Das Bootscenter Keser an den Ufern der Havel ist seit Jahrzehnten eine feste Größe bei Wassersportlern in Berlin, ist dabei nicht nur Händler diverser Marken, sondern lässt seit langem auch Stahlverdränger aus niederländischer Produktion mit der Bezeichnung Keser Hollandia nach eigenen Vorstellungen bauen. Die Vorgaben kommen von Keser selbst, aber insbesondere auch von den Kunden. Umgesetzt werden sie in der Gruno-Werft in Zoutkamp, wo seit über 30 Jahren solide und preiswerte Fahrtenyachten entstehen, die häufig auch bei Charterunternehmen in nordeuropäischen Binnengewässern im Einsatz sind. Damit folgt die 35 dem etwas größeren 38-Fuß-Modell, das in die gleiche Kerbe schlägt.
Anders als etwa bei GFK-Booten, bei denen die Abmessungen von einer festen Form vorgegeben werden, ist es bei Stahlkonstruktionen einfacher, auf spezifische Kundenwünsche einzugehen und entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Wie groß die Stahlplatten sind, die zusammengeschweißt werden, kann letztlich jeder Kunde selbst bestimmen. Ähnlich verhält es sich mit dem Ausbau, denn ein Schrank oder eine Koje sind leicht etwas größer oder kleiner zu bauen und Spül- oder Waschmaschine lassen sich auf Wunsch meist irgendwo einpassen.

Deutsche Marke gebaut in Holland: Der Stahlverdränger Keser Hollandia 35 classic mit Kuchenbude. Foto: boats.com/Wanke

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Interessant ist die Charteroption, die Keser anbietet und über die sich potenzielle Eigner den Traum von der eigenen Yacht mit einem Kaufcharterkonzept verwirklichen können. Dabei kann das erworbene Boot dem Unternehmen zum Verleih zur Verfügung gestellt werden, wenn es nicht selbst genutzt wird. Ein Teil des Gewinns fließt an den Eigner zurück, der damit sein Boot finanzieren kann. Auch die getestete Keser Hollandia 35 classic entstammt diesem Geschäftsmodell und läuft bei Keser als „Seepferdchen 28“ im Charterbetrieb.

Massiv: Grundeisen am Bug. Serie ist eine manuelle Winsch, die aber gegen Aufpreis durch eine elektrische ersetzt werden kann. Foto: boats.com/Wanke


Rundum komfortabel


Der komfortable Einstieg erfolgt entweder über eines der seitlichen Gangborde, wofür sich die Reling öffnen lässt, oder über die kurze Badeplattform im Heck und eine Treppe an der Backbordseite. Wer vorne zusteigen möchte, oder mit dem Bug zum Steiger anlegen will, muss hingegen einen beherzten Schritt über eine Strebe samt Halter für einen Flaggstock an der geteilten Reling machen. Ein Tritt aus Holz wäre da praktischer. Von den Gangborden jedenfalls führt eine Treppe auf die nächsthöhere Ebene des Cockpits, wo Bestuhlung und umlaufende Persenning so platziert sind, dass ein Weg bis zum Abgang im Heck frei ist. Das hat bei Manövern Vorteile und erleichtert den Zugang zu den beiden praktischen Fenderkörben, die für 450 Euro Zuzahlung zu haben sind und zum Rettungsring.

