Es war schon bei der Premiere der brandneuen Nimbus 305 Coupé auf der Boot 2015 in Düsseldorf zu sehen: Nimbus, die schwedische Edelwerft mit Stammsitz im königlichen Yachtclub Göteborgs hat das unruhige Fahrwasser längst verlassen. Trotz guter Auftragslage drohte 2012 Insolvenz, doch ein neuer Investor und Mehrheitseigner half dem Betrieb aus dieser Schieflage, weshalb die Fertigung im knapp 200 Kilometer nordöstlich gelegenen Werk in Mariestad weiterlaufen konnte.

Komfortkutsche: Egal ob in Gleit- oder Verdrängerfahrt, die Nimbus 305 Coupe sorgt für kommodes Fortkommen. Foto: Dieter Wanke

Komfortkutsche: Egal ob in Gleit- oder Verdrängerfahrt, die Nimbus 305 Coupé sorgt für kommodes Fortkommen. Foto: Dieter Wanke



Die Neukonstruktion der Nimbus 305 Coupé basiert auf Sandwich Bauweise, bei der die umweltfreundlichere Vakuum-Infusionsmethode zum Einsatz kommt, die nicht nur für perfekte Oberflächen sorgt, sondern auch einen starken Faserverbund durch optimierten Harzgehalt. Dabei ist es egal, in welche Ecke der prüfende Blick fällt, jedes Detail wirkt durchdacht und vermittelt einen wertigen Eindruck. Konzeptionell ist der Kabinenkreuzer als Familienboot ausgelegt, das nicht nur bei Schönwetter voll nutzbar ist und auch erfahrene Eigner mit hohen Ansprüchen zufrieden stellen soll. Deshalb wird die Nimbus 305 Coupé auch ausschließlich mit einem klassischen Wellenantrieb geliefert, der hohe Verlässlichkeit und geringe Wartungskosten verspricht.

Mehr Platz and Steuerbord. Das versetzte Deckshaus macht's möglich. Foto: Dieter Wanke

Mehr Platz and Steuerbord. Das versetzte Deckshaus macht's möglich. Foto: Dieter Wanke



Mehr Platz durch Asymmetrie
Auch wenn es vom Konzept her eine konventionelle 10-Meter-Tourenyacht ist, zeigen die Detaillösungen, dass sich die Konstrukteure auch um Neues bemühten: Zum Beispiel die außermittige Anordnung des Deckshauses, das an der Steuerbordseite mehr Platz für ein breiteres Gangbord lässt, zu dem der Rudergänger über eine seitliche Tür auch direkten Zugang hat. Das schafft auch andere Vorteile, die man schnell schätzen lernt: An- und Ablegemanöver können vom Steuerstand aus alleine bewerkstelligt werde, zumindest wenn an steuerbord festgemacht wird. Der Platz, der auf einem Boot dieser Größe notwendigerweise beschränkt ist, wird besser genutzt und man hat damit auch einen breiten und bequemen Durchgang zum Vorschiff, ein Sicherheitsfaktor bei Seegang.

Umzäunt: Die Niro-Teile am Vordeck sind vertrauenserweckend stabil. Foto: Dieter Wanke

Umzäunt: Die Niro-Teile am Vordeck sind vertrauenserweckend stabil. Foto: Dieter Wanke



Das Vordeck wird von zwei Liegepolstern dominiert, die von soliden Edelstahl-Haltegriffen mit integrierten Getränkehaltern eingefasst sind. Anders als beim Mitbewerb gehören auf der Nimbus ein Edelstahlanker, 25 Meter Kette und eine elektrische Ankerwinde zur Serienausstattung. Eine raffinierte Bordleiter gibt’s als Zubehör und alles ist fein säuberlich im Ankerkasten untergebracht. Stabile Relingstützen erhöhen beim Ein- und Ausstieg über den offenen Bug die Sicherheit für die Passagiere. Und Sicherheit ist auch das beherrschende Thema am Achterdeck, das von einer hohen Bordwand umgeben ist, wobei der Zugang zur Badeplattform durch eine stabile Schwenktür erfolgt. Fenderhalter, die für Ordnung und schnellen Zugriff sorgen und eine Heckdusche gehören ebenfalls zur Grundausstattung.

