundsätzlich in Handarbeit und ausschließlich mit hochwertigem Epoxidharz. Damit sind Osmoseprobleme ausgeschlossen und die Boote gewinnen auch an Langlebigkeit und Wertbeständigkeit, entsprechende Wartung und Pflege vorausgesetzt. Die Rumpfkonstruktion erhält ihre Festigkeit durch GFK-Stringer und das komplette Ausschäumen der Fiberglasstruktur. Generell ist der Formula 420 FX hohe handwerkliche Qualität zu attestieren, besonders beim Innenausbau und der Verarbeitung der Bauteile.




Die Wetbar, ein Muss auf einem Boot aus den USA. Foto: Dieter Wanke

Die Wetbar im Cockpit: Ein Muss auf einem Boot aus den USA. Foto: Dieter Wanke


Außen markant, innen elegant
Ihre Sonderlackierung und schnittige Silhouette machen die 420 FX schon im Hafen zum Blickfang. Das Achterschiff präsentiert sich mit großer Badeplattform und erweiterbarer Sonnenliege an die sich nach vorne hin eine großzügige Sitzgruppe samt Wetbar anschließen. Der Silver-Teak-Decksbelag der FX-Ausstattung wirkt in Kombination mit den hellen Kunstlederbezügen des Cockpit-Mobiliars sehr sportlich. Im betont  sportlichen Trimm präsentiert sich auch der Arbeitsplatz des Rudergängers, der auf einer bequemen, leider aber nicht verstellbaren Doppelsitzbank sitzt. Die Livorsi-Instrumentierung ist auf den Fahrer ausgerichtet und durch gute Platzierung immer im Blickfeld. Die Armaturentafel im Kohlefaser-Trimm betont die Sportlichkeit, wobei auch genügend Platz für weiteres Navigationszubehör vorhanden ist., wie z. B. einen optionalen Kartenplotter von Raymarine.




Instrumente von Livorsi und Raymarine am Armaturenbrett, doch keine Verstellung für die Sitzbank. Foto: Dieter Wanke

Instrumente von Livorsi und Raymarine, doch keine Verstellung für die Sitzbank. Foto: Dieter Wanke


Für Sonnenhungrige lassen sich auf dem Vorschiff zwei Liegen montieren. Erfreulich: Edelstahl-Anker samt Kette und elektrischer Winde gehören zur umfangreichen Serienausstattung. Der Raum unter Deck wird dominiert vom Salon mit einer maximalen Stehhöhe von 1,88 Meter und einer großen, V-förmigen Sitzgruppe im Bug. Hier kann entweder ein dreiteiliger Tisch montiert werden oder es steht eine großzügige Liegefläche mit 2,10 Metern Länge und 2,15 Metern Breite zur Verfügung. Mehr Wohnraum gibt’s in der offene Unterflurkabine, deren Kojenmaße 2,00 mal 1,70 Meter betragen. Die edle Pantry mit großvolumigen Kühlmöglichkeiten und Edelholz-Oberflächen bzw. die komplett ausgestatteten Nasszelle tragen ebenfalls zum komfortablen Aufenthalt an Bord bei.




Keine Wünsche: Galley der Formula. Foto: Dieter Wanke

Keine Wünsche: Nobel-Galley der Formula. Foto: Dieter Wanke


Schnell, aber nicht knifflig
Das Boot wir ausschließlich mit doppelten Antriebsanlagen geliefert, wobei die Basismotorisierung aus zwei Mercruiser 8,2 MAG MPI besteht. Wer lieber mit Selbstzündern fährt, wählt Dieselaggregate wie den Volvo Penta D6-370 oder Yanmar 8LV-370. Im Testboot waren allerdings Benziner des Typs MV10-725 von der bekannten Formel 1 Motorenschmiede Ilmor eingebaut. Das sind die stärksten in der EU zugelassenen Benziner, die Emissionswerte gemäß der EU-RCD erfüllen. Die beiden V-10-Aluminium-Triebwerke mit 8,4-Liter-Hubraum basieren auf dem Motorblock der Dodge Viper und sind schon rein optisch eine Augenweide. Für die Übertragung des brachialen Drehmoments von 880 Newtonmetern der jeweils 540 kW (725 PS) starken Motoren sorgen das Ilmor Hydraulik Getriebe und ein Indy-Drive, beide mit Trockensumpf-Schmierung. Die 6-Blattpropeller der Oberflächenantriebe mit 18-Zoll-Durchmesser sind CNC-gefräst und mit ihrer 26er Steigung gut auf die Leistung abgestimmt. Beim Vollgastest erreichte die Formula 420 FX bei einer Drehzahl von 6000 Umdrehungen 55,4 Knoten und lag dabei mitten im maximalen Drehzahlband der Motoren, das mit 5800 bis 6300 Umdrehungen angegeben wird.




