Die Marlow-Hunter 31 ist ein Fahrtenboot, das mit hohem Qualitätsstandard gebaut wird und in zwei verschiedenen Kielvarianten zu haben ist. In den USA ist es schon seit 2014 auf dem Markt, doch in Deutschland wurde diese Einsteigeryacht erstmals auf der Messe in Düsseldorf gezeigt und erfreute sich dabei regen Zuspruchs. Der Entwurf von Glenn Henderson bietet für eine Yacht dieser Größenordnung ungewöhnlich viel Platz, nicht zuletzt, weil der Rumpf fast 10 Meter lang und mit 3,61 Metern auch ziemlich breit ist, wobei das Maximum weit achtern liegt. Die Stehhöhe beträgt 1,85 Meter, das ist großzügig, doch bei großvolumigen Fahrtenschiffen nichts Außergewöhnliches.

Marlow-Hunter 31: Komfort für Downsizer und Einsteiger. Die Großschotführung am Cockpitbügel, die  auch auf Beneteau-Yachten üblich ist, haben die Amerikaner bereits vor 10 Jahren eingeführt.

Marlow-Hunter 31: Komfort für Downsizer und Einsteiger. Die Großschotführung am Cockpitbügel, die auch auf Beneteau-Yachten üblich ist, haben die Amerikaner bereits vor 10 Jahren eingeführt.



Trotzdem typisch Hunter
Das Cockpit ist ein wenig ungewöhnlich, weil kompromisslos auf Raummaximierung ausgelegt, mit den Duchten weit außen. Auf Wunsch gibt’s ein schwenkbares Podest, mit dem das Steuern von Lee oder Luv leichter fallen soll. Ergonomisch gut sind die Fußrasten, die ein sicheres Abstützen bei Krängung ermöglichen. Der praktische Cockpit-Bügel, der heute z.B. auch von Beneteau angeboten wird, ist bei Hunter-Yachten schon seit mehr als 10 Jahren Standard, so auch auf diesem Modell. Dies erleichtert bei böigen Verhältnissen den Trimm des Großsegels, während sowohl Baum als auch Schottalje sicher und hoch über den Köpfen der Crew und Mitsegler bleiben. Ebenfalls praktisch und bewährt: die beiden Sitze in den Heckkörben. Tiefe Staufächer am Ende des Kajütaufbaus nehmen überschüssige Leinen auf, womit in der Plicht für Ordnung gesorgt ist. Der Klapptisch ist übrigens serienmäßig.
Wie es für diese Werft üblich, ist die 31er mit einem Bergström-Rigg bestückt. Heißt, das Groß dominiert, während die Fock klein und leicht zu handhaben ist. Die Riggposition ist dabei recht weit vorne verglichen mit den Konstruktionen der französischen Großserienwerften, die den Mast sowohl auf Kats als auch auf Monohulls zunehmend  weiter nach achtern stellen, womit sich das Vorsegeldreieck wieder vergrößert. Segler, die in Flachwasserrevieren unterwegs sind, werden auf der Marlow-Hunter den angebotenen Kurzkiel wählen, der mit nur 1,35 Metern auch Zugang zu sehr seichten Ankerbuchten gestattet. Der Standardtiefgang beträgt ebenfalls moderate 1,63 Meter.

Viel Platz durch weil nach außen verlegte Sitzduchten und den bekannten Cockpitbügel, der für aufgeräumte Verhältnisse sorgt.

Viel Platz durch weil nach außen verlegte Sitzduchten und den bekannten Cockpitbügel, der für aufgeräumte Verhältnisse sorgt.



Platz in der guten Stube
In die Kajüte geht’s über drei breite und gut begehbare Niedergangsstufen. Der Bereich ist breit und offen, womit das Rumpfvolumen dieser Yacht betont wird. Damit verringert sich auch der “Drängelfaktor”, wenn Mitsegler unter Deck aneinander vorbei wollen. An Steuerbord befindet sich die linear angeordnete Kombüse, mit zwei von oben zugänglichen Kühlfächern, in die auf Wunsch auch Kühl- und Gefrierschrank installiert werden können. Die Kochgelegenheit besteht aus einem kardanisch aufgehängten zweiflammigen Gaskocher mit Backrohr. Dazu kommt eine Spüle und ein Mikrowellenherd. Der Stauraum ist allgemein gut, doch der Platz auf den fest eingebauten Arbeitsflächen ist leider ziemlich begrenzt.

m Gegensatz zu europäischen Yachten dieser Größenordnung ist der Salon auf der Marlow Hunter 31 eher  traditionell gehalten.