Steiler Abgang: Eine Treppe führt an Backbord zum Heck. Foto: boats.com/Wanke



Das solide und gut sitzende Verdeck, das für 3.190 Euro angeboten wird, umschließt das gesamte Cockpit und schafft damit einen wettergeschützten Raum in dem sich nicht nur eine breite, fest installierte Hecksitzbank befindet, sondern auch der einzige Steuerstand des Bootes. Der hat neben der leichtgängigen Servolenkung und allen gängigen Motorinstrumenten auch Platz für das im Testboot montierte Zubehör, wie Kartenplotter oder die Steuerung der nützlichen aber aufpreispflichtigen Bug- und Heckstrahlruder. Für die Steuerbank mit klappbarer Rückenlehne werden 590 Euro extra berechnet wobei ein zweiter Steuerstand ist für 4.190 Euro in de Preisliste geführt wird. Wer das Ensemble mit einem Tisch ergänzt, erhält hier eine praktische Sitzgruppe und hat auch eine 12-Volt-Steckdose in Reichweite, die für den Betrieb oder das Aufladen von elektronischem Gerät ermöglicht. Wie bei allen Booten dieser Klasse sind auch auf dem Testschiff grundsolide Klampen montiert und auch die Ankerinstallation gehört zur überaus robusten Ausstattung. Ebenfalls angenehm: Für das Bewegen an Deck, z.B. bei Manövern, gibt’s überall genügend Platz und Haltegriffe.

Platz für Bewegung: Bei der Arbeit an Deck kann sich die Crew dank des vorhandenen Raums ungehindert bewegen. Foto: boats.com/Wanke



Keine Enge unter Deck


Neben dem Steuerstand führt ein Niedergang in die Unterkünfte, wobei im Salon eine L-förmige, bequem gepolsterte Sitzgruppe an Steuerbord bereitsteht, mit einer gegenüberliegenden Sitzbank. Auch einen variablen Tisch gibt es hier, der das Ensemble sinnvoll ergänzt. Notfalls lassen sich hier durch Umbau der Sitzgelegenheiten zwei weitere Kojen installieren. Das ist durchaus nützlich, wenn mal mehr Gäste übernachten wollen, doch für den Dauergebrauch ist es wohl keine praktische Lösung. Auf der etwas tiefer liegenden Ebene davor ist die Pantry installiert, samt Stauräumen, Arbeitsflächen, Spülbecken, 4-Flamm-Gaskochfeld, Kühlschrank und einer Mikrowelle (ein Extra für 890 Euro). Hinter einer Tür im Bug wartet eine geräumige Gästekabine mit 1,93 Meter Stehhöhe sowie einer 1,95 Meter langen und 1,30 Meter breiten Doppelkoje. Eine zweite Nasszelle mit Waschbecken, optionalem Elektro-WC (750 Euro) und getrenntem Duschabteil gehört zu den Extras. Ähnlich komfortabel, nur noch etwas geräumiger, dann die Eignerkabine im Heck, wobei die maximale Stehhöhe dort “nur” 1,90 Meter beträgt. Luxuriös sind die Kojenmasse von 1,95 mal 1,60 Meter. Stauraum ist auch hier keine Mangelware, doch im Gegensatz zu vorne, sind Dusche und Bad in getrennten Räumen untergebracht, die direkt aus der Kabine zugänglich sind. Beiden Kabinen sind durch diverse Luken gut belüftet und haben je ein großes Luk, das als Notausstieg taugt.

So lässt sich's leben: Sitzgruppe im Salon mit Tisch und Aussicht. Foto: boats.com/Wanke


Solide Motoren für lange Fahrten


Schon in der Basisausstattung ist die Leser 35 Holland komplett ausgerüstet, mit 16-kg-Anker samt 30-Meter-Kette und manueller Winde, drei Scheibenwischern, zwei 160-Ah-Batterien, automatischem Druckwassersystem und der eingangs erwähnten hydraulischen Lenkung. Wer allerdings Luxus will, muss tiefer in die Tasche greifen. Dazu gehören wie ebenfalls schon erwähnt, Bug- oder Heckstrahlruder, die in unterschiedlich starken Versionen bestellbar sind, eine elektrische Ankerwinde, Batterielader, Wechselrichter, Generator oder Kartenplotter. Wer einen separaten 180-Liter-Schmutzwassertank möchte, um lange fernab von Infrastruktur unterwegs zu sein, muss 2.800 Euro Aufpreis einkalkulieren. Generell ist der individuellen Zusatzausrüstung kaum Grenzen gesetzt, vorausgesetzt, sie ist technisch realisierbar.
In der Basisausstattung wird das Boot mit einem 4-Zylinder-Diesel mit 51,4 kW (70 PS) angeboten, wobei im Testboot aber ein Solé SM 105 Reihensechszylinder Saugdiesel mit einer Leistung von 69,9 kW (95 PS) für Vortrieb sorgte. Das Triebwerk hat fünf Liter Hubraum, stammt von Mitsubishi und wird in Spanien bei Solé marinisiert. Die Fahrleistungen der Käser Holland 35 sind typisch für Knickspanter dieser Klasse. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 8,2 Knoten und wird bei 2200 Umdrehungen mit wenig Lärm erreicht. Nur 68 dB (A) wurden am Steuerstand gemessen. Das liegt etwas unter der Nenndrehzahl von 2500 Touren, die der Hersteller angibt, doch das ist in der Praxis von geringer Bedeutung, weil diese Boote auf Wirtschaftlichkeit optimiert sind und kaum mit Vollgas betrieben werden.

