Die amerikanische Traditionswerft Mastercraft hat sich seit ihrer Gründung 1968 dem Brettsport verschrieben. Damals ging es bei den Herstellern der Spezialboote noch darum, den Wasserskiläufern möglichst wenig Wellen zu hinterlassen. Doch mit der Entwicklung des Wakeboards hat sich das grundlegend geändert, sodass die heutige Modellpalette von insgesamt neun Wakeboard-Booten der X-Serie dominiert wird. Siehe auch unser Video zur X 23.

Platz, Komfort und Wellen: Die Mastercraft X55 ist in diesen Bereichen schwer zu schlagen Foto: Dieter Wanke

Platz, Komfort und Wellen: Die Mastercraft X55 ist in diesen Bereichen schwer zu schlagen Foto: Dieter Wanke



Für diesen Sport ist eine definierte Welle Voraussetzung, um die akrobatischen Sprünge mit dem Brett überhaupt realisieren zu können. Und neue Trends, wie etwa das Wakesurfen, verlangen gar nach einer hohen Heckwelle, die ohne Seilverbindung zum Boot frei gesurft werden kann. Um das Kielwasser zu formen und den jeweiligen Bedürfnissen der Fahrer entsprechend anpassen zu können, verfügen diese Boote über spezielle Systeme von Ballasttanks und Trimmklappen.

Blick zurück: Egal, welche Art von Akrobatik betrieben werden soll, die X55 macht die Welle. Foto: Dieter Wanke

Blick zurück: Egal, welche Art von Akrobatik betrieben werden soll, die X55 faltet dazu die richtigen Wellen. Foto: Dieter Wanke



Dem Zweck zu Diensten
Die Mastercraft X55, das Flaggschiff der X-Serie, bietet mit knapp acht Metern Gesamtlänge und einem Bowrider-Cockpit den meisten Platz an Bord, sodass auch große Gruppen (laut Werk bis zu 18 Personen) den Spaß am Wasser genießen gemeinsam können. Bequemlichkeit war bei der Konzeption offensichtlich einer der Schwerpunkte, das ist auf den ersten Blick erkennbar. Alleine im Bug finden bis zu fünf Personen entspannt Platz, wobei die Polster auf beiden Seiten auch als Liegeflächen samt Rückenpolster und Armlehne nutzbar sind. Über eine Tür und das Klappelement in der Frontscheibe ist der vordere Teil komplett vom Cockpit abtrennbar und im Bug gibt es sogar eine praktische Badeleiter. Weich gepolsterte Sitz- und Liegeflächen sind auch im Cockpit reichlich vorhanden und wie für ein Boot diesen Typs üblich, ist die Rückenlehne der Beifahrersitzbank umklappbar, sodass der Beobachter den Blick stets nach achtern ausrichten kann.

Party vorn: Bis zu fünf Mitfahrer passen bequem ins Bug-Cockpit. Foto: Dieter Wanke

Party vorn: Bis zu fünf Mitfahrer passen bequem ins Bug-Cockpit. Foto: Dieter Wanke



Für das leibliche Wohl sind eine Wetbar mit Waschbecken und eine Eisbox unter den Sitzflächen installiert und ein Kühlschrank steht zusätzlich in der Optionsliste. Wer sich unterwegs erleichtern will oder muss, findet dazu auf der Chemietoilette Gelegenheit, die in einem eigenen Abteil gegenüber des Steuerstandes eingebaut ist. Ausreichend Stauraum für Sportgeräte und Zubehör ist ebenfalls vorhanden. Der Weg zur großen Badeplattform am Heck führt über die Sonnenliege bzw. Motorraumabdeckung und eine Trittstufe.
Besondere Erwähnung verdient der auf dem Testboot montierte hydraulische Wakeboard-Tower aus massivem Aluminium, ein auffälliges und raffiniertes, wenn auch kostspieliges Extra (11.800 Euro). Zur Ergänzung des serienmäßigen Clarion-Audiosystems mit JL-Lautsprecherboxen und Subwoofer können für den Tower weitere Lautsprecher geordert werden. Eine Kamera, zur Aufzeichnung der sportlich-akrobatischen Aktivitäten, gehört ebenfalls zu den Extras.

