Nur fünf Jahre ist es her, seit die schwedische Traditionswerft Nimbus ins Straucheln geraten war. Das lag damals nicht an der Auftragslage, sondern an Managementfehlern der Risikokapitalgesellschaft, die das Werk von den Gründern Hans und Lars Wiklund übernommen hatte. Ein Investor sprang ein und rettete das Schiff vor dem Sinken und seither läuft es wieder rund, im Stammsitz des Unternehmens, im königlichen Yachtclub von Göteborg. Neben neuen Modellen werden auch bestehende überarbeitet, so geschehen mit der Nimbus 365 Coupé, die in Düsseldorf 2017 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Nimbus, schon bekannt, doch frisch überarbeitet. Foto: boats.com/Wanke

Nimbus, schon bekannt, doch frisch überarbeitet. Foto: boats.com/Wanke

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Man muss allerdings genau hinsehen, denn Bewährtes ist geblieben und dazu zählen sowohl der Rumpf als auch das asymmetrisch platzierten Deckshaus, das an Steuerbord ein breites und bequem zu begehendes Gangbord schafft, kenn man von früher. Neu dagegen sind laut Werft die Aufbauten, deren Linienführung entschnörkelt und modernisiert wurden. Gebaut wird weiterhin im Sandwich-Verfahren und Vakuum-Infusionsmethode womit hohe Festigkeit und perfekten Oberflächen gewährleistet sind. Auch auf der überarbeiteten 365 Coupe wird auf Qualität geachtet, evident in den durchdachte Detaillösungen und der hochwertigen handwerklichen Ausführung. Zertifiziert ist die Yacht in der CE-Kategorie B für Einsätze außerhalb von Küstengewässern mit bis zu acht Windstärken womit sie für die bisweilen rauen Küstengewässer Skandinaviens bestens geeignet ist, doch auch auf Binnengewässern fühlt sich das Boot sehr wohl.

Der Clou mit der Schiebetür:schafft schnellen Zugang zum Seitendeck an Steuerbord. Foto: boats.com/Wanke

Der Clou mit der Schiebetür:schafft schnellen Zugang zum Seitendeck an Steuerbord. Foto: boats.com/Wanke


Neue Ordnung am Oberdeck


Wie am Layout des Oberdecks erkennbar, ließ sich die Werft nicht zu Experimenten verleiten sondern hielt an den Grundgedanken fest, die sich im Praxis bewährt haben. So führt weiterhin eine große steuerbordseitige Schiebetür am Steuerstand direkt auf das breite Gangbord dessen Reling für den Schritt an Land vor der Tür unterbrochen ist. Damit hat der Steuermann alles im Griff, wie zum Beispiel Bugstrahler, Ruder oder Gashebel, ein unschätzbarer Vorteil beim Anlegen oder Schleusen. Für Anker- oder Anlegemanöver ist man auch schnell am Vorschiff, um das Geschirr mit 50 Meter Kette (beides im Lieferumfang inbegriffen) klar zu machen oder eine Leine überzuwerfen. Die geteilte Reling und eine Trittfläche erleichtern den Schritt an Land. Für Sonnenanbeter kann auf dem Vordeck ein aufpreispflichtiges Liegepolster installiert werden.

Aufpreispflichtig: Die Sonnenliege am Vordeck. Foto: boats.com/Wanke

Aufpreispflichtig: Die Sonnenliege am Vordeck. Foto: boats.com/Wanke



Das Gangbord an Backbord ist konstruktionsbedingt natürlich deutlich schmaler, aber immer noch breit genug, um auch an dieser Seite arbeiten zu können. Der gewonnene Platz kommt der Wohnfläche im Salon zugute, wo sich der Steuerstand befindet, samt einer variablen Doppelsitzbank, die sich entweder nach vorn oder hinten ausrichten lässt. Nach achtern geklappt ergänzt sie die Sitzgruppe an Backbord, wobei sich der klappbare Tisch absenken und mit Zusatzpolstern auffüllen lässt, wobei eine zusätzliche Doppelliege entsteht. Gegenüber befindet sich die Pantry mit modifizierter Kontur und Anordnung, doch den Kühlschrank haben die Schweden nicht angefasst, der befindet sich weiterhin unter dem Fahrersitz. Die Spüle folgt nun dahinter, dort wo früher mal der Gasherd installiert war.

