Es hat lange gedauert, bis sich die Katamaranspezialisten der 1984 gegründeten französischen Lagoon-Werft wieder dazu durchringen konnten, Motorkatamarane anzubieten. Dabei lief das Geschäft, schon mal gut, mit der zur Jahrtausendwende vorgestellten Lagoon 43 Power, die später von der Lagoon 44 mit stärkerer Motorisierung, größere Flybridge aber gleichem Unterbau abgelöst wurde. Wichtig: Beide waren reinrassige Motorkatamarane, die mit zwei kräftigen Dieseln mit maximal 463 kW (630 PS) Gesamtleistung auf Spitzengeschwindigkeiten um die 20 Knoten kamen. Doch dann kam die Bankenkrise, der Markt brach ein und Lagoon stoppte die Produktion. Danach entwickelte die Werft keine eigenständige Power-Linie mehr, brachte aber die 630 MY heraus, ein großes Modell, das aber von der Lagoon 620 Segelyacht abgeleitet war und mit bis zu zwei Mal 300 PS immerhin rund 15 Knoten machte. Durch den Verkaufserfolge motiviert, folgte im Sommer 2015 dann die 40 MY, ein auf Power umgerüsteter Lagoon 39 Segelkatamaran.

Instrumententräger statt Segelrigg: Die Lagoon 40 MY ist der mastlose Zwilling des Lagonn 39 Segelkats. Foto: boats.com/ Wanke

Instrumententräger statt Segelrigg: Die Lagoon 40 MY ist der mastlose Zwilling des Lagoon 39 Segelkats. Foto: boats.com/ Wanke

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Die Franzosen halten also noch immer am Zwei-für-Eins-Konzept fest, weil es gut zu funktionieren scheint: Die Werft spart durch die Verwendung der gleichen Bauformen bei Entwicklungs- und Werkzeugkosten, während die Kunden ein langfahrttaugliches Schiff erhalten, mit großer Reichweite, viel Platz und großem Lebenskomfort. Dabei scheint es sie nicht zu stören, dass die Rumpfform eines Segelkats im Motorbetrieb immer ein Kompromiss bleiben muss, und nicht an jene Geschwindigkeiten herankommt, die ein speziell entwickelter Power-Kat mit gleicher Motorisierung erzielen könnte.

Gutes vom Segeln kopiert


Wie auch auf Segelkats gewohnt, fällt auf der 40 MY das verhältnismäßig große Dingi ins Auge, das zwischen den Rümpfen an den Davits hängt und deshalb auch schnell einsatzbereit ist. Stufen in den Hecks der beiden Rümpfe führen an Bord, wobei an Backbord die Badeleiter etwas im Weg steht. Das Cockpit liegt 80 Zentimeter tiefer als das Deck, was den Aufenthalt bei unruhiger See deutlich sicherer macht. Die große Sitzgruppe in diesem Bereich ist praktisch und lässt sich durch den Tisch aus dem Salon ergänzen.

Tiefergelegt: Das Achtercockpit unter Decksniveau sorgt für Sicherheit bei Seegang.  Foto: boats.com/Wanke

Tiefergelegt: Das Achtercockpit unter Decksniveau sorgt für Sicherheit bei Seegang. Foto: boats.com/Wanke



Wie auf dem Segelmodell führt auch auf der 40 MY der Weg zum Steuerstand über ein paar Stufen nach oben, zur erhöhten Plattform an der Steuerbordseite, von der aus  Rudergänger und Beifahrer einen ungehinderten Rundumblick genießen. Bei Manövern im Hafen ein unschätzbarer Vorteil. Auch zusätzlicher Platz für Navigationselektronik ist bei Bedarf am Instrumententräger reichlich vorhanden. Eine feste Überdachung bietet mehr Schutz vor der Sonne, als vor schlechtem Wetter, denn die luftige Kommandozentrale ist rundum offen, wobei die flache Frontscheibe eher wie ein Zierteil wirkt. Scheibenwischer könnten auf dem schmalen Acrylglas-Element ohnehin nicht montiert werden und da es keinen Innensteuerstand im Salon gibt, muss bei Schlechtwetterfahrten eine spezielle Persenning montiert werden, die das Cockpit und den gesamten Steuerstand umschließt. Zum Bug führen breite Gangborde, die durch die Seereling und auf dem Dach montierte Haltegriffe abgesichert sind.

