Als die junge Designerin Marion Excoffo ihren Vater vergeblich bat, sich seine 30-Fuß-Yacht für Segeltouren ausleihen zu dürfen, machte sich die kreative Französin selbst ans Werk, denn sie wollte ja trotzdem segeln. Ihrem knappen Budget angemessen entwarf die junge Dame ein kleines Segelboot mit der Unterstützung durch den erfahrenen Designerkollegen Antoine Fritsch. Zwei Jahre lang wurde getüftelt, probiert und entwickelt, dann war sie fertig, die Tiwal 3.2. Und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen und segeln lassen.

Nah am Wasser: Unterwegs mit der Tiwal 3.2, einer aufblasbaren Segeljolle aus Frankreich

Nah am Wasser: Unterwegs mit der Tiwal 3.2, einer aufblasbaren Segeljolle aus Frankreich



Die Konstruktion ist aufblasbar, daher leicht zu lagern und zu transportieren, dazu kinderleicht zu bedienen und hat neben erheblicher Aufmerksamkeit zu Land und zu Wasser inzwischen auch mehrere Preise eingeheimst. In den USA wurde sie zum Beispiel vom Magazin "Sailing World" zum "Boat Of The Year 2014" in der Kategorie Innovation gekürt und in Deutschland bekam sie den Designpreis "Red Dot".

Ein Boot in zwei Taschen


Das 3.20 m lange Boot wird in zwei handlichen 1,5 m langen Packsäcken geliefert wird womit sowohl Aufbewahrung als auch Transport denkbar einfach sind: Alles passt in den Keller oder eine Garage bzw. in den Kofferaum eines Kleinwagens (mit umklappbaren Rücksitzen). Das spart ziemlich gutes Geld und etliche Annehmlichkeiten. Für das Handling der jeweils über 25 Kilogramm schweren Verpackungseinheiten ist etwas Hilfe allerdings nützlich. Einsatzfertig ist die Tiwal 3.2 in etwa 25 Minuten, ohne Werkzeug und Assistenz. Der Bootskörper mit zwei Luftkammern ist ähnlich aufgebaut wie ein aufblasbares Stand-Up-Paddling-Board, nur deutlich voluminöser. Wer die doppelwandige PVC-Hülle nicht per Muskelkraft aufpumpen will, sollte gleich die elektrische Luftpumpe aus dem Zubehör mit bestellen, das erleichtert und beschleunigt den Vorgang.

Luft marsch! Mit elektrischer Pumpe geht es noch flotter. Foto: Dieter Wanke

Luft marsch! Mit elektrischer Pumpe geht es noch flotter. Foto: Dieter Wanke



Das Konstrukt macht einen sehr soliden Eindruck und ist mit 0,8 bar gefüllt erstaunlich stabil. Es folgt die Montage des Hilfsrahmens aus Aluminium-Rohren, der mit dem aufgeblasenen Grundkörper mittels Klettband verbunden wird. Alle Teile passen perfekt ineinander, somit kann man gleich zur Montage von Ruderblatt und Steckschwert übergehen. Dann noch den aus zwei Kohlefaser-Rohern zusammengesteckten Mast mit dem gut geschnittenen Dacron-Mylar Großsegel von North Sails stellen und es kann losgehen.

Auf- und Zuammenbau: Der Rumpf mit Alurahmen und bereitgelegtem Segel, Foto: Dieter Wanke

Auf- und Zusammenbau: Der Rumpf mit Alurahmen und bereitgelegtem Zubehör. Foto: Dieter Wanke


Segelt wie eine richtige Jolle


Praktisch für Einhand-Segler: Im Zubehör des Herstellers gibt es einen zerlegbaren Slipwagen, um das 50 Kilogramm leichte Gefährt auch alleine wassern zu können. Die maximal zulässige Nutzlast von 180 Kilogramm erlaubt es entweder zwei Erwachsenen oder einem Erwachsenen samt zwei Kindern die Tiwal gemeinsam zu segeln. Mit 5,20 oder 7,00 Quadratmetern werden zwei Segelgrößen angeboten, wobei der Mast für die größere Version ein längeres Oberteil erhält. Zugelassen ist die Tiwal 3.2 nach der CE-Kategorie D, das heißt, das Boot ist nur auf geschützten, küstennahen oder auf Binnengewässern bis Windstärke 4 und einer maximalen Wellenhöhe von 30 Zentimetern einsetzbar.