Neu arrangiert: Die Pantry im Salon mit Kochgelegenheit achtern.Foto: boats.com/Wanke

Neu arrangiert: Die Pantry im Salon mit Kochgelegenheit achtern.Foto: boats.com/Wanke



Der kostet samt Ofen 1370 Euro extra und ist nun hinten, direkt an der großen Schiebetür zu finden. Alternativ ist auch ein hochmodernes Zweiflamm-Gas-Ceranfeld für 1590 Euro Zuzahlung zu haben. Deutlich wahrnehmbar hingegen ist die veränderte Kontur der Seitenfenster, die im hinteren Bereich eine größere Glasfläche bieten. Gemeinsam mit dem modifizierten Sonnendach mit seinen beiden großen Luken, die sich manuell oder auf Wunsch auch elektrisch öffnen lassen, sogt diese Maßnahme für mehr Licht im Innenraum. Im Cockpit trifft man weiterhin auf das bekannte Layout mit einer bequem gepolsterten Sitzgruppe samt Tisch an Backbord, die bei geöffneter Salontür vom verlängerten Coupédach noch besser als bisher vor Regen oder zu viel Sonne geschützt wird.
Ordentlich geht es auch im Achtercockpit her, mit dem Ausstieg zur Badeplattform an der Steuerbordseite des Heckspiegels und gleich daneben die überaus praktischen Fenderkörbe. Eine Badeleiter und eine Heckdusche runden die Komfortausstattung am Heck ab, wobei noch erwähnenswert ist, dass der elegante Teakbelag auf dem gesamten Deck der Nimbus zur Serienausstattung gehört.

Sauber gelöst: Fenderkörbe neben dem Durchstieg auf die Serienmäßig mit Teak belegte Badeplattform. Foto: boats.com/Wanke

Sauber gelöst: Fenderkörbe neben dem Durchstieg auf die Serienmäßig mit Teak belegte Badeplattform. Foto: boats.com/Wanke


Ausstattung über dem Durchschnitt


Über den Niedergang am Steuertand gelangt die müde Crew in die beiden Kajüten unter Deck. Im Bug gibt es bei 1,86 Meter Stehhöhe eine geräumige Eignerkabine mit einer zwei Meter langen und bis zu 1,7 Meter breite Doppelliege und dazu genügend Stauraum. Auch ein direkte Zugang zur Nasszelle mit getrennter Dusche ist hier machbar, wobei der Standardzugang von außen den Bewohnern der Unterflurkabine an Backbord Zutritt gewährt. Auch hier gibt es eine Stehhöhe von 1,83 Meter , doch nur ganz vorn. Dazu eine mit 2,16 Meter sehr lange Doppelliege, die allerdings auf 1,40 Meter Breite beschränkt ist und sich stellenweise noch auf 1,27 Meter verjüngt. Für zwei Kinder mag es reichen, für zwei Erwachsene normaler Größe wäre dies schon sehr sparsam. Ganz anders die Serienausstattung, die ist nämlich weit über dem gewohnten Durchschnitt und enthält u.a. einen Geschirrsatz, die Warmwasseraufbereitung über den Motor, einen 220-V-Boiler, eine elektrische Toilette und die für höhere Breitengrad höchst nützlicher Dieselheizung. Nur Generator oder Klimaanlage sind bei den Optionen zu finden.

Insel der träume: Doppelkoje in der Eignerkajüte vorne. Foto: boats.com/Wanke

Insel der Träume: Doppelkoje in der Eignerkajüte vorne. Foto: boats.com/Wanke


Wartungsarme Wellenantriebe


Nimbus bietet für die 365 Coupé nur robuste Wellenanlagen mit einem oder zwei Motoren an. Der im Testboot montierte Volvo Penta D4-260, der auch über eine Bodenseezulassung verfügt, stellt die Grundausstattung dar. Weitere Einzelanlagen wären der Volvo Penta D6-370 oder D6-435. Wer zwei Triebwerke vorzieht kann zwischen Doppelanlagen können zwischen 2x Volvo Penta D4-225 oder 2x D4-300 wählen. Außerdem bietet Nimbus auch eine Version mit Elektroantrieb an, in der der Torqeedo Deep Blue 80i verbaut ist, der seine Energie aus bis zu zwei je 32 kWh starken Batteriepaketen aus dem BMW i3 bezieht.

Einstiegsaggregat: Der Volvo Penta D4-260. Auch Doppelanlagen stehen zur Wahl und eine Version mit dem Torqeedo Deep Blue Elektroantrieb. Foto: boats.com/Wanke

Einstiegsaggregat: Der Volvo Penta D4-260. Auch Doppelanlagen stehen zur Wahl und eine Version mit dem Torqeedo Deep Blue Elektroantrieb. Foto: boats.com/Wanke