Luftig: Vom erhöhten Arbeitsplatz hat der skipper beste Rundumsicht. Foto: boats.com/Wanke

Luftig: Vom erhöhten Arbeitsplatz hat der skipper beste Rundumsicht. Foto: boats.com/Wanke



Wie eigentlich für Segelkatamarane typisch, ist auch au der 40 MY zwischen den Rümpfen ein begehbares Netz gespannt, das als Liegefläche dienen kann und auch den Zugang zur Ankerinstallation erlaubt. Die elektrische Ankerwinde samt Kettenkasten befindet sich allerdings weiter achtern, unmittelbar vor dem Deckshaus, nicht nur aus Platzgründen, sondern auch wegen der besseren Gewichtsverteilung. Auch das wurde direkt vom Segelkat übernommen Von hier führt auch eine Leiter zur optionale Sonnenliege auf dem Salondach, deren Polster aber leider etwas kurz geraten sind.

Drei oder vier Doppelkabinen


Der Salon wird vom Cockpit aus durch eine Schiebetür betreten, die sich unmittelbar an die backborseitig gelegene Galley anschließt. Diese ist mit Doppelspüle, Dreiflamm-Gaskocher, Backrohr und 130-Liter-Kühlschrank gut ausgestattet. Wie auf Fahrtenkatamaranen üblich, sind im Decksalon auch eine Sitzgruppe mit Tisch und eine Navigationsecke integriert. Von hier aus lässt sich alles an Bord kontrollieren, nur steuern kann man von hier aus nicht. Die Umbaumöglichkeit der Möblierung zu zwei weiteren Kojen gehört zu den Optionen. Über Niedergangstreppen an beiden Seiten gelangt man in die Unterkünfte, wobei in der Basisversion der Lagoon 40 MY der Backbordrumpf als Eignersuite ausgelegt, die durch eine Schiebetür am Niedergang vom Salon komplett abgetrennt werden kann.

Hell: Im Decksalon sind die Pantry, die Navi-Ecke und eine Sitzgruppe untergebracht. Foto: boats.com/Wanke

Hell: Im lichtdurchfluteten Decksalon sind die Pantry, die Navi-Ecke und eine Sitzgruppe untergebracht. Foto: boats.com/Wanke



Der Vorraum mit einem kleinen Schreibtisch dient als Arbeits- und Ankleidezimmer, denn hier befinden sich auch Kleiderschränke und zusätzliche Stauräume. Die quer zur Fahrtrichtung angeordnete Doppelkoje von zwei Mal zwei Meter Größe folgt achtern und liegt damit konstruktionsbedingt direkt über dem Backbordmaschine. Das geräumige Bad mit abgetrennter Dusche, Waschtisch und Seetoilette – wahlweise elektrisch - befindet sich im Bug.

DAs 3-Kajüten-Layout der Lagoon 40 MY

DAs 3-Kajüten-Layout der Lagoon 40 MY



Im Steuerbordrumpf ist im Bug und im Heck je eine Doppelkabine vorhanden, jeweils mit einem kleinen Vorraum, der mit einer Tür verschließbar ist. Beide Liegeflächen messen zwei mal 1,60 Meter, ausreichend um zwei Erwachsenen Platz zu bieten. Das in der Mitte des Rumpfes befindliche Bad mit separater Toilette und Waschtisch, muss allerdings geteilt werden. Angenehm für Großgewachsene ist die Stehhöhe, die überall bei knapp 1,90 Meter oder darüber liegt wobei zahlreiche Luken für gute Belüftung sorgen. Ein Oberlicht in jeder Kabine dient auch als Notausstieg. Wer sich für die Charterversion entscheidet, bekommt vier Kabinen, heißt, das Layout der beiden Rümpfe ist ident.

Produktiv: WEr an Bord arbeiten muss oder möchte, findet in der Mastersuite des Dreikabinen-Layouts einen Schreibtisch vor. Foto: boats.com/Wanke

Produktiv: WEr an Bord arbeiten muss oder möchte, findet in der Mastersuite des Dreikabinen-Layouts einen Schreibtisch vor. Foto: boats.com/Wanke


Moderate PS, große Reichweiten


Bei den Antrieben hat der Kunde keine Wahl, hier bietet Lagoon nur zwei Yanmar 4JH80 Vierzylinder-Diesel mit zwei Litern Hubraum und jeweils 59 kW (80 PS) an. Für die Übertragung der Kraft ins Wasser sorgt je ein Saildrive des Typs SD60. Die hier installierten Anlagen sind zwar deutlich stärker als die Hilfsmotorisierung beim segelnden Schwesterschiff Lagoon 39, Wunder in Sachen Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit darf man aber nicht erwarten. Nach einer Beschleunigungsphase von 19 Sekunden nahe der Nenndrehzahl wird beim Test eine Spitzengeschwindigkeit von 10,5 Knoten erreicht. Eine Verbrauchsmessung ließ die Bordelektronik nicht zu, doch Yanmar lieferte Daten, die als Grundlage der unten stehenden Treibstoffkalkulation verwenden. Wer sich mit 7,5 Knoten Fahrt bei 2000 Umdrehungen begnügt, kann mit den beiden 300-Liter-Tanks Reichweiten von rund 470 Seemeilen realisieren, wobei dann noch eine 15-prozentige Reserve vorhanden wäre. Wer auf Schleichfahrt geht und bei 1000 Umdrehungen mit nur vier Knoten fährt, knackt die 1000-Meilen-Distanz. Kunden, die insbesondere an Langstreckenfahrten interessiert sind, können sich auch zwei 400-Liter-Tanks installieren lassen und erhöhen damit ihre Schlagdistanz.

