Als es für den Charteranbieter Le Boat an der Zeit war, seine Flotte etwas aufzumöbeln fiel der Entschluss, ganz von vorne anzufangen, um den neuen Ansprüchen der Kunden Rechnung zu tragen, die sich statt der herkömmlichen Schiffe mit Hausbootcharakter, mehr Yachtfeeling wünschten. Das Ergebnis ist die von Grund auf neu entwickelte Le Boat Horizon 1150, die in Zusammenarbeit mit der renommierten polnischen Werft Delphia Yachts gemeinsam entwickelt wurde, wo sie seit 2016 auch gebaut wird.
Zunächst ließen die Kapazitäten der Bootsbauer nur den Bau der vom Charterunternehmen dringend benötigten Einheiten zu, um den Eigenbedarf zu decken. doch jetzt kann auch der Markt der Privatkunden bedient werden, die solche Boote in einem Eignerprogramm laufen haben. Auch die Modellvielfalt hat zugenommen. Zur ursprünglichen Horizon 1150 mit zwei Doppelkabinen und einer Nasszelle für insgesamt vier Personen gesellen sich 2017 drei weitere Varianten dazu: Die baugleiche Horizon 1150 2-S, die über ein zweites Bad und eine weitere Schlafmöglichkeit auf dem Salonsofa verfügt Und die um zwei Meter längere und zehn Zentimeter breitere Horizon 1350 mit drei oder vier Kabinen, die jeweils mit eigenen Bad ausgestattet sind.

Frische Linien aber kein Stress: Die LeBoat Horizon 1150

Frische Linien aber kein Stress: Die LeBoat Horizon 1150

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Im Eignerprogramm stellt der Käufer dem Charterunternehmen seine Yacht wieder zur Vermietung zur Verfügung. Im Gegenzug garantiert Le Boat monatliche Einnahmen von sieben Prozent aus der Vermietung, gibt eine Rückkaufgarantie am Ende des Programms nach sieben Jahren und stellt dem Käufer Nutzungsmöglichkeiten bis zu 12 Wochen jährlich für den Eigenbedarf auf seinem eigenen oder auf anderen Booten in über 30 europäischen Basen zur Verfügung. Die Pflege und Wartung der Yachten übernimmt der Anbieter. Angesichts der Tatsache, dass Eigneryachten meist ungenutzt im Hafen liegen, ein Angebot, das eine Überlegung wert sein könnte

Flybridge schafft Platz


Wohnqualität, Platz und Variabilität sind für Chartercrews entscheidende Voraussetzungen, um wetterunabhängig einen erholsamen Bootsurlaub zu verbringen. Ein großes und helles Deckshaus ist dabei ebenso wichtig, wie eine geräumige Flybridge. Denn wer will bei herrlichem Sonnenschein schon in einer Kabine sitzen? Bei Regen oder Kälte wird man sich dagegen gerne im beheizten Salon aufhalten um so die vorbeiziehende Landschaft zu genießen. Was den Passagieren recht ist, solla auch dem Rudergägnger nicht fehlenen, der auf der Le Boat Horizon 1150 von zwei Steuerständen das Boot führen kann, sowohl vom Salon, wie auch von der Flybridge aus.

Aussichtsdeck: Die große Flybridge reicht für alle. Foto: boats.com/Wanke

Aussichtsdeck: Die große Flybridge reicht für alle. Treppe achtern an Steuerbord. Foto: boats.com/Wanke



Bei schönem Wetter ist die Besatzung natürlich auf dem Oberdeck, das alles für ein angenehmes Bordleben bietet. Hinten ist eine große Sitzgruppe samt Tisch installiert und ein Bimini, das die gesamte Fly überspannt, schützt vor starker Sonnenbestrahlung. Um den Steuerstand gibt es variable Sitzbänke für die Beifahrer und vorne wartet eine große Liegefläche auf Sonnenanbeter. Ein Gasgrill an Backbord und die portable 12-Volt-Kühlbox dienen der ad-hoc-Versorgung von Gästen und Crew.
Von hoch oben in den Salon gelangt man über eine Treppe, die zunächst in das Achtercockpit führt, wo über dem Motorraum eine variable Sitzbank installiert ist. Durch eine verglaste Schiebetür gelangt man in das beiheizte Deckshaus, wo große Fensterflächen für gute Rundumsicht und ein freundliches Ambiente sorgen. Stehhöhe gibt es dort im Überfluss und der erwähnte Innensteuerstand ermöglicht die angenehme und sichere Schiffsführung bei Schietwetter. Im Deckshaus gibt es hinter dem Steuerstand auch eine komplett ausgestattete Pantry, deren Kühlbox auch etwas größer sein könnte, sowie einen Flachbildfernseher und eine Stereoanlage.