Doch zurück zu unserem Testfahrzeug: Der 3,7-Liter-Reihenvierzylinder mit seinen 191 kW (260 PS) brachte die 6,4 Tonnen schwere Nimbus nach acht Sekunden bei 2600 Umdrehungen und 11,5 Knoten in Gleitfahrt. Bis zur Höchstgeschwindigkeit von 19,4 Knoten, die nur einen Hauch unter der Nenndrehzahl bei 3490 Umdrehungen erreicht wurde, vergeht dann doch etwas Zeit. Recht flott geht es aber bis auf 18 Knoten, die nach 25 Sekunden anliegen. Die effiziente Reisegeschwindigkeit liegt bei 12,3 Knoten und 2700 Umdrehungen, bei denen sich die Nimbus stündlich moderate 28,3 Liter Diesel aus dem 700-Liter-Tank genehmigt. Nach Abzug von 15 Prozent Reserve ergibt sich dabei eine Reichweite von rund 260 Seemeilen oder 21 Betriebsstunden. Das Fahrverhalten mit der Testmotorisierung war völlig unauffällig und komfortabel, nicht zuletzt, weil das Geräuschniveau des Motors dank der zusätzlichen Kapselung erfreulich niedrig bleibt. Vollkreise konnten bei 3100 Umdrehungen mit einem Durchmesser von drei Bootslängen in beide Richtungen gefahren werden. Auch das Manövrieren im Hafen gelingt ohne Mühe, wobei gegebenenfalls auch das serienmäßige Bugstrahlruder oder ein optionales Heckstrahlruder zu Hilfe genommen werden kann.

Skippers Reich: Der helle Decksalon mit Galley achtern und Esstisch, sowie den umkehrbaren Sitzen für Fahrer und Beifahrer. Foto: boats.com/Wanke

Skippers Reich: Der helle Decksalon mit Galley achtern und Esstisch. Foto: boats.com/Wanke


Von Grund auf reichhaltig


Der Einstiegspreis von 382 000 Euro wirkt auf den ersten Blick ziemlich happig, relativiert sich aber schnell, wie ein Blick auf die oben angeführte Serienausstattung zeigt. Anders als viele andere Hersteller vertritt Nimbus die Philosophie, ohnehin unverzichtbare Ausstattungsdetails gleich im Grundpreis zu inkludieren. Treffliche Beispiele dafür sind die Ankerinstallation mit langer Kette und elektrischer Ankerwinde, die Bordheizung, acht Bordbatterien und das elegante Teakdeck. Nicht mal Fender, Leinen oder Essgeschirr fehlen. Dazu kommt noch die solide Verarbeitung und das hohe handwerkliche Qualitätsniveau, die bei entsprechender Wartung und Pflege nicht nur dem ersten Besitzer viele Jahre Freude bereiten dürften, sondern auch für eine Wertbeständigkeit stehen, die erst beim Wiederverkauf ihre ganze Dividende abwerfen sollte.

Kein Preisschock: Fast 400 Tausender für ein 11-Meter-Schiff klingen nach viel Geld, doch die reichhaltige Ausstattung, die man dafür bekommt, schafft hohen Wert.  Foto: boats.com/Wanke

Kein Preisschock: Fast 400 Tausender für ein 11-Meter-Schiff klingen nach viel Geld, doch die reichhaltige Ausstattung, die man dafür bekommt, schafft hohen Wert. Foto: boats.com/Wanke


Technische Daten Nimbus 365 Coupé


Länge: 11,33 m
Breite: 3,45 m
Tiefgang: 1,10 m
Leergewicht: 6400 kg
Durchfahrtshöhe: 3,90 m (2,60 m ohne Gerätemast)
Baumaterial: GFK-Sandwich
CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 8
Kojenplätze: 4+2
Brennstofftank: 700 l
Wassertank: 270 l
Grauwassertank: 120 l
Motorisierung: Volvo Penta Diesel vom Typ D4 oder D6 als Einzel oder Doppelanlagen mit einer Leistung ab 191 kW (260 PS) bis zwei mal 221 kW (300 PS)
Grundpreis mit Testmotorisierung Volvo Penta D4-260: 382 000 Euro

Nimbus 365 Coupé: Messung mit Volvo Penta D4-260, Leistung 191 kW (260 PS)
Revier: Bodensee bei Kressbronn, Besatzung: 2 Personen, Wasser 14 °C, Luft 17 °C, Wind 1 Bft., See: 0-1, Tank: Diesel: 640 l, (91%), Wasser: leerScreen Shot 2017-06-26 at 20.58.00

Werft und Händlernachweis
Nimbus Boats Sweden AB
Talattagatan 10
S-42605 Västra Frölunda
Schweden

Importeure
Boote Polch KG (Lieferant des Testbootes)
Zum Hafen 18
56841 Traben-Trarbach

Nautic Yachting GmbH
Akademiestraße 3
40213 Düsseldorf
Vertriebsbüro Nordancora marina
An der Wiek 7–15
23730 Neustadt in Holstein

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