Festrumpfschlauchboote oder kurz RIBs (Rigid Inflatable Boat) genannt, haben die Welt im Sturm erobert. Nicht nur weil sie robust und vielseitig sind, sondern auch weil sie weniger erfahrenen Skippern mit Stabilität und guten Fahreigenschaften sicheren Fahrspaß am Wasser bieten. In der Sieben-Meter-Klasse, zu der auch die Nuova Jolly Prince 23 Cabin gehört, ist zudem Seegängigkeit zu erwarten. Deshalb ist dieses Boot nach der CE-Kategorie B zertifiziert und darf vom Gesetzgeber aus auch außerhalb der Küstengewässer eingesetzt werden.

RIB mit Schlafgelegenheit: Nuova Jolly Prince 23 Cabin. Foto: Dieter Wanke

RIB mit V-Rumpf und Schlafgelegenheit: Nuova Jolly Prince 23 Cabin. Foto: Dieter Wanke



Gefertigt werden die Boote in dem 1961 von Domenico Aiello gegründeten Familienbetrieb in der Nähe von Mailand, wo ausschließlich Schlauchboote von etwa fünf bis fast 13 Meter Länge produziert werden. Mit knapp sieben Metern liegt das Testboot also noch im unteren Bereich der Größenskala. Trotz seiner Breite von drei Metern kann es aber locker und legal am Trailer befördert werden, weil die Luft komplett aus den Seitenschläuchen ausgelassen, bzw. abgepumpt werden kann, sodass diese eng an der GFK-Schale anliegen. Somit steht dem Straßentransport hinter dem eigenen Fahrzeug nichts mehr im Wege. Mit einem Leergewicht von nur 1350 Kilogramm liegt das Testboot auch samt dem 260 Kilogramm schweren Yamaha F 250 noch innerhalb der gängigen Zuglastgrenzen.

Raum zum Stauen: Unter den Sitzgelegenheiten lässt sich so manches unterbringen. Foto: Dieter Wanke

Raum zum Stauen: Unter den Sitzgelegenheiten achtern lässt sich so manches unterbringen. Foto: Dieter Wanke



Wohnen im Hypalon-Viertel
Schon auf den ersten Blick erkennbar sind die hohe Verarbeitungsqualität bis in die Ecken und die Verwendung solider Materialien. Aber auch die Konstruktion ist durchdacht und auf Sicherheit ausgerichtet: Die Durchmesser der mehrlagigen Neopren-Hypalon-Schäuche liegen zwischen 42 und 60 Zentimetern und es sind insgesamt sechs unabhängige Luftkammern zu aufzupumpen. Die mit 25 Grad sehr steile Aufkimmung des handlaminierten GFK-V-Rumpfes verspricht gutes Verhalten bei Rauwasserfahrt. Selbst ohne Luft in den Schläuchen hält der Auftrieb des GFK-Rumpfes das Boot über Wasser.
An Bord gelangt man recht einfach über den Bugeinstieg, wo auf einer rutschfesten GFK-Trittfläche auch die Installation für das Ankergeschirr samt Winde und Klampen montiert sind. Wer will, kann es sich gleich auf der großen Liegefläche im Bug gemütlich machen. Gangboards auf beiden Seiten führen nach achtern ins Cockpit und zum Steuerstand, dessen Armaturentafel genügen Platz hat, um neben der werksseitig installierten Grundinstrumentierung Kartenplotter oder anderes Navigationszubehör nach eigner Wahl zu platzieren. Der Stehsitz mit weicher Polsterung hat Platz für zwei Personen, eine kleine Wetbar mit Spüle und einen Kühlschrank, der gegen Aufpreis zu haben ist.

Plicht mit Steuerstand und eingerolltem Bimini. Foto: Dieter Wanke

Plicht mit Steuerstand und eingerolltem Bimini. Foto: Dieter Wanke



Ein 60-Liter-Frischwassertank, der die Heckdusche und das Waschbecken versorgt, sowie ein Grauwassertank sind Bestandteil der Serienausstattung. Achtern in der Plicht unter dem Faltbimini ist eine große Sitzgruppe untergebracht, die wahlweise mit einem Tisch ergänzt werden kann. Unter dem Mobiliar befindet sich reichlich Stauraum für Bordzubehör und zur optionalen Badeplattform mit Badeleiter am Heck geht es über einen Durchgang an Backbord.
In die entgegengesetzte Richtung führt der Weg durch eine transparente Schiebetür neben dem Steuerstand in die Schlupfkajüte, in der man eine geräumigen Doppelliege für zwei Personen vorfindet, einen Stauschrank und die in der Grundausstattung inbegriffene Seetoilette. Ein großes, leider massiv ausfegührtes GFK-Luk im Kajütdach sorgt für Belüftung. Mehrtägige Törns für zwei Personen wären mit der Nuova Jolly Prince 23 Cabin so kein Problem.