Alles drin, alles dran: Deckshaus der LeBoat Horizon 1150 mit Pantry, Esstisch und Steuerstand. Foto: boats.com/Wanke

Alles drin, alles dran: Deckshaus der LeBoat Horizon 1150 mit Pantry, Esstisch und Steuerstand. Foto: boats.com/Wanke


Zwei Kajüten, ein Bad


Im getesteten Basismodell mit Bugkabine und einer zweite Kajüte dahinter auf der Steuerbordseite ist ideal geeignet für Paare und kleine Familien. Ein Bad mit 1,86 Meter Stehhöhe, elektrischem WC, Waschbecken und Warmwasserdusche ist aus der Bugkabine direkt zugänglich, eine zweite Tür im Gang erlaubt den Zutritt für die anderen Passagiere. Die Doppelkoje im Bug ist zwei Meter lang und 1,65 Meter breit, in der seitlichen Kabine sind 1,93 mal 1,20 Meter verfügbar. Beide Doppelliegen lassen sich verschieben und sind so auch als Einzelkojen benutzbar. Die Stehhöhe in beiden Kabinen beträgt rund 1,90 Meter, stellenweise auch mehr. Stauraum ist in den Schränken genügend vorhanden und zahlreiche Luken sorgen für gute Belüftung. Für den Notausstieg sind in jedem Raum ausreichend dimensionierte Dachluken vorhanden.

Quer eingebaut: Doppelkoje in de rBugkajüte. Foto: boats.com/Wanke

Enger Zugang: Doppelkoje in der Bugkajüte und die Gästekabine an Steuerbord. Foto: boats.com/Wanke


Wahllos gemütlich


Zur Motorisierung muss sich der zukünftige Eigner keine Gedanken machen. Die Horizon 1150 wird ausschließlich mit einem Nanni N4.50 angeboten während die Horizon 1350 mit der baugleichen Turboversion N4.60 ausgestattet ist. Der marinisierte Reihenvierzylinder-Diesel stammt vom japanischen Hersteller Kubota und leistet in der Horizon 1150 bei 2,2 Liter Hubraum 36.8 kW (50 PS) mit seiner Nenndrehzahl von 2800 Umdrehungen. Aus viel Hubraum wird bei niedrigen Touren relativ wenig Leistung geschöpft, was aber auch auf die Robustheit des Antriebs deutet. Darüberhinaus aht Le Boat in der Charterversion eine Drehzahlgrenze von nur 2200 Umdrehungen gesetzt, womit nicht nur schonend gefahren wird, sondern auch verbrauchsoptimiert: Laut Hersteller reduziert sich der Treibstoffkonsum dabei auf fünf Liter pro Stunde, etwa die Hälfte des Volllastwertes. Es ist ein cleverer Schachzug, denn Charterkapitäne schielen weniger auf Höchstleistungen denn auf sparsamen Betrieb, der die eigene Urlaubskasse schont. Ins Wasser übertragen wird die Kraft mit einem hydraulischen Antrieb, ein Umstand der ebenfalls für ein langes und störungsfreies Leben spricht. Diese Hydraulik wird zusätzlich auch für den Antrieb der montierten Bug- und Heckschrauben genutzt.