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Da bei unserem Test weder Wind noch Wellen im Überfluss vorhanden waren, wurde gleich das größere Segel gesetzt. Ein Segelwechsel ist aber, falls nötig, in nur wenigen Minuten erledigt. Etwas überraschend setzt sich das Boot auch schon beim kleinsten Lufthauch in Bewegung. Nicht viele besegelte Schlaucher schaffen dies. Auch kleine Ausschläge mit der Pinnensteuerung wurden schon bei Schleichfahrt sofort in Richtungsänderungen umgesetzt. Bei etwas mehr Geschwindigkeit könnte hier eine sensible Hand nötig sein. Leider war der Ausleger bei dem wenigen Wind oft im Weg, weil er nicht gebraucht wurde und eine einfache Halterung zum Festsetzen am Pinnenrohr fehlte. Das wäre auch ohne großen Aufwand zu beheben, im Notfall mit einem Kabelbinder aus Klettband. Auf Gewichtsverlagerungen reagiert das kleine Boot empfindlich, aber das ist bei Konstrukten dieser Art und Größe durchaus zu erwarten. Auf die Leinenführung muss allerdings geachtet werden, um die Bildung einer manöverbehindernden Wuhling zu vermeiden. Die Rahmenkonstruktion aus Aluminium bietet den Passagieren guten Halt, was auch nötig ist, denn sobald es etwas aufbrist, legt die Tiwal einen Zahn zu. Wie sich das bei stärkeren Wind und Seegang anfühlen mag, war am Testtag leider nicht zu erproben. Doch das Boot ist solide gebaut und sollte auch mit anspruchsvolleren Verhältnissen gut klar kommen.

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Beliebte Anwendung: Als Wasserspielzeug auf Charteryachten


Für Junge und Yachten


Wer das spritzige Vergnügen mit der Tiwal 3.2 genießen möchte, muss mit deutschem Mehrwertsteuersatz mindestens 5.444 Euro für das Boot mit dem kleineren Segel ansparen. Das größere Segel kann bei Bedarf auch später nachgekauft oder gleich zum Gesamtpreis von 6.475 Euro mit bestellt werden. Zu beachten: Das Tragen einer Feststoffschwimmweste istauf einer kleinen Jolle wie der Tiwal 3.2 für alle ratsam, für Kinder sogar Pflicht. Und bei niedrigeren Temperaturen gehört ein Neopren-Anzug zur richtigen Adjustierung. Außer als preiswertes Spaßboot für Jugendliche und Einsteiger ist die Tiwal durch ihre relativ kompakten Staumaße auch als Dingi auf größeren Segelyachten einsetzbar. Wasserscheu sollte man allerdings nicht sein, denn Bordwände gibt es nicht, womit man mit den Elementen schnell auf Tuchfühlung geht. Aber das gehört zum Spaß auf kleinen Booten ja meist dazu.

Die Tiwal 3.2 reist im Auto mit und wohnt dabei in zwei Packtaschen. Foto: Dieter Wanke

Die Tiwal 3.2 reist im Auto mit und wohnt dabei in zwei Packtaschen. Foto: Dieter Wanke



Technische Daten Tiwal 3.2
Länge: 3.20 m
Breite: 1.60 m
Segelfläche: 5.40 m² / 7.00 m²
Gesamtgewicht: 50 kg
Maximale Beladung: 180 kg (1 Erwachsener oder 2 Erwachsene oder 1 Erwachsener und 2 Kinder)
Größe der Transporttaschen jeweils: 150 x 40 x 35 cm
CE-Kategorie: D
Grundpreis: 5.444 Euro mit 5.40 m² Segel

Hersteller
Tiwal SAS
Le Prisme – CP
111Place Albert Einstein Parc d’Innovation Bretagne Sud
56038 Vannes cedex
Frankreich

Händler für Deutschland
Bavaria-Boote Bösch
Im Gewerbegebiet 12
83093 Bad Endorf

Cata West
Am Höfgen 18
42781 Haan

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