Kniff mit Griff: Die Bordleiter im Ankerkasten.Foto: Dieter Wanke

Kniff mit Tritt: Die Bordleiter im Ankerkasten. Foto: Dieter Wanke



Reichhaltige Ausstattung, moderate Maße
Eine gemütliche Sitzgruppe mit Eckbank und Tisch für mindestens vier Personen, erlaubt ein Plauderstündchen an der frischen Luft wobei das weit überstehende Coupédach auch einigermaßen vor Regen schützt. Von dort gelangt man durch eine verglaste Schiebetür ins Deckshaus, in dem das ebenfalls verglastes Dach für ein helles Ambiente sorgt. An Steuerbord achtern ist eine kleine Pantry mit Spüle und zweiflammigem Ceran-Gaskocher installiert, der gegen Zuzahlung auch in einer Elektroversion erhältlich ist. Ein Eiskasten befindet sich unter dem Fahrersitz, doch wer mehr Kapazität wünscht, kann für 1,670 Euro einen Schubladenkühlschrank unter der variablen Dinette einbauen lassen.

Gute Aussicht:  Dinette und Pantry stehen einander im Deckshaus gegenüber. Foto: Dieter Wanke

Gute verglast: Dinette und Pantry stehen einander im Deckshaus gegenüber. Foto: Dieter Wanke



Diese lässt sich außerdem in eine Koje verwandeln, in der ein Erwachsener oder zwei Kinder bequem Platz finden. Der Kapitän thront auf einem komfortablen längsverstellbaren Sitzmöbel mit Stehunterstützung während die Sitzbank für die Passagiere an Backbord reversibel ist. Die Instrumententafel macht einen geordneten Eindruck und bietet einen guten Überblick über alle Schalter und Anzeigen, die hier montiert werden können. Serienmäßig ist ein Simrad Touchplotter vom Typ NSS9 eingebaut und auch ein Kompass, der auf vielen anderen Booten dieser Größe längst keine Selbstverständlichkeit ist.

Behaust: Decksalon mit Steuerstand und Sitzecke. Foto: Dieter Wanke

Behaust: Decksalon mit Steuerstand und Sitzecke. Foto: Dieter Wanke



In der Bugkabine kann es sich die müde Crew auf einer zwei Meter langen v-förmigen Doppelliege bequem machen, die auf Wunsch auch mit getrennten Betten erhältlich ist. Wahlweise steht auch eine Variante zur Verfügung, in der die Koje quer eingebaut ist. Die Stehhöhe liegt hier mit 1,81 Meter im akzeptablen Bereich, während die Kopffreiheit in der mittschiffs befindlichen Unterflurkabine nur noch 1,62 Meter beträgt. Die nur 1,75 Meter lange Doppelkoje bietet nur Kleingewachsenen oder Kindern eine bequeme Liegestatt. Der Nassraum ist vernünftig und komplett ausgestattet, wobei Warmwasser serienmäßig aus den Armaturen läuft. Wer mehr Luxus will, kann auch eine aufpreispflichtige elektrische Toilette installieren lassen. Überhaupt fällt auf, dass die Optionsliste der Nimbus im Vergleich zu den Produkten anderer Werften sehr kurz ist, selbst eine Dieselheizung oder ein Geschirrsatz sind serienmäßig an Bord.

ERwachsenenlager. Die Bugkajüte mit V-Koje und mehr als 1,80 m Stehhöhe. Foto: Dieter Wanke

Erwachsenenlager. Die Bugkajüte mit V-Koje und mehr als 1,80 m Stehhöhe. Foto: Dieter Wanke



Wenig Gas, wenig Sprit
Beim Antrieb stehen ausschließlich unterschiedliche Leistungsstufen des Volvo Penta D3 Fünfzylinder-Diesels mit 2,4-Litern Hubraum zur Wahl: 81 kW (110 PS), 110 kW (150 PS) oder 162 kW (220 PS) sind lieferbar und alle erfüllen die Abgasvorschriften nach der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung (BSO). Im Testboot war die kräftigste Variante eingebaut, die das Boot laut Hersteller auf eine Höchstgeschwindigkeit von 22 Knoten bringen soll. Bei den Testfahrten lag die gemessene Höchstgeschwindigkeit bei 21 Knoten, allerdings wurde dabei mit 3890 Touren auch die maximale Nenndrehzahl von 4000 Umdrehungen nicht ganz erreicht. Der Übergang zur Gleitfahrt, die nach sieben Sekunden bei etwa 2750 Umdrehungen und 11,5 Knoten einsetzte, war beim Beschleunigen kaum wahrnehmbar. Bei einer Marschgeschwindigkeit von 13,5 Knoten bei 3000 Umdrehungen liegt der Verbrauch der Nimbus 305 Coupé bei knapp 24 Litern Diesel pro Stunde. Auf dieser Basis und mit 15 Prozent Reserve ergibt das bei 250 Litern Tankkapazität eine Fahrzeit von rund neun Stunden oder eine Reichweite von etwa 120 Seemeilen. Wer es eiliger hat und mit 18 Knoten unterwegs ist, erhöht den Verbrauch auf 35 Liter pro Stunde. Damit reduziert sich die theoretische Fahrzeit auf sechs Stunden, doch die Reichweite wäre mit errechneten 109 Seemeilen nur leicht geringer. Drastisch anders das Verbrauchsbild bei gemütlichem Tempo: Wer sich auf die Verdrängerfahrt mit sieben Knoten beschränkt, den belohnt die Yacht mit gut 300 Seemeilen Reichweite oder 4,8 Litern Spritkonsum pro Stunde.

