Es ist eine alte Weisheit: Erst die Handwerkskunst macht aus einem Werkstoff ein Juwel. Das gilt auch für Motorboote, die Wolfgang Rapp in Thal am Bodensee nahe St. Gallen aus Mahagoni baut. Rapp ist Perfektionist und Massenproduktion ist so gar nicht sein Ding. Nach Gründung der Firma 1983 beschäftigte er sich zunächst mit Instandhaltungsarbeiten, dem fachgerechten Restaurieren klassischer Holzboote und dem Lagern von Kundenbooten, ehe er 1997 mit dem Bau von Eigenkonstruktionen begann. Modern, edel aber dennoch klassisch sollten diese Boote sein sein, wobei Rapp bewusst auf althergebrachte Fertigungstechniken verzichtet. Die spannungsreiche dreidimensionale Formgebung der Außenhaut, die den Rapp-Booten eine spezielle Eleganz verleiht, wäre mit traditioneller Beplankung von Holzspanten auch nicht realisierbar.

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Zeitlos: Die Lake Constance 760 von Rapp gibt's schone eine Weile, doch ihre Erscheinung ist deshalb nicht minder elegant. Foto: Dieter Wanke



Vielmehr arbeitet Rapp mit mehrschichtigen Holzfurnieren, die im Vakuumverfahren über Negativformen mit Epoxidharz verleimt werden, wobei die Montage der Elemente auf der Helling vorgenommen wird und das Harz auch bei der Beschichtung der Innen- und Außenflächen zum Einsatz kommt. Besser ist Holz kaum zu schützen. Der Pflegeaufwand dieser Boote ist erfreulich gering, denn auch bei der Konstruktion wird darauf geachtet, dass sich nirgends Schmutz oder Wasser ansammelt, womit dem Problem der Verrottung von Haus aus vorgebeugt wird.
Die Lake Constance 760 ist seit 2005 im Programm, eine auf Komfort ausgelegte Weiterentwicklung der 1999 als Wasserskiboot entworfenen Lake Constance 700. Mit einem Gewicht von nur 1.600 Kilogramm ist die 760 für ein Holzboot federleicht, also auch ohne großen Aufwand trailerbar. Dennoch ist das Boot merkbar steif, ein Vorteil, der sich durch die Bauweise ergibt.

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Detail über alles: Versenkte Belegklampen und Stabdeck gehören bei einem Möbelstück dieser Kategorie zu den Selbstverständlichkeiten. Foto: Dieter Wanke



Klassisches modern interpretiert
Schon die aufgedrehten Leinen auf der Badeplattform lassen erahnen, dass die Begehung der Lake Constance 760 fast wie ein Spaziergang durch ein schweizer Präzisionsuhrwerk verlaufen wird. Über die mit feinen Polsterarbeiten versehene Sonnenliege, die den Motorraum abdeckt gelangt man ins Cockpit, das von einer L-förmige Sitzbank dominiert wird. Helle Sitzpolster stehen in feinem Kontrast zum dunklen Mahagoniholz, das mit einer makellosen Hochglanzlackierung versehen ist, wobei die Bezüge der Sitzmöbel aus pflegeleichter Mikrofaser gefertigt sind. Das ist zwar nicht so klassisch wie Leder, doch ungleich praktikabler und sieht dennoch gut aus.

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Farbenspiel: Der Kontrast des rötlichen Mahagoni und der weißen Sitzbezüge im Cockpit erfreut das Auge. Foto: Dieter Wanke



Praktikabel ist auch die aufpreispflichtige Zusatzausstattung zu der auch der Bordkühlschrank zählt, der an Backbord vor der Sitzbank installiert wird und der abnehmbare Cockpittisch. Wer großen Wert auf großen Komfort legt, wäre mit dem De Luxe-Paket gut beraten, das einen Kartenplotter mit integrierten Motordaten und Echolot umfasst, eine zusätzliche Batterie und eine Ganzpersenning. Ebenfalls den Extras zugerechnet wird das pfiffige GFK-Hardtop, das auf Knopfdruck unter der Abdeckung des Motorraums verschwindet, nachdem es der Länge nach an zwei Stellen eingeklappt wurde. Apropos Stauraum: Richtig Platz für diverses Bordzubehör gibt’s im Bug und unter den Sitzflächen.
Auf das Wasserskifahren muss natürlich auch bei der Lake Constance 760 nicht verzichtet werden, denn dazu eignet sich das Boot durch seine flache Heckwelle ganz besonders. Der aufsteckbare Wasserskimast gehört deshalb ebenso zur Grundausstattung, wie ein Staufach im Achterschiff. Die Heckdusche ist noch ein weiteres Extra.

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Klapptrick: Das Hardtop wird an zwei Stellen eingeklappt, bevor es gefaltet im Motorraum verschwinden kann. Foto: Dieter Wanke