Must-Have-Feature: Wer noch Geld übrig hat , dem sei der hydraulische Wakeboard-Tower ans Herz gelegt. Nicht nur der Beschallung wegen. Foto: Dieter Wanke

Must-Have-Feature: Wer noch Geld übrig hat, dem sei der hydraulische Wakeboard-Tower ans Herz gelegt. Nicht nur der Beschallung wegen. Foto: Dieter Wanke



Edle Aggregate und Knick in der Welle
Die Mastercraft X55 ist ausschließlich mit V8-Benzinern der US-Edelmarke Ilmor zu haben. Serienmäßig ist ein MV8-6.0L mit 285 kW (382 PS) montiert. Das Testboot wurde allerdings von einem MV8-6.2L mit 321 kW (430 PS) angetrieben, der gegen Zuzahlung von 4800 Euro eingebaut werden kann. Beide Motoren sind auch in einer speziellen Version für den Betrieb im Salzwasser verfügbar. Für Leistungshungrige ist auch noch ein Ilmor MV8-7.4 mit 390 kW (522 PS) im Angebot, der so wie die anderen Antriebsvarianten mit Katalysator geliefert wird. Die Kraft wird mittels V-Drive-Wellenantrieb und einer Übersetzung von 1,56:1 ins Wasser bzw. auf den CNC-gefrästen Dreiblattpropeller übertragen. Dabei sitzt der Motor wie bei einem Z-Antrieb im Heck, wobei die Antriebswelle zuerst nach vorne läuft, bevor sie in V-Form nach hinten umgelenkt wird. Der Vorteil: Sehr zum Wohle der Fahrgäste schafft diese Konstruktion mehr Platz im Cockpit, der bei einer herkömmlichen Anlage mit starrer Welle und einer mitten in der Plicht eingebauten Maschine verloren ginge.

Dreimal hoch: Das Ilmor-Agregat im Heck ist über die dreifach aufklappbare Sonnenliege gut zugänglich. Foto: Dieter Wanke

Dreimal hoch: Das Ilmor-Agregat im Heck ist über die dreifach aufklappbare Sonnenliege gut zugänglich. Foto: Dieter Wanke



Justieren, programmieren und konfigurieren
Das Fahrvergnügen findet beim Wakeborden natürlich in erster Linie hinter dem Boot statt. Und um dies zu gewährleisten, verfügt der Rudergänger über eine Vielzahl von Möglichkeiten, Wellenform und Geschwindigkeit perfekt zu justieren. Dazu gibt es in dem Boot ein System mit drei Unterflur-Ballasttanks, die wie das Trimmklappensystem über den serienmäßigen 7-Zoll-Touchscreen-Bildschirm vom Steuerstand aus bedient werden können. Voreingestellte Profile erleichtern die Arbeit für den Fahrer, der die Wellenform aber auch völlig individuell konfigurieren kann. Mit dem GPS-gesteuerten Geschwindigkeitsregelsystem "Zero-Off" lassen sich Kurse programmieren, die bei Bedarf abrufbar sind und dem Fahrer das Einhalten der richtigen Geschwindigkeit deutlich erleichtern. Eine Hydrauliklenkung ist dabei natürlich von Vorteil, doch die gehört zu den Extras.

