Was macht ein passionierter Segler, der sich ein Motorboot zulegen will, aber auf dem Markt kein passendes findet? Carl Krause von der finnischen Werft K24 Boats kennt Leute, die bei Nautor, der Werft, die Swan Segelyachten baut, jahrelang Boote zuerst auf den Bildschirm und dann aufs Wasser gebracht haben. Die wissen wie’s geht und garantieren zudem erstklassige Verarbeitung für GFK-Laminat, Teakdeck und Interieur.

Flott und finnisch: Die K-24, ein Boot für viele Zwecke. Foto: boote/M.  Strauch

Flott und finnisch: Die K-24, ein Boot für viele Zwecke. Foto: boote/M. Strauch



In diesem Sinne schufen Krause und sein Team den etwas anderen Daycruiser: schnörkellos im Design und in der Ausstattung gänzlich auf Funktion ausgerichtet. Wer mehr will, muss in Zubehör investieren. Die klare Linie findet sich auch in der Typenbezeichnung wieder, die sich an Konstrukteur Krause und an der Bootslänge in Fuß orientiert.

Nüchtern betrachtet ist die K-24 eigentlich ein Boot, mit dem man schnell und sicher von A nach B kommt, das Wasserskiläufern den Speed, Schwimmern und Tauchern die Plattform samt Leiter und Anglern das geräumige Cockpit bietet. Die V-Koje unter dem Vordeck ist für jeden Nutzer gleichermaßen praktisch. Bleibt die Frage, ob die "Null-Komfort-Politik" in der 140 000-Euro-Klasse die richtige Verkaufsstrategie ist. Leere Staukästen und Schränke sind nicht attraktiv, auch nicht wenn man sie gegen Aufpreis mit Kühlbox, Spüle, Kocher und Chemie-Klo füllen kann.

Sicher in den Kurven
Ob in dem mit einem selbstverlöschenden Schaumstoff sauber ausgekleideten Motorraum ein Diesel- oder ein Benzinmotor Dienst tun soll, entscheidet der Käufer. Beim Test beschleunigte der 260 PS starke Benziner mit Z-Antrieb die vollgetankte K-24 mit dem perfekt abgestimmten Doppelpropeller auf 37,6 Knoten.

Das macht Spaß, kostet aber D-Zug-Zuschlag (1,76 l/sm). Wer mehr Meilen machen möchte und während der Fahrt mit seinem Beifahrer reden will, setzt sich ein Tempolimit von 25 Knoten. Die dabei gemessenen 82 dB/A und die Reichweite von 172 Seemeilen gehören im Testurteil unter die Überschrift „Gut”. Gleiches gilt für die Motorraumbe- und entlüftung, die das Thermometer am Arbeitsplatz des Achtzylinders nicht über 34 °C klettern lässt.

Kräftig: MerCruiser 5,0 MPI mit 260 PS. Foto: boote/M.  Strauch

Kräftig: MerCruiser 5,0 MPI mit 260 PS. Foto: boote/M. Strauch



Was Rumpf und Doppelpropeller-Z-Antrieb können, zeigt sich besonders im schnellen Kreisverkehr und bei rauem Wasser. Die K-24 lässt sich bei 33 Knoten ohne Aufschaukeln, Einhaken und Propellerventilation in enge Kurven und Kreise steuern. Wichtig ist die richtige Trimmposition des Z-Antriebes. Sie sorgt dafür, dass die Propeller nicht nach Luft schnappen und der zügige Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt nicht zum Blindflug wird. Wie gewohnt sorgt auch auf diesem Boot der Doppelpropeller-Z-Antrieb für Kursstabilität bei Verdrängerfahrt und gute Manövrierbarkeit im Hafen.

Licht und Schatten
Ein dickes Lob verdient die direkte und in jeder Situation leichtgängige Servolenkung. In der Kritik hingegen stehen das Hardtop und die Back-to-Back-Sitze für Fahrer und Beifahrer. Sie sind zwar gut gepolstert, aber nicht verstellbar. Sitzfläche und Rückenlehne sind (zu) kurz und das schöne Leder leider viel zu glatt. Ein Nachteil, den die Haltegriffe nicht kompensieren können.

In der Hardtop-Version mangelt es an ausreichender Sitzhöhe und zudem ist das Sichtfeld seitlich eingeschränkt. Das alternativ angebotenen Kabrioverdeck bietet hier bessere Lösungen. Dass die K-24 alles andere als ein Schönwetterboot ist, zeigt sich bei Windstärke 4 auf der Flensburger Förde. Sie läuft mit und gegen die Wellen weich, kursstabil und trocken. Hart zur Sache geht es lediglich im Volllastbereich und auf dem Schaukel-Kurs querab zur Welle.