Kein Kraftprotz: Der im Testboot verbaute 6-Zylinder Diesel von Mitsubishi, wurde bei Solé in Spanien marinisiert und leistet 95 PS. Foto: boats.com/Wanke



Eine Reisegeschwindigkeit von sieben Knoten, die bei etwa 1800 Umdrehungen erreicht wird, genügt meist vollkommen, wobei der Kraftstoffverbrauch auch deutlich niedriger ist. Laut Hersteller genehmigt sich der Selbstzünder bei dieser Drehzahl knapp acht Liter Diesel pro Stunde. Bei 1500 Umdrehungen und 6,6 Knoten Fahrt sind es keine fünf Liter mehr. So gesehen, reicht der 500-Liter-Treibstoftank für 100 Betriebsstunden oder 660 Seemeilen, wenn ohne Reserve kalkuliert wird. Nachtanken ist also auf Urlaubsfahrt selten nötig. Mit tadellosem Geradeauslauf und guten Manövriereigenschaften zeigte das Schiff ein zum Charakter passendes Fahrverhalten und konnte im Hafen dank der Strahlruder praktisch in jede passende Lücke manövriert werden.

Komfort und langes Leben


Gemütlich reisen: Mit etwa 8 Knoten Topspeed und einer Marschgeschwindigkeit von 6 bis 7 Knoten kommt unterwegs keine Hektik auf - genau richtig für den entspannten Urlaub. Foto: boats.com/Wanke



Die Keser Hollandia 35 classic zeigte sich als solider Stahlknickspanter mit fertiger Verarbeitung, dem dank seiner robusten Bauweise eine langer Lebensdauer beweiden sein dürfte. Für den Grundpreis von 173.700 Euro mit der etwas stärkeren Testmotorisierung bekommt der Käufer eine sehr ordentliche Grundausstattung, die durch komfortable Extras oder Sonderwünsche individuell ergänzt werden kann.


Technische Daten: Keser Hollandia 35 classic


Länge: 11,00 m
Breite: 3,55 m
Tiefgang: 0,90 m
Minimale Durchfahrtshöhe: 2,65 m (3,70 m mit Verdeck)
Leergewicht: 10.000 kg
Baumaterial: Stahl
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 8
Kojen: 4 (+ 2)
Wassertank: 500 l
Fäkalientank: 180 l (Option)
Brennstofftank: 500 l
Basismotorisierung: 4 Zylinder Diesel mit 51,4 kW (70 PS)
Grundpreis mit Testmotorisierung Solé SM 105 mit 69,9 kW (95 PS): 173 700 Euro
Motor im Testboot: Solé SM 105, Leistung 69,9 kW (95 PS), Zylinderzahl: 6 in Reihe, Hubraum: 4996 cm3, Nenndrehzahl: 2500 min-1

Revier: Großer Zernsee, Deutschland, Crew 2, Messung: GPS, Wasser 20° C, Luft; 16° C, Wind: 1 Bft, See 0, Diesel: 500 l (100 %), Wasser: 500 l (100%)

Werft


Gruno Motoryachten
Reitdiepskade 19
Zoutkamp
9974 PJ

Vertrieb und Testpartner


Bootscenter Keser GmbH
Heerstr. 199
13595 Berlin

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