Viel Spaß bei der gepflegten Ausfahrt
Beim Antrieb bleibt Rapp klassisch und setzt auf die Vorteile eines zuverlässigen und wartungsarmen Wellenantriebs. Ein weiterer Pluspunkt davon ist die Gewichtsverteilung, denn der schwere Motor sitzt so mittig im Boot und belastet das Achterschiff nicht übermäßig. In der getesteten Version der Rapp Lake Constance 760 war ein Sechszylinder-Diesel vom Typ Steyr MO256H45 mit 184 kW (250 PS) montiert, der aber inzwischen nicht mehr lieferbar ist. Aktuell baut die Werft den moderneren Steyr SE 266E40 ein, der auch die Bodensee-Abgasvorschriften nach BSO II/III erfüllt. Beide Motoren haben einen Hubraum von 3,2 Litern, wobei die neue Version 190 kW (258 PS) entwickelt. Gegen moderaten Aufpreis könnte auch der Steyr SE286E40 Turbodiesel mit 205 kW (279 PS) eingebaut werden, wobei aber schon bei der deutlich weniger kräftigen Testmotorisierung kein Mangel an Vortrieb zu beklagen war. Wer statt der sparsamen Selbstzünder lieber mit Benzinmotoren unterwegs ist, kann die Lake Constance 760 ohne Zuzahlung auch mit einem Ilmor MV8-6.0 ordern. Dabei ist das Boot auch mit Doppelmotorisierungen erhältlich oder mit Elektroantrieb für Reviere, auf denen Verbrennungsmotoren Tabu sind.

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Alter Diesel: Das im Testboot eingebaute Antriebsaggregat wurde in der Zwischenzeit durch stärkere und saubere Varianten ersetzt. Foto: Dieter Wanke



Der Fahrersitz ist klappbar, kann also auch als Stehsitz verwendet werden, wobei alle relevanten Betriebswerte auf dem Display stets gut ablesbar wind. Das serienmäßige Bugstrahlruder gehört auf einem Boot dieser Größe allerdings eher zum Luxus, doch praktisch zum Einparken in engen Lücken ist es allemal. Bei Standgas und eingekuppeltem Propeller machte das Testboot eine Fahrt von 4,2 Knoten und hielt dabei wie bei allen anderen Geschwindigkeiten stabil Kurs. Beim Beschleunigen hob sich die Nase der Lake Constance 760 dank steiler Aufkimmung im Bug erfreulich wenig. Der Übergang zur Gleitfahrt, die nach vier Sekunden anlag war kaum zu spüren. Nach mehrmaligen Versuchen konnte der Punkt bei rund 2500 Umdrehungen und gut 16 Knoten Fahrt ermittelt werden. Nach 15 Sekunden hatte das Boot seine Höchstgeschwindigkeit von knapp 31 Knoten erreicht, wobei der Drehzahlmesser 4400 Umdrehungen auswies, nur wenig unter der Nenndrehzahl von 4500.

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Klassisch: Die große Liege auf der Motorabdeckung und das offene Cockpit machen die Lake Constance 760 zum idealen Schönwettergefährt. Foto: Dieter Wanke



Bei gemütlicheren 3000 Umdrehungen läuft die Lake Constance mit 21 Knoten eine anständige Reisegeschwindigkeit mit einem moderaten Kraftstoffverbrauch von 21,5 Litern pro Stunde. Der 200-Liter-Tank abzüglich 15 Prozent Reserve reicht für knapp acht Betriebsstunden und eine Reichweite von rund 170 Seemeilen. Bei Vollgas laufen pro Stunde schon mal 60 Liter Diesel durch die Leitungen, doch mal ehrlich, wer fährt mit so einer so edlen Schönheit schon Dauervollgas? Am Handling gab es nichts zu kritisieren, denn der Rumpf lief bei der seichten Bodenseewelle geschmeidig durchs Wasser und sowohl bei Höchstgeschwindigkeit als auch bei schneller Kurvenfahrt blieb das Fahrverhalten makellos.

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Schicke Kappe: Sollte das Wetter nicht mitspielen, findet man unter dem falt- und klappbaren Hardtop Schutz. Foto: Dieter Wanke



Kunst kostet
Wer ein derartig edles Boot in seinem Bestand haben möchte, wird sich von einem ansehnlichen Stapel Geld trennen müssen, den gutes Handwerk will entlohnt werden. Die Rapp Lake Constance ist ab 344 580 Euro wohlfeil, doch wer sich für das praktische Hardtop entscheidet, wird nochmals fast 20 Tausender drauflegen müssen. Dazu kommen natürlich noch ein paar unverzichtbare Extras, zumindest ein Kühlschrank sollte auf einem Boot dieser Klasse nicht fehlen. Diese Preisgebarung macht die Lake Constance 760 zu einem exklusiven Sportartikel, aber genau das schafft den Reiz. Wer sich’s leisten kann, dem ist die Freude am Besitz eines Stückes schweizerischer Bootsbaukunst gewiss.

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Arbeitsplatz: Der Steuerstand mit Multifunktions-Anzeige und stilechtem Sportlenkrad aus Biomasse. Foto: Dieter Wanke



Spezifikationen Rapp Lake Constance 760
Länge: 7,60 m
Breite: 2,45 m
Tiefgang: 0,65 m
Leergewicht: 1.600 kg
Baumaterial: Mahagoni
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 7
Kojenplätze: keine
Brennstofftank: 200 l
Motorisierung: Innenborder, Benziner oder Diesel mit einer Leistung ab 184 kW (250 PS) bis 313 kW (426 PS)
Grundpreis mit Steyr SE 266E40: 344 580 Euro
Preis für die gefahrene Hardtopversion mit Steyr SE 266E40: 363 610 Euro

Messung mit Steyr MO256H45, Leistung 184 kW (250 PS)
Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 3 Personen, Wasser 18 °C, Luft 22 °C, Wind 1-2 Bft., See: 0, Diesel: 128 l, (64%)

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Werft und Lieferant des Testbootes
Boots- und Yachtwerft Rapp
Im Hegi 1b
CH-9425 Thal
Schweiz

Importeur
Deluxe Boats KG
Possenhofener Str. 72
82319 Starnberg,

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