Kurvensicher: Die K-24 bringt am Wasser Fahrleistungen, die man von guten skandinavischen Booten gewohnt ist.  Foto: boote/M.  Strauch

Kurvensicher: Die K-24 bringt am Wasser Fahrleistungen, die man von guten skandinavischen Booten gewohnt ist. Foto: boote/M. Strauch



Weiters überzeugt die K-24 mit kleinen Wendekreisen und schnellem Umsteuern, womit das Boot den Job des Fahrers erleichtert, der hinter einer leicht getönten Windschutzscheibe aus Sicherheitsglas sitzt. Hilfreich dabei sind die exakte Einhebelschaltung, der große Scheibenwischer, Kompass, Kartenplotter und das Kontrollsystem des Motorenherstellers.

Dass die Techniker ihr Handwerk verstehen beweisen fachmännisch ausgeführte Installationen. Der Motorraum ist gut zugänglich, der Niro-Tank und die Batterien sind solide verankert und Batteriehauptschalter, Sicherungsautomaten und Kraftstofffilter sind bequem zu erreichen. Ein Schwachpunkt sind die zum Teil scharfkantigen Kabel- und Leitungsdurchführungen in den Schottwänden.

Fahreigenschaften, Cockpitseitenhöhe, Teakdeck, Badeplattform mit Leiter und zwei Feuerlöscher (automatisch und manuell) stellen dem Boot nur zum Teil ein gutes Sicherheitszeugnis aus. Das selbstlenzende, aber achtern offene Cockpit, das Vordeck ohne Handläufe, die Lenzeinrichtung ohne zusätzliche Handpumpe und der fehlende Kraftstoffabsperrhahn können den BOOTE-Standard nicht erfüllen.

Leere: Die Staukästen warten auf Zubehör. Foto: boote/M.  Strauch

Leere: Die Staukästen warten auf Zubehör. Foto: boote/M. Strauch



Dem Cockpit, das jede Menge Stauraum bietet, fehlt es in der Standardversion an Komfort, nicht nur wegen der mit 90 cm gering bemessenen Sitzhöhe. Hardtop mit Faltdach, das zweiteilige Verdeck, das den Fahrstand zum Ruderhaus macht, und eine Sitzbank über dem Motorkasten sind dabei zuwenig. Magerkost ist auch in der Schlupfkabine angesagt, wo nicht unter-lüftete Polster gerademal ausreichend für Bequemlichkeit sorgen. Gut gemacht dagegen sind die Einbauten aus Eiche und die sauber ausgestrichenen Stauräume im Boden und unter den Polstern.

Athletisch, asketisch und gut gemacht
Fest gemacht wird mit Hilfe der fünf soliden Belegklampen. Auf eine Scheuerleiste, die ihren Namen verdient, verzichten die finnischen Bootsbauer leider, spendieren jedoch vier Fenderösen und einen selbstlenzenden Ankerkasten. Schick und auf dem Stand der Technik sind die LED-Positionslichter, die zudem die vorgeschriebene Zulassung des BSH haben.

Aufgeräumt: Plicht mit vier Sitzen, die allerdings ergonomisch nicht dem Stand der Technik entsprechen. Foto: boote/M.  Strauch

Aufgeräumt: Plicht mit vier Sitzen, die allerdings ergonomisch nicht dem Stand der Technik entsprechen. Foto: boote/M. Strauch



Wer auf seinen Tagesausflügen auf den Komfort, den Toilette, Dusche, Spüle, Kocher und Kühlbox bieten, verzichten will oder kann, findet in der K-24 ein erstklassig verarbeitetes Boot mit hervorragenden Fahreigenschaften. Die fehlenden Handläufe, Absperrhahn und Handlenzpumpe kann die Werft mühelos nachrüsten. Wenn sie will.

Spezifikationen K 24
Werft: K 24Boats/Finnland
CE-Kategorie: C (küstennahe Gewässer)
Rumpf und Deck: GFK/Sandwich
LüA: 7,68 m
Breite: 2,48 m
Verdr.: 2,1 t
Tiefgang.: 0,80 m
Durchfahrtshöhe: 1,65 m
Kraftstofftank: 270 l
Kojen: 2
Mögl. Motorisierung: Benzin- oder Dieselmotor, 162 kW – 190 kW (220 – 260 PS)
Testmotorisierung : MerCruiser 5,0 MPI, 190 kW (260 PS)
Preis Testboot: 138 000 €

Vertrieb Deutschland
Flensburger Yacht-Service
Am Industriehafen 4
24937 Flensburg

 

 

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von Logo Boote, Europas größtem Motorboot-Magazin.

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