Das Wakesurfen ist die eigentliche Domäne des neuen Volvo Penta Forward Drives, den die Firma unlängst auf der Miami International Boatshow vorgestellt hat und dafür auch prompt einen Innovationspreis verliehen bekam. Es handelt sich dabei um einen Z-Antrieb mit nach vorne ausgerichteten Propellern, ähnlich wie denen der Pod-Drives. Das angeblich in weniger als einem Jahr entwickelte System vereinigt die Ideen des IPS und Duoprops in einen „ziehenden” Antrieb, der die Propeller etwa 50 cm weiter vorne unter dem Bootsrumpf platziert.




Props vorne: Der neue Forward Drive von Volvo Penta

Props vorne: Der neue Forward Drive von Volvo Penta


Damit ist es unwahrscheinlich, dass ein Wakesurfer bei einem Sturz in die Schraube gerät und sich dabei schwer verletzt, besonders wenn das Boot mit einer Schwimmplattform ausgerüstet ist. In Miami haben die Werften Bryant, Four Winns und Cobalt Boote mit dem neuen Antriebssystem vorgestellt, während andere sich noch in der Testphase befinden.


Wakesurfing, also das Reiten der Heckwelle eines langsam fahrenden Motorbootes ohne Zugseil, ist ein Sport, der schon seit Generationen betrieben wird. Doch in den vergangenen Jahren fand so etwas wie eine Renaissance statt, die auch von den Herstellern von Zugbooten mit Innenbordantrieben und von Wellenbrettern mitgetragen wurde. Werften, die Boote mit Z-Antrieb im Programm hatten und mit aufgeschraubten Tower auf den Zug des Wakeboardings (mit Zugseil) aufspringen konnten, waren beim Wakesurfing außen vor, einfach weil die Nähe des Sportlers zu Antrieb und Propeller zu gefährlich gewesen wäre. Dieses Problem sollte der Forward Drive nun lösen.




Cobalt 24 SD: Eines der Boote, die mit Forward Drive zu haben sein werden.

Cobalt 24 SD: Eines der Boote, die mit Forward Drive zu haben sein werden.


Die untere Antriebseinheit ist etwas kleiner als ein IPS1 und ist direkt an einen Duoprop-Mittelteil angebolzt. Anders als ein Innenborder hat der Forward Drive Trimmoptionen, die sich für eine größere Heckwelle nutzen lassen. Die Abgase werden außerdem unter Wasser abgegeben, womit die Brettsportler hinter dem Boot etwas bessere Luft atmen. Dieser Antrieb wird mit Motoren zwischen 200 und 430 PS angeboten, wobei Volvo glaubt, dass die oberen PS-Regionen (300-430) bevorzugt werden dürften. Es wurden auch speziell neue gegenrotierende Propeller der K-Serie entwickelt und Volvo gibt an, dass der Forward Drive etwa 10 Prozent mehr kosten werde als der herkömmliche Duoprop Sterndrive.




Forward Drive mit Powertrimm: Die richtige Welle für jeden - sagt Volvo Penta.

Forward Drive mit Powertrimm: Die richtige Welle für jeden - sagt Volvo Penta.


Der auffälligste Nachteil, der bisher festzustellen war, ist, dass dieser Antrieb nicht so weit hochgeklappt werden kann, wie ein normaler Z-Antrieb. Bei maximalem Anstellwinkel sind die Propeller immer noch etwa 30 cm tiefer als der Kiel des Bootes. Das Auffahren auf einen Sandstrand oder der Betrieb in extrem seichtem Wasser dürfte damit schwieriger werden. Es dürfte auch eines modifizierten Anhängers brauchen, auf dem das Boot mit dem Heck etwas höher liegt und der über eine spezielle Ausnehmung für den Antrieb verfügt. Volvo sagt, dass der Forward Drive keine Vor- oder Nachteile bei der Leistung bringt und dass Treibstoffverbrauch, Geschwindigkeit und Beschleunigung mit dem Duoprop vergleichbar seien. Ausgenommen die Rückwärtsfahrt: Da bietet der Forward Drive mehr Schub und Kontrolle, weil die Propeller nicht von Abgasverwribelungen in ihrer Wirkung gestört werden.


Wir konnten einen Prototyp des Antriebs auf einem 23-Fuß-Runabout mit etwas Wasserballast und normaler Zuladung testen. Ein kompetenter Wakesurfer ritt auf der Heckwelle ohne Mühe während das beladene Boot mit etwa 12 Knoten unterwegs war. Leichter beladen verhielt es sich wie ein Z-Antrieb, doch mit einem markanten Unterschied: Der Schub liegt in den Kurven scheinbar weiter vorne, womit sich das Boot bei engen Radien eher anfühlte wie eines mit Innenborder. Eigentlich könnte man es, wenn man wollte, auf den Kanten ums’s Eck fahren, wie ein Jetboot, ganz ohne Trimmeinstellungen,denn die Propeller bleiben tief im Wasser und damit weit weg vom Kielwasser.


Wem dies noch ein spanisches Dorf ist, kann hier eine kurze Wakesurfing-Vorstellung hinter einer Four Winns TS 222 bewundern, die schon mit dem neuen Antrieb ausgestattet ist.



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Man wird sehen müssen, wie die verschiedenen Werften den Forward Drive nutzen und welche der Meinung sind, dass Wakesurfing Grund genug ist, ein neues Runabout zu konstruieren. In Miami hat Four Winns sein TS 222 mit dem Forward Drive gezeigt, ein Runabout mit neuem Rumpf und Details, die laut Firma speziell fürs Wakesurfing entwickelt wurden. Bryant hat den Forward Drive erfolgreich im 233X Zugboot installiert und arbeitet bereits an neuen Modellen mit speziellen Rumpfformen fürs Wakesurfing. Cobalt sagt, man sei zufrieden mit der Performance des Forward Drive im 24 SD WSS und plant, den Antrieb vorerst als Option anzubieten.

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