Das Ilmor-Kraftwerk von 2 x 725 PS. Macht was her, allerdings auch an der Tankstelle. Foto: Dieter Wanke

Ilmor-Kraftwerk: Macht was her, allerdings auch an der Tankstelle. Foto: Dieter Wanke


Bei der Beschleunigung aus dem Stand bis zur Gleitfahrt bei 3200 Umdrehungen und knapp 23 Knoten müssen die Gashebel der allerdings mit Gefühl und Sachkenntnis bedient werden. Dabei vergehen trotz unterstützender Justierung der Trimmklappen immerhin 10 Sekunden, denn die Propeller greifen beim allzu zügigen Beschleunigen zur zögerlich und ziehen bei falschem Umgang schnell Luft. Ist die Gleitphase erreicht, kann’s losgehen mit dem Fahrspaß. Allerdings: Im Volllastbetrieb laufen laut Anzeige pro Triebwerk satte 230 Liter Treibstoff durch die Leitungen. Nimmt man Gas weg, um mit einer immer noch flotten Reisegeschwindigkeit von gut 30 Knoten bei 4000 Touren unterwegs zu sein, sind es 125 Liter je Motor. Dies ergäbe mit dem 946-Liter-Tank eine Reichweite von rund 100 Seemeilen eine Sicherheitsreserve von 15 Prozent eingerechnet. Insgesamt ist das Fahrverhalten des Rumpfes in jeder Beziehung vorbildlich und selbst beim Ausschöpfen des vollen Geschwindigkeitspotenzials völlig unkritisch. Der tiefe V-Rumpf der Formula sorgt mit einer Aufkimmung von 22 Grad für hohe Spurstabilität und weiches Eintauchen in die Welle. Exzellentes Kurvenverhalten gehört ebenso zu den Stärken der Rumpfkonstruktion, wie gute Rauwassereigenschaften.




Bis zu 55 Knoten erreicht die Formula 420 FX mit der Topmotorisierung. Foto: Dieter Wanke

Bis zu 55 Knoten erreicht die Formula 420 FX mit der Topmotorisierung. Foto: Dieter Wanke


Sportgerät mit High-End-Technik für betuchte Kundschaft
Hohe Qualität und viel feine Technik haben natürlich ihren Preis. Mit 929 000 Euro ist schon die weniger auffällige Formula 420 SS mit der im Test gefahrenen Topmotorisierung kein Schnäppchen. Mit der FX-Sonderausstattung, die mit weiteren 39.900 Euro zu Buche schlägt, der FX-Extreme Komplettlackierung für 25.730 Euro und dem Hardtop für 20.590 Euro ist man schnell jenseits von einer Million Euro. Der Gegenwert? Ein Boot mit einzigartiger Technik und unverkennbarem Klang, an dem viele neidische Blicke hängen bleiben.


Technische Daten  Formula 420 FX
Länge: 12,65 m
Breite: 3.35 m
Tiefgang: 0,91 m
Leergewicht: 7747 kg
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: B
Kraftstofftank: 946 Liter
Wassertank: 189 Liter
Motorisierung: Doppelanlagen mit Benzinern und Dieseln von MerCruiser, Volvo Penta, Ilmor, MarineDiesel und Yanmar ab 2x 272 kW (370 PS) bis 2 x 540 kW (725 PS)
Preis mit Testmotorisierung Ilmor MV10-725, Ilmor Indy, Leistung 2 x 540 kW (725 PS) ab 968 900 €


Messwerte des Testbootes
Revier: Rhein bei Rüdesheim, Deutschland, Besatzung: 2 Personen, Wasser 17 °C, Luft 20 °C, Wind 1 Bft., See: 0, Tanks: Benzin: 756 l, (80%), Wasser: leer


Bildschirmfoto 2014-09-08 um 7.15.05 PM


 

Hersteller
Thunderbird Products
2200 W. Monroe St.
Decatur, IN 46733-5003
USA


Händler
Marine Partner Network GmbH & Co. KG
Polsumer Strasse 91
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