Quicksilver hat sich im Laufe der Jahre einen Ruf für preiswerte Boote mit ordentlicher Qualität erarbeitet. Aktuell hat die Marke 30 Modelle vom vier Meter langen Angelboot bis zum neun Meter Kajütkreuzer im Sortiment, die in Fertigungsstätten in Polen und Portugal produziert werden. Mit dabei ist auch die Captur 555 Pilothouse, das Einstiegsmodell der Pilothaus-Serie, die insgesamt neun Boote umfasst, nahe Verwandte der von uns bereits getesteten größeren und luxuriöseren  Activ 855 Weekend. Grundsätzlich sprechen diese Boote Angler an, doch die Einsatzmöglichkeiten sind damit längst nicht erschöpft.

Fast 30 Knoten Topspeed schafft die Captur 555 Pilothouse mit zwei Personen an Bord Foto: boats.com/ Wanke

Fast 30 Knoten Topspeed schafft die Captur 555 Pilothouse mit zwei Personen an Bord Foto: boats.com/ Wanke

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Bei der 555 gibt es im Bug beispielsweise eine geräumige Doppelkoje und das geschlossene Deckshaus mit dem Innensteuerstand schafft ideale Voraussetzungen für Familientouren bei wechselhaften Wetter in höheren Breitengraden, bzw. um die Saison im Frühjahr und Herbst zu verlängern, wenn's auf offenen Booten noch oder schon ungemütlich wird. Damit ist die Captur 555 Pilothouse ein Allrounder, der sich durch auch das geringe Leergewicht von etwa 1,3 Tonnen (inklusive Testmotor) gut trailern lässt, womit der Erschließung entfernter Reviere nichts im Weg steht. Dazu zählen auch Küstengewässer, für die das Boot mit einer Besatzung von fünf Erwachsenen zugelassen ist.

Vielseitig und familientauglich


Da Angler viel Platz im Cockpit bevorzugen, wurde das Layout entsprechend ausgelegt. Das kommt aber nicht nur den Petrijüngern beim Ausbreiten ihrer Ausrüstung oder Anlanden des Fangs zugute, sondern auch Familien. Und weil es auch mit mehreren Kleinen an Bord nicht gleich eng zu wird und die hohen Bordwände den Rabauken bei rauen Verhältnissen auch die Sicherheit bieten, darf die Captur 555 Pilothouse auch als familienfreundlich bezeichnet werden.

Das Cockpit bietet viel Platz für ein Boot dieser Größe

Das Cockpit bietet viel Platz für ein Boot dieser Größe.Foto: boats.com/ Wanke



Am Heck, wo es beidseits des Motors zwei Sitze gibt, gehört eine Badeleiter zur Serienausstattung, doch Sitzpolster oder Cockpittisch sind nur gegen Aufpreis wohlfeil. Praktisch sind die Aussparungen in den Bordwänden, wo die Fender gestaut werden, damit sind sie einerseits aus dem Weg und andererseits schnell zur Hand. Weiteren Stauraum gibt's unter den Klappen im Cockpitboden. Praktisch aber keineswegs zwingend erforderlich ist der im Testboot montierte Außensteuerstand für 1.150 Euro Zuzahlung, der aber nur mit der empfehlenswerten Hydrauliklenkung (580 Euro) zu haben ist, wobei für SmartCraft-Instrumente darüber hinaus zusätzlich rund 500 Euro anfallen. Der Weg zum Bug führt über das 27 Zentimeter breite seitliche Gangbord an Steuerbord und drei Treppenstufen, wobei ein Handlauf auf dem Dach für sicheren Halt sorgt. Im kurzen Bug befindet sich unmittelbar vor dem Deckshaus eine einlaminierte Doppelsitzbank - auf Wunsch mit Polster - und natürlich ein Ankerkasten. Die geteilte und nach vorne offene Reling ermöglicht den bequemen Ein- und Ausstieg über den Bug, doch für eine Sonnenliege reicht der Platz hier nicht aus.