Sparsam: Einer von 2 80-PS-Einbaudieseln, die zwar keine rasende Fahrt ermöglichen, aber bei wenig Drehzahl große Reichweiten ermöglichen. Foto: boats.com/Wanke

Sparsam: Einer von 2 80-PS-Einbaudieseln, die zwar keine rasende Fahrt ermöglichen, aber bei wenig Drehzahl große Reichweiten ermöglichen. Foto: boats.com/Wanke



Das Fahrverhalten ist katamarantypisch, heißt, die Lagoon 40 MY fühlt sich wie viele andere Power-Kats auch bei enger Kurvenfahrt und hoher Geschwindigkeit nicht sonderlich wohl. Dennoch liegt der Durchmesser bei Vollkreisen immerhin bei nur 2,5 Bootslängen. Das Einleiten des Manövers geht dank hydraulischer Ruder leicht von der Hand, doch die Königsdisziplin – auch das ist typisch für Zweirümpfer – ist das Manövrieren im Hafen. Denn wenn die beiden Antriebe gegenläufig drehen, dreht sich das Boot auf der Stelle..

Für die Sehnsucht nach fernen Zielen


Die Lagoon 40 MY ist eine durchdachte und grundsolide Konstruktion, die sich insbesondere an Eigner mit viel Platzbedarf und Ambitionen für längere Törns richtet. Einen Wermutstropfen gibt es aber, denn die Werft hat sich bei Redaktionsschluss entschieden, die ja erst kurz im Programm befindliche Lagoon 40 MY nicht weiter zu bauen. Zuletzt stand das Modell in der Grundausstattung ab 314 755 Euro in der Preisliste. Wer dennoch Interesse hat, dürfte in unseren Gebrauchtbootanzeigen fündig werden. Ein Abschied oder weiterer Rückzug vom Bau von Motorkatamaranen ist das aber keineswegs für Lagoon. Die größere und immer noch beliebte 630 MY bleibt weiter im Programm und die Seventy 8, die sich vom neuen, mehr als 23 Meter langen Flaggschiff der Segelkats, der Seventy 7, ableitet, ist bereits gewassert und wird demnächst Premiere feiern. Es geht also weiter, nur eben größer.

Raumwunder: Von so viel Platz wie auf der Lagoon 40 MY kann man an Bord eines 40-Fuß-Einrumpfers nur träumen. Foto: boats.com/Wanke

Raumwunder: Von so viel Platz wie auf der Lagoon 40 MY kann man an Bord eines 40-Fuß-Einrumpfers nur träumen. Foto: boats.com/Wanke


Technische Daten Lagoon 40 MY


Länge: 11,99 m
Breite: 6,79 m
Tiefgang: 0,91 m
Leergewicht: 10.030 kg
Durchfahrtshöhe: 5,05
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: A
Zulässige Personenzahl: 10
Kojenplätze: 6-10
Brennstofftank: 2 x 300 l (2 x 400 l Option)
Wassertank: 300 l (+ 300 l Option)
Fäkalientank: keine Angabe
Motorisierung: Innenborder Diesel mit einer Leistung von 2 x 59 kW (2 x 80 PS)
Grundpreis mit Testmotorisierung 2 x 4JH80 mit Saildrive SD60: 314.755 Euro

Messung mit 2 x Yanmar 4JH80, Leistung je 59 kW (2 x 80 PS)
Revier: Mittelmeeer bei La Grande Motte, Besatzung: 3 Personen, Wasser 14 °C, Luft 11 °C, Wind 2 Bft., See: 2, Tank: Diesel: 450 l, (75%), Wasser: leerBildschirmfoto 2017-08-09 um 15.20.42

Werft
C.N.B. Construction Navale de Bordeaux
162, quai de Brazza, CS 81217
33072 Bordeaux Cedex / France

Händler
Lagoon Katamaran Nord GmbH
Börn 6
24235 Laboe

Master Yachting GmbH
Amortstraße 4
80639 München

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