Dieselpower: Motoren von Volvo Penta und starre Welle sind Programm. Foto: Dieter Wanke

Dieselpower: Motoren von Volvo Penta und starre Welle sind Programm. Foto: Dieter Wanke



Das Fahrverhalten ist ganz klar auf Komfort ausgelegt, auch wenn die neue Rumpfkonstruktion auf den gesamten Geschwindigkeitsbereich optimiert wurde. Auffälligkeiten bei den Probefahrten waren keine zu notieren, denn das Boot verhielt sich auf allen Kursen und bei allen Geschwindigkeiten gutmütig und berechenbar, auch bei Vollkreisen in beide Richtungen, die mit 3300 Umdrehungen gefahren wurden und einen Radius von drei Bootslängen in Anspruch nahmen. Gute Noten gab’s auch für das Manövrierverhalten bei langsamer Fahrt, wobei das serienmäßig eingebaute Bugstrahlruder des Typs Sidepower SE 60 mithalf.

Kurvenstabilität: Die Nimbus 305 Coupe ließ sich auch bei flotter Kreisfahrt nicht aus der ruhe bringen. Foto: Dieter Wanke

Kurvenstabilität: Die Nimbus 305 Coupe ließ sich auch bei flotter Kreisfahrt nicht aus der Ruhe bringen. Foto: Dieter Wanke



Wertig, nicht teuer
Der Einstiegspreis von 231 000 Euro für die Nimbus 305 Coupé mit dem Volvo Penta D3-110 (240 000 Euro mit D3-220) wird Schnäppchenjäger schrecken. Bei genauem Hinsehen fällt allerdings die mehr als üppige Grundausstattung auf, die den Preis gerechtfertigt erscheinen lässt, zumal sie weit jenseits dessen liegt, was bei der landläufigen Konkurrenz gebräuchlich ist. Dazu kommt die grundsolide Konstruktion und das hohe Verarbeitungsniveau, wofür sich die Schweden einen Namen gemacht haben und die dieser Yacht, entsprechende Pflege vorausgesetzt, auch nach Jahren des Gebrauchs einen attraktiven Wiederverkaufswert sichern sollten.

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Technische Daten Nimbus 305 Coupé
Länge: 9,85 m
Breite: 3,25 m
Tiefgang: 0,90 m
Leergewicht: 4050 kg
Durchfahrtshöhe: 3,58 m (2,59 m ohne Gerätemast)
Baumaterial: GFK-Sandwich
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 8
Kojenplätze: 4+2
Brennstofftank: 250 l
Wassertank: 150 l
Grauwassertank: 70 l
Motorisierung: Volvo Penta Diesel vom Typ D3 und einer Leistung ab 81 kW (110 PS) bis 162 kW (220 PS)
Grundpreis mit Volvo Penta D3-110: 231 000 Euro
Preis mit Testmotorisierung Volvo Penta D3-220: 240 000 Euro

Messung mit Volvo Penta D3-220, Leistung 162 kW (220 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 4 Personen, Wasser 17 °C, Luft 18 °C, Wind 0 Bft., See: 0, Tank: Diesel: 62 l, (25%), Wasser: leer

Nimbus_Messung

Werft und Händlernachweis
Nimbus Boats Sweden AB
Talattagatan 10
S-42605 Västra Frölunda
Schweden

Importeure
Boote Polch KG (Lieferant des Testbootes)
Zum Hafen 18
56841 Traben-Trarbach

 

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