Kurzer Bug, geteilte Reling. Gut zum Ein- und Ausstieg, doch zu klein zum Sonnenbad. Foto: boats.com/ Wanke

Kurzer Bug, geteilte Reling. Gut zum Ein- und Ausstieg, doch zu klein zum Sonnenbad. Foto: boats.com/ Wanke


Aufrüsten für mehr Komfort


In das Pilothaus mit rund zwei Metern Stehhöhe im hinteren Bereich gelangt man vom Cockpit aus durch eine Schiebetür. Serienmäßig ist hier nur ein Schalensitz für den Fahrer montiert, alles andere, also Beifahrer- und Notsitz, eine Kojenerweiterung samt Polstern, sowie Vorhänge und eine Dachluke gehören zum Kabinen-Komfort-Paket, das mit 2.090 Euro zu Buche schlägt. Wer nun den Cockpittisch und die Außenpolster aus dem Cockpit-Komfort-Paket (990 Euro) will und vielleicht auch gleich die Deckwaschanlage samt Ködersystem und zwei zusätzlichen Rutenhaltern (660 Euro) bestellt, sei zur SMART-Edition geraten, in der das genannte Zubehör für insgesamt 3.350 Euro und damit deutlich günstiger zu haben ist. Dann gibt es auch im Deckshaus Sitzgelegenheiten für drei Personen und eben die Möglichkeit, auf dem Boot auch zu übernachten.

Steuerstand innen und Doppelkoje im Bug davor. Foto: boats.com/ Wanke

Steuerstand innen mit guter Rundumsicht und Doppelkoje im Bug davor. Foto: boats.com/ Wanke



Die Liegefläche der nach vorne zulaufenden Doppelkoje hat eine Länge von 1,87 Meter und eine stattliche Breite von 1,93 Meter. Groß genug für zwei Erwachsene ist das allemal und wenn man zusammenrückt, ließe sich gegebenenfalls auch noch ein Kind unterbringen. Vom Steuerstand aus hat man durch die großzügige Verglasung eine sehr gute Rundumsicht, wobei ein Scheibenwischer bei Schietwetter die gebogene Frontscheibe klar hält. Der Fahrerstand ist von Grund auf recht spartanisch ausgerichtet, doch es gibt Platz für Instrumente, und den obligaten Kompass, den Quicksilver wie so viele andere Hersteller im Standard nicht mitliefert. Auch in einer Dachkonsole lässt sich noch Zubehör einbauen, wie beispielsweise ein Funkgerät. Im Elektronikpaket kann für 1.820 Euro noch ein Simrad NSS7 evo2 GPS-Multifunktionsdisplay samt einer Stereoanlage von Fusion geordert werden. Außerdem können in der Optionsliste ein Bimini für 930 Euro oder ein Camperverdeck für 1.790 Euro angekreuzt werden.

Gangbord an Steuerbord für den Weg nach vorne. Foto: boats.com/ Wanke

Gangbord an Steuerbord für den Weg nach vorne. Foto: boats.com/ Wanke


Gute Fahrleistungen, knappe Reichweite


Bei den Antrieben haben Interessenten eine breite Wahl, beginnend mit der Grundmotorisierung in der Form des Mercury F60. Mehr Dampf erzeugen F80, F100 oder F115, wobei auch Command-Thrust-Versionen verfügbar sind, die über die größeren Getriebeeinheiten der F150-Klasse verfügen und damit auch die Montage anderer Propeller ermöglichen. Der am Testboot installierte Mercury F100 CT mit 74 kW (100 PS) ist ein solcher Motor, der zu den kürzlich vorgestellten 2,1-Liter Reihenvierzylindern gehört, die insbesondere durch ihren geräuscharmen Betrieb positiv auffallen. Im Leerlauf wurden im Deckshaus bei geschlossener Tür deshalb nur 42 dB(A) gemessen, ein sehr guter Wert. Selbst wenn der Hebel am Tisch liegt, steigt der Pegel nicht über moderate 77 dB(A) und bei einer Marschfahrt von 4000 Umdrehungen und 19,2 Knoten liegt der Geräuschpegel bei nur 71 dB(A). Dabei laufen stündlich 19,5 Liter Treibstoff durch die Einspritzdüsen.