Viel Volumen, wenig PS: Der Nani-Diesel reicht für knapp 5 Knoten Reisegeschwindigkeit. Das ist genug zum Genießen. Foto: boats.com/Wanke

Viel Volumen, wenig PS: Der Nani-Diesel reicht für knapp 5 Knoten Reisegeschwindigkeit. Das ist genug zum Genießen. Foto: boats.com/Wanke



Mit gedrosselter Umdrehungszahl, die die Leistung nur unwesentlich schmälert, ließ sich beim Testeine eine sehr gemütliche Reisegeschwindigkeit von 4,8 Knoten erreichen. Für viele Binnenreviere ist das ausreichend, es sei denn, es kommt starker Wind ins Spiel. In diesem Fall müssen Chartercrews in den führerscheinfreien Gewässern, auf denen Le Boat operiert, aber ohnehin im Hafen bleiben. Das Manövrieren ist dank Joystick-Steuerung selbst für Anfänger kinderleicht. Durch die angezapfte Hydraulik für die Strahlruder geht zwar etwas Leistung am Hauptantrieb verloren, doch in diesem Kontext ist das nicht relevant. Dank des Tankvolumens von 300 Litern kann mit einer Reichweite von 450 Flusskilometern gerechnet werden. Tankstopps sind daher eher selten, womit mehr Zeit fürs Fahren u.nd Genießen bleibt.
Der Geräuschpegel ist mit 63 dB (A) oben auf der Flybridge am geringsten. Reduziert man auf 2000 Umdrehungen, läuft die Horizon nur 0,9 km/h langsamer, der Geräuschpegel sinkt aber auf leise 59 dB (A). Am Steuerstand im Salon geht es mit geschlossener Tür und 70 dB (A) etwas lauter zu und im Cockpit, unmittelbar über dem Motor, sind es dann schon 76 dB (A). Hier würde eine bessere Dämmung Abhilfe schaffen.

Kostenbremse Eignerprogramm


Die neue Le Boat Horizon 1150 schafft durch ihre moderne Linienführung und das hohe Komfortniveau Anreize für einen Urlaub, der das gemütliche Schippern über Flüsse und Kanäle zum Ziel hat. Wer allerdings nicht regelmäßig und über längere Zeiträume mit seiner eigenen Yacht unterwegs ist, steht vor dem Problem, dass die Anschaffung einer Yacht wie der LeBoat Horizon 1150, die ab 200,000 Euro zu haben ist, meist ungenutzt im Hafen liegt und nur Kosten verursacht. Eignerprogramme wie sie von LeBoat und anderen Charterunternehmen angeboten werden, können aber eine wirtschaftliche Alternative für Eigner sein, die regelmäßig ihrer Leidenschaft nachgehen und dabei die Kosten in Grenzen halten wollen. Bis zu 12 Charterwochen pro Jahr in allen Revieren des Anbieters nutzen zu können, sind ein weiterer Anreiz, denn eine eigene Yacht müsste für solche Einsätze verlegt werden, was wiederum mit erheblichem Aufwand and Zeit und Geld zu Buche schlägt. Das Risiko ist für Käufer zudem kalkulierbar, da Mindesteinnahmen und der Rückkauf zu festen Konditionen garantiert werden.

Technische Daten: Le Boat Horizon


Länge: 11,50 m
Breite: 4,25 m
Tiefgang: 0,90 m
Durchfahrtshöhe: 2,90 m
Leergewicht: keine Angabe
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 6
Kojen: 4
Wassertank: 600 l
Grauwassertank: 800 l
Brennstofftank: 300 l
Motorisierung: Dieselmotoren mit einer Leistung von 36,8 kW (50 PS)

Preis ab: 199 000 Euro

Motor im Testboot: Nanni N4.50, Leistung 36,8 kW (50 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Hubraum: 2197 cm3, Nenndrehzahl: 2800 min-1

Revier: Rhein - Marne Kanal, Frankreich, Crew 4, Messung: GPS, Wasser 19° C, Luft; 22° C, Wind: 1 Bft, See 1, Diesel: 300 l (100 %) Wasser 600 l (100 %)

LeBoat Horizon 1150 Verbrauchstabelle

Testpartner und Vertrieb


Le Boat
Le Boat c/o Crown Blue Line GmbH
Theodor-Heuss-Str. 53-63
Eingang B
D-61118 Bad Vilbel

 

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