Dass man sich jenseits der Oder sehr gut auf das Bootsbauhandwerk versteht, zeigen Werften wie Galeon und Haber oder auch legendäre US-Marken, die in Polen entwickeln und bauen lassen, darunter Sea Ray, Quicksilver oder Bayliner. Oder eben die Remus 450, die Bootshändler René Stini aus Waren an der Müritz nach Deutschland importiert und die in der einfachsten aller Versionen mit gerade mal 3990 Euro (ohne Motor) in der Preisliste steht. Gleich vorweg: Bei nur 300 Kilogramm Leergewicht ist dieses Boot mit fast jedem Kleinwagen zu trailern, an den eine Anhängerkupplung geschraubt werden kann. Und zum Betrieb ist auch kein Bootsführerschein nötig, denn die kleine Remus, die sich für Familien ebenso gut eignet wie für Petrijünger, kann auch sehr gut mit Außenbordern von maximal 11 kW (15 PS) betrieben werden. Wer allerdings den Schein hat und auch entsprechend mehr PS ans Heck bolzen möchte, dem steht auch die Möglichkeit des Wasserskilaufs offen.


Spaß für drei: Die Remus 450 Open kommt auch mit 15 PS am heck ins Gleiten. Foto: Dieter Wanke

Spaß für drei: Die Remus 450 Open kommt auch mit 15 PS am Heck ins Gleiten. Foto: Dieter Wanke


Aufpreis für mehr als Minimalismus 
Es darf natürlich nicht überraschen, dass die Grundausstattung bei diesem Preis alles andere als üppig ist. Dennoch befindet sich alles an Bord, was für den Betrieb unerlässlich ist: Kleine Bugreling, Handläufe, selbstlenzender Ankerkasten samt Ankerrolle, Teleflex-Steueranlage, Frontscheibe und der Fahrerstand mit Staufach. Wer’s gern komfortabel hat, wird allerdings die Zubehörliste konsultieren müssen, in der z. B. die Sitzauflagen in der Plicht oder die praktische und empfehlenswerte gepolsterte Sonnenliege im Vorschiff mit je 490 Euro angeführt sind. Edelstahlteile wie größere Bugreling, Scheibenreling oder Badeleiter wären weitere aufpreispflichtige Extras ebenso wie das Schaltpanel am Cockpit samt Beleuchtung oder das Komfort-Bimini am Testboot, für das alleine 690 Euro fällig sind. Auch die Veredelung der Plicht oder der Badeplattform mit Teak-Imitat lässt das Budget weiter steigen.


Sinnvolle Option vorn: Polster für die Sitzgelegenheiten im Bug und das Einsatzstück für die Sonnenliege. Foto: Dieter Wanke

Sinnvolle Option: Polster für die Sitzgelegenheiten im Bug und das Einsatzstücke für die Sonnenliege. Foto: Dieter Wanke


Als Alternative zur Sonnenliege wäre auch die Montage eines kleinen Tisches aus dem Zubehör denkbar, um den herum sich im Bug eine Sitzgruppe für etwa vier Personen bilden lässt. Zugang zu einem üppig dimensionierten Stauraum, der über die gesamte Bootslänge unter dem Cockpitboden verläuft, gibt es über eine Klappe unter der Sitzfläche vor der Steuerkonsole oder durch Aufklappen der über die gesamte Bootsbreite verlaufende Sitzbank im Heck, unter der sowohl die Batterie als auch der tragbare Tank Platz finden. Da keine Schotten einlaminiert sind, können auch sehr lange Gegenstände, wie beispielsweise Angeln, Paddel oder Bootshaken problemlos untergebracht werden. Am Steuerstand gibt es Ablagen für Kleinteile und eine Montagefläche für die zwar wünschenswerten, aber aufpreispflichtigen Motorinstrumente.




Einfach und blau: Der Steuerstand mit Ablagefach aber serienmäßig ohne Instrumente. Foto: Dieter Wanke

Einfach und blau: Der Steuerstand an Steuerbord hat serienmäßig zwar ein Ablagefach, aber keine Instrumente. Foto: Dieter Wanke


Auch mit wenig Power gut bestückt
Führerscheinlose Einsteiger dürften den am Testboot montierten Basismotor Mercury F 15 ELPT attraktiv finden. Der Zweizylinder-Viertakter mit 350 Kubikzentimetern Hubraum ist mit Elektrostarter und Powertrimm ausgestattet und zum Listenpreis von 3.850 Euro erhältlich. Damit bleibt das Boot in der Grundausstattung samt Antrieb immer noch unter der 8000-Euro-Marke. Wer über eine Fahrerlaubnis verfügt und auf größere Geschwindigkeiten Wert legt, kann aber auch Langschaft-Außenborder mit bis zu 36,8 kW (50 PS) ans Heck der Remus 450 Open schrauben.