Vernünftig die Motorisierung mit dem 100 PS Mercury, doch die Reichweite ist durch geringe Tankkapazität beschränkt. Foto: boats.com/ Wanke

Vernünftig die Motorisierung mit dem 100 PS Mercury, doch die Reichweite ist durch geringe Tankkapazität beschränkt. Foto: boats.com/ Wanke



Und das ist der Wermutstropfen, denn mit dem 90-Liter-Einbautank abzüglich einer 15-prozentigen Reserve reicht das für knapp vier Stunden Fahrt und eine Reichweite von mäßigen 75 Seemeilen. Nicht viel, insbesondere, wenn man über Küsteneinsätze mit längeren Angeltouren nachdenkt. Bei Vollgas mit immerhin 28,4 Knoten bei 5800 Umdrehungen reicht der Tankinhalt nicht mal für 2,5 Betriebsstunden. Die Gleitfahrt wird mit zwei Personen an Bord nach sechs Sekunden bei 3600 Umdrehungen und 14,8 Knoten erreicht, wobei der Top-Speed nach insgesamt 17 Sekunden anliegt. Alles in allem ist die Captur 55 Pilothouse mit dem Testantrieb anständig motorisiert, doch auch die Spitzenmotorisierung mit dem Mercury F115 CT liegt preislich in Reichweite, denn sie kostet nur rund 1.000 Euro mehr.

Enge Kurven lassen sich bei schneller Fahrt mit einem Durchmesser von drei Bootslängen meistern, allerdings zieht der Propeller ab 3000 Umdrehungen bei voller Kurvenfahrt grundsätzlich Luft. Beim langsamen Manövrieren sind nach Backbord Kreise mit 1,8 Bootslängen und nach Steuerbord mit 1,5 Bootslängen Durchmesser möglich. Die schnelle Kurvenfahrt verläuft relativ stabil und gibt wenig Anlass zur Kritik, auch weil sich die Besatzung dabei stets sicher fühlt. Im Rückwärtsgang reagiert das Boot sofort auf jeden Ruderausschlag.

Enge Kurven schafft die Captur 555 Pilothouse problemlos, doch ab 3000 Touren macht sich Kavitation bemerkbar. Foto: boats.com/ Wanke

Enge Kurven schafft die Captur 555 Pilothouse problemlos, doch ab 3000 Touren macht sich Kavitation bemerkbar. Gut sichtbar: Der optionale Außensteuerstand. Foto: boats.com/ Wanke


Auch mit viel Zubehör kein Stickerschock


Mit einem Mercury F60 am Spiegel steht die Quicksilver Captur 555 Pilothouse ab 23.150 Euro in der Liste. Dass in diesem sehr günstigen Preis nur eine Sparausstattung enthalten sein kann, sollte nicht überraschen. Mit dem empfehlenswerten Mercury F100 CT, der am Testboot verbolzt war, liegt der Einstiegspreis bei 27.290 Euro, zu denen in jedem Fall eine Frachtpauschale von 1.160 Euro addiert werden muss. Mit dem Komfortzubehör, das sich vermutlich viele Kunden bestellen wollen und einem sinnvollen Camperverdeck, ist das Boot dann ordentlich ausgestattet und preislich immer noch attraktiv. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten garantieren dem Eigner und den Mitfahrern Spaß, egal, ob sie auf Binnengewässern oder an der Küste unterwegs sind. Ein Reservekanister sollte allerdings an Bord sein und die nächste Tankstelle ein Wegpunkt im GPS.

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Mit Bimini noch mehr geschützte Nutzfläche im Achtercockpit. Foto: boats.com/ Wanke



Technische Daten: Quicksilver Captur 555 Pilothouse
Länge: 5,31 m
Breite: 2,40 m
Tiefgang: 0,40 m
Brückendurchfahrtshöhe: 2,19 m
Leergewicht: 1170 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
Vorgesehene CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 5
Kojen: 2
Treibstofftank: 90 l
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft bis zu 85 kW (115 PS)
Grundpreis einschließlich Fracht mit Einstiegsmotorisierung Mercury F 60 ELPT EFI: 24.310 Euro
Grundpreis einschließlich Fracht mit Testmotorisierung Mercury F 100 ELPT EFI CT: 28.450 Euro

Messung Schall + Fahrt mit Mercury F 100 ELPT EFI CT, Leistung 74,0 kW (100 PS), Zylinderzahl: 4 in Reihe, Hubraum: 2.100 cm3, Nenndrehzahl: 5000 - 6000 min-1

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Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Deutschland, Besatzung: 2 Personen, Wasser 18 °C, Luft 14 °C, Wind 1 Bft., See: 1, Tank: Benzin: 54 l, (60%)

Werft und Händlernachweis:
Brunswick Marine EMEA
Parc industriel de Petit-Rechain
B-4800 Verviers

Lieferant des Testbootes:
Boot & Service Heuckeroth
Schöllkopfstraße 73
73230 Kirchheim/Teck

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