Stil & Funktion: Am Steuerstand herrscht Ordnung und Fahrgäste können ungehindert zwischen Bug und Hauptcockpit verkehren. Foto: Dieter Wanke

Stil & Funktion: Am Steuerstand herrscht Ordnung und Fahrgäste können ungehindert zwischen Bug und Hauptcockpit verkehren. Foto: Dieter Wanke



Beim Beschleunigen mit der Testmotorisierung war das Boot in nur fünf Sekunden in der Gleitfahrt. Die Höchstgeschwindigkeit von knapp 36 Knoten war in 17 Sekunden erreicht. Selbst bei Vollgasfahrt in engen Kurven blieb die Mastercraft X55 im kontrollierbaren Bereich. Entscheidend sind solche Fahrmanöver bei einem Wakeboard-Boot allerdings nicht, für das Geschwindigkeitsbereiche zwischen etwa 16 und 19 Knoten mehr Relevanz besitzen. Doch auch dabei lief der Rumpf absolut unauffällig und stabil durchs Wasser. Nach den Erfahrungen des Eigners ist im Mischbetrieb mit einem Verbrauch von durchschnittlich 40 Litern Treibstoff pro Stunde zu rechnen. Mit dem 321-Liter-Tank wären demnach acht Stunden Betrieb möglich, bis der Tank völlig leergefahren wäre. Wird eine Sicherheitsreserve einkalkuliert, sollte eher von sechs bis sieben Stunden Fahrzeit ausgegangen werden, was für einen spaßigen Tag auf dem Wasser ausreichen sollte.

Dirigentenpult: Auf dem Touchscreen lassen sich verschiedenste Fahrfunktionen und Wellenfeatures abrufen bzw. programmieren. Foto: Dieter Wanke

Dirigentenpult: Auf dem Touchscreen lassen sich verschiedenste Fahrfunktionen und Wellenfeatures abrufen bzw. programmieren. Foto: Dieter Wanke



Gut Ding hat Preis
Die Mastercraft X55 wurde speziell für das Wakeboarding und Wakesurfen konzipiert, ohne dass dabei gute Allround-Eigenschaften vernachlässigt wurden. Die Verarbeitung liegt auf sehr gutem Niveau, wobei die Ausstattung mit Wetbar und Toilette dem Verwendungszweck des Bootes optimal entspricht. Das ungewöhnlich große Platzangebot an Bord ermöglicht es dann auch, die Wassersportfreuden mit Freunden zu genießen. Allerdings hat viel Luxus und Komfort auch seinen Preis: In der Grundausstattung kostet die X55 stolze 130.000 Euro, was sich aber mit dem stärkeren und perfekt abgestimmten Antrieb am Testboot oder dem praktisch-reizvollen und hydraulisch betriebenen Wakeboard-Tower noch deutlich steigern ließe.

Sicher und zahm: Die X55 ist als Zugfahrzeug ausgelegt, nicht als High-Speed-Rakete. Foto: Dieter Wanke

Sicher und zahm: Die X55 ist als Zugfahrzeug ausgelegt, nicht als High-Speed-Rakete. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten Mastercraft X55
Länge: 7.75 m
Breite: 2,59 m
Tiefgang: 0,81 m
Leergewicht: 2.517 kg
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Kraftstofftank: 321 l
Motorisierung: Einzelanlagen mit Ilmor V8-Benzinern ab 285 kW (382 PS) bis 390 kW (522 PS) und V-Drive-Wellenantrieb
Grundpreis mit Ilmor MV8-6.0L: 130 000 Euro (Wechselkursabhängig, Stand: Januar 2015)
Preis mit Testmotorisierung Ilmor MV8-6.2L: 134 800 Euro (Wechselkursabhängig, Stand: Januar 2015)


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Messwerte des Testbootes
Bildschirmfoto 2015-02-03 um 8.08.47 PM


Revier: Jungfernsee bei Berlin, Besatzung: 2 Personen, Wasser 19 °C, Luft 17 °C, Wind 1-2 Bft., See: 1, Tanks: Benzin: 240 l, (75%), Wasser: 0 l, (0%)


Hersteller
MasterCraft Boat Company
100 Cherokee Cove Drive
Vonore, TN 37885
USA


Importeur
MasterCraft Boats German
Muhl Watersports KG
Prof.-Oelkersstrasse 12
34346 Hannoversch Münden


Händler
Xtreme Sports Company – MCD-Performance
Spandauer Landstrasse 101
16761 Hennigsdorf

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