Energievorrat: Batterie und tragbarer Tank sind unter der Rücksitzbank verstaut. Foto: Dieter Wanke

Energievorrat: Batterie und tragbarer Tank sind unter der Rücksitzbank verstaut. Foto: Dieter Wanke


Aber selbst mit dem montierten 15er überraschte das handliche Boot mit erstaunlichem Leistungsvermögen, denn der leichte Rumpf kam schon bei 11 Knoten ins Gleiten. Mit einer zweiten Person, die für eine bessere Gewichtsverteilung vorne im Cockpit saß, war diese Geschwindigkeit schon nach 10 Sekunden erreicht und auch mit einer dreiköpfigen Familie war die Gleitfahrt problemlos machbar. Ohne Drehzahlmesser konnten keine genauen Zwischenwerte ermittelt werden, doch bei Vollgas schaffte das Boot in Gleitfahrt immerhin 14,3 Knoten. Wenn allerdings zwei Erwachsene auf der hinteren Sitzbank saßen, waren lediglich 7,2 Knoten bei Verdrängerfahrt drin. Verbrauchsmessungen des Testmotors an vergleichbaren Booten zeigten bei Vollgasfahrt einen Konsum von rund 5,5 Litern Benzin pro Betriebsstunde an. Mit dem mitgelieferten 25-Liter-Tank wären also unter Berücksichtigung einer etwa 15-prozentigen Reserve knapp vier Stunden Fahrt bei Dauervollgas möglich.




Besser ausgewogen: Bei geringer Motorisierung empfiehlt es sich, den Gewichtstrimm nach vorne zu verlagern, um die Gleitfahrt einzuleiten. Foto: Dieter Wanke

Besser ausgewogen: Bei geringer Motorisierung empfiehlt es sich, den Gewichtstrimm nach vorne zu verlagern, um die Gleitfahrt einzuleiten. Foto: Dieter Wanke


Die Remus 450 Open war  mit dem getesteten 15-PS-Motor natürlich keineswegs am Limit, es war daher auch nicht möglich, gravierende Mängel im Fahrverhalten festzustellen. Bei intensiver Kurvenfahrt kam sogar mehr Fahrspaß auf, als in dieser Bootsgröße bzw. Leistungsklasse gemeinhin erwartet werden darf. Die hohen Bordwände vermittelten der Besatzung beim Test stets ein hohes Sicherheitsgefühl. Auch das Manövrieren im Hafen fiel bei Standgas und eingekuppeltem Propeller mit 1,4 Knoten leicht. Das Boot ist nach CE-Kategorie C eingestuft, eignet sich also auch für die küstennahe Fahrt auf dem Meer mit bis zu fünf Personen an Bord und maximalen Wellenhöhen von zwei Metern bei einer Windstärke von höchstens sechs Beaufort.


Einfach, universell, erschwinglich
Wer sich ein Einstiegs- oder Zweitboot mit Mehrfachnutzen wünscht, ohne dabei gleich das Familienerbe plündern zu wollen, sollte die Remus 450 Open auf dem Radar haben. Selbst wer das sehr einfach gehaltene Vehikel mit einigen sinnvollen Optionen aufrüsten möchte, kann dies ohne Preisschock tun. Qualitätswunder dürfen zwar nicht erwartet werden, aber die Verarbeitung kann für das Preisgefüge dennoch als ordentlich bezeichnet werden. Besonders beeindruckend waren die Fahrleistungen mit dem relativ schwachen, aber dadurch führerscheinfreien Mercury F 15 ELPT, womit die Remus 450 Open besonders für Einsteiger eine interessante Alternative darstellt.




Der Durchgang zum Bugbereich liegt an Backbord, der eingerollte Bimini ist aufpreispflichtig. Foto: Dieter Wanke

Der Durchgang zum Bugbereich liegt an Backbord, der eingerollte Bimini ist aufpreispflichtig. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten Remus 450 Open
Länge: 4,50 m
Breite: 1,95 m
Tiefgang: 0,20 m (ohne Motor)
Leergewicht: 300 kg (ohne Motor)
Baumaterial: GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 5
Motorisierung: Außenborder mit Langschaft bis zu 36,8 kW (50 PS)
Motor im vorgestellten Boot: Mercury F 15 ELPT, Leistung 11 kW (15 PS), Zylinderzahl: 2 in Reihe,  Hubraum: 351 cm3, Nenndrehzahl: 5400 min-1 bis 5600 min-1
Grundpreis ohne Motor 3.990 Euro
Grundpreis Testboot mit Mercury F 15 ELPT: 7.840 Euro


Messung Schall + Fahrt mit Mercury F 15 ELPT mit 11 kW (15 PS)


Bildschirmfoto 2015-10-05 um 4.43.26 PM


Revier: Kölpinsee, Crew 2 P., Messung: GPS, Wasser 20° C, Luft; 24° C, Wind: 1 Bft, See 1, Tanks: Benzin 10 l.


Werft
Remus Boats
Ul. Gdanska 33C
89-604 Chojnice
Polen


Importeur für Deutschland und Lieferant des Testbootes
Bootsoutlet.de
Schwenziner Str. 2
17192 Waren (Müritz)

Anzeige