Im Gegensatz zu europäischen Yachten dieser Größenordnung ist der Salon auf der Marlow Hunter 31 traditionell gehalten.



Vorne an die Galley schließt sich an Steuerbord eine kurze Bank an, der eine L-förmige Sitzecke gegenüber liegt, die sich auch in eine Doppelkoje umwandeln lässt. Die beiden Kajüten sind von den Abmessungen befriedigend, wobei anzumerken ist, dass die Achterkabine quer zur Fahrrichtung eingebaut ist, was auf Yachten dieser Größe heute eher selten ist. Es gibt genug Stauraum und vor allem in der Eignerkajüte vorn auch genug Stehplatz zum An- und Umkleiden. Der Nassraum, der achtern an Backbord installiert ist, überrascht mit seinen Abmessungen und der Tatsache, dass Dusche und WC voneinander getrennt sind.
Schon die Standardausstattung ist hochwertig und fast umfangreich, inklusive Grundinstrumentierung, Fäkalientank, Fließwasser warm/kalt und Landanschluss. Leider sind Teile der Sicherheitsausrüstung sowie das Ankergeschirr aufpreispflichtig. Ebenfalls auf der Zubehörliste: die schwenkbare Steuersäule, Kieloptionen und eine Mastrollanlage fürs Großsegel, die einen 1,50 Meter höhere Spiere erfordert als das Standardrigg, dessen Großsegel ein weit ausgestelltes Achterliek hat und deshalb auch um etwa sieben Prozent mehr Fläche trägt. Ebenfalls zur Wahl stehen zwei Versionen für die Hilfsmaschine, entweder 21 PS (Standard) oder 29 PS (Aufpreis).

DAs Layout zeigt die Achterkoje, die quer zur Fahrtrichtung installiert ist. Das ist für Yachten dieser Größe eher selten.

Das Layout zeigt die Achterkoje, die quer zur Fahrtrichtung installiert ist. Das ist für Yachten dieser Größe eher selten.



Viel Volumen und verbessere Qualität
Die Positiva, die uns beim Bordbesuch besonders auffielen: Die Marlow-Hunter 31 bietet viel Platz für ihre Länge und das Bemühen der Werft, die vor einigen Jahren durch die Akquisitionsfirma Marlow vor dem Konkurs gerettet worden war, ist merklich bemüht, dem Kunden ein wertiges Produkt zu bieten. Es gibt viele interessante Detaillösungen, doch am Wasser führt kein Weg daran vorbei, dass diese Yacht mit ihrem geringen Tiefgang besonders hoch am Wind gegen jene Konkurrenten das Nachsehen haben wird, die stärker auf Performance ausgelegt sind. Raumschots bei guter Brise kann das Rigg genug Dampf machen, um mit der verfügbaren Wasserlinie von etwas mehr als neun Metern gute Geschwindigkeiten zu erreichen. Abschließend noch ein Wort zum Geld: Der starke US-Dollar ist die Ursache für den doch recht strammen Bruttopreis, den Deutschland-Importeur André Hochfeld vom Yachthandel Hamburg mit 143,000 Euro ansetzt.

Technische Daten Marlow Hunter 31
Lüa (Rumpflänge): 9,86 m
LWL (Länge Wasserlinie): 9,04 m
Breite: 3,61 m
Tiefgang/Alternative: 1,35 m / 1,65 m
Gewicht: 5,43 t
Ballast/-anteil: 1,6 t / 30 %
Masthöhe über WL: 14,20 m
Segelfäche am Wind: 54,0 qm
Frischwasser: 189 l
Kraftstoff: 80 l
Motorisierung (std./Option): 21 PS/29 PS
CE-Entwurfskategorie: A (Hochsee)

Geschrieben von: Rupert Holmes
Rupert Holmes has more than 70,000 miles of offshore cruising and racing experience, in waters ranging from the North Sea to the Southern Ocean and Cape Horn. He writes about all aspects of boat ownership and marine travel, including destinations, seamanship and maintenance, as well as undertaking regular new boat and gear tests. He currently sails around 5,000 miles per year and in the past couple of seasons has cruised from the UK to the Azores, as well as winning his class in the 2014 two-handed Round Britain and Ireland Race. He also owns two yachts, one based in the Mediterranean and the other in the UK.
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