Gute Stube: Vorschiffkajüte mit viel Platz - und WC. Foto: Dieter Wanke

Gute Stube: Doppelkoje, Kasten - und WC. Foto: Dieter Wanke



Doppelt muss nicht sein
Grundsätzlich ist die Nuova Jolly Prince 23 Cabin mit Außenbordern bis 221 kW (300 PS) und Ultra-Langschaft motorisierbar. Auch die Montage von Doppelanlagen ist möglich, doch mit zwei Vorbehalten: Erstens würde damit aus Platzmangel die Badeplattform entfallen und zweitens hätten zwei Maschinen auch stattliches Gewicht. Das Testboot war deshalb mit einem Yamaha F 250 DETX EFI ausgestattet. Herz der Antriebseinheit ist ein moderner 4,2-Liter-V6-Benziner mit zwei oben liegenden Nockenwellen und 24 Ventilen, der 165,5 kW (250 PS) entwickelt. Die Nenndrehzahl liegt zwischen 5000 und 6000 Umdrehungen, was Spielraum für die Propellerwahl erlaubt. Eine elektronische Schaltung und die elektrohydraulische Trimm- und Kippanlage sorgen für Komfort beim Betrieb. Am Testboot war außerdem eine hydraulische Lenkung installiert und diese Kombination erwies sich in der Praxis als perfektes Gespann, wie an den gemessenen Fahrleistungen abzulesen war.

Einer reicht: Mit dem Yamaha 250-PS- Außenborder schaffte das Boot 42 Knoten. Foto: Dieter Wanke

Einer reicht: Mit dem Yamaha 250-PS- Außenborder schaffte das Boot 42 Knoten. Und bewegte sich auch in Kurven wie auf Schienen. Foto: Dieter Wanke



In drei Sekunden war Gleitfahrt erreicht, bei nur 13,4 Knoten und 2500 Umdrehungen. In 16 Sekunden lag bei 5700 Umdrehungen die Spitzengeschwindigkeit von 42,6 Knoten an. Eine gute Marschgeschwindigkeit wurde bei 3500 Umdrehungen und knapp 25 Knoten ermittelt. Dabei laufen rund 33 Liter Treibstoff pro Stunde durch die Leitungen, womit sich aus dem 300-Liter-Tank bei einer Sicherheitsreserve von 20 Prozent eine Reichweite von rund 180 Seemeilen oder eine Fahrzeit von gut sieben Stunden errechnen lässt. Wer gerne flotter unterwegs ist und den Gashebel erst bei 32 Knoten loslässt, erhöht den Durchschnittsverbrauch auf 57 Liter pro Stunde und verkürzt die Reichweite auf rund 130 Seemeilen. Dank des tiefen und solide ausgeführten V-Rumpfes läuft die Nuova Jolly Prince 23 Cabin wie auf Schienen durchs Wasser und das bei makellosem Kurvenverhalten. Dank der erwähnten Hydrauliklenkung ist das Einleiten der Kurvenfahrt ein Kinderspiel und selbst bei Wellen fühlt man sich als Passagiere an Bord äußerst sicher.

Wert fürs Geld
Ausstattung und Fahrverhalten, Verarbeitungs- und Materialqualität: Die Nuova Jolly Prince 23 Cabin legte beim Test am Bodensee einen überzeugenden Auftritt hin. Schon deshalb wirkt ein Grundpreis von 53.300 Euro (zuzüglich Frachtkostenpauschale von 790 Euro) angemessen, wobei für den Testmotor Yamaha F 250 weitere 26.725 Euro fällig werden. Doch wer vorwiegend bei schönem Wetter am Wasser ist und unterwegs auch mal übernachten möchte, ist mit diesem RIB aus Italien gut bedient. Zwei Extras sollten allerdings mit an Bord: Die Badeplattform und der Kühlschrank. Denn ohne dieses Zubehör wäre ein Boot dieser Art irgendwie nicht komplett.

Pflicht-Option: Kühlschrank unterm Fahrersitz. Foto: Dieter Wanke

Pflicht-Option: Kühlschrank unterm Fahrersitz. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Nuova Jolly Prince 23 Cabin
Länge: 6,98 m
Breite: 3,00 m
Tiefgang: keine Angabe
Leergewicht: 1350 kg (ohne Motor)
Baumaterial: Neopren-Hypalon-Gewebe und GFK
Anzahl der Luftkammern: 6
Vorgesehene CE-Kategorie: B
Zulässige Personenzahl: 10
Kojen: 2
Brennstofftank: 300 l
Wassertank: 60 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft, Leistung bis 221 kW (300 PS)
Grundpreis: 53.300 Euro ohne Motor.
Preis mit Transportkosten und Testmotorisierung Yamaha F 250 DETX EFI 80.815 Euro

Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 22 °C, Luft 18 °C, Wind 0 Bft., See: 0-1, Tanks: Benzin: 100 l, (33%), Wasser: leer

 

Bildschirmfoto 2015-03-02 um 7.26.10 PMHersteller
Nuova Jolly Marine Srl
via Bologna, 3/5
20060 Bussero (Mi)
Italien


Importeur für Deutschland
Wassersport Keckeis GmbH
Bergheimerstr. 32
88677 Markdorf

Anzeige