Viele Hersteller bringen sogenannte Mark II-Versionen ihrer Topmodelle heraus, um ein bisschen mehr Rendite aus ihren Investitionen in Rumpfformen und Innendesign zu holen. Die Xc 45, ein erprobte Blauwasseryacht, wurde zum Beispiel 2007 vorgestellt trägt aber in ihrer aktuellen Reinkarnation Fahrtensegler zu den entferntesten Ankerplätzen, doch nun mit mehr Stil und Komfort. Bei X-Yachts steht das “c” in der Typenbezeichnung bekanntlich für Cruising und as “p” für Performance-Boote, wobei 2016 eine dritte Baureihe von Crossover-Yachten (X4 und X6) dazukommt, die ohne zusätzliches Kürzel auskommt.

Viele Details der Xc 45, wie z. B. die Windschutzscheibe vor dem Cockpit verraten dien Charakter dieser Fahrtenyacht.

Viele Details der Xc 45, wie z. B. die Windschutzscheibe vor dem Cockpit verraten den Charakter dieser Fahrtenyacht.

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Rigg und Cockpit fürs Blauwasser Wie es der Anspruch einer Blauwasseryacht verlangt, ist das Cockpit der Xc 45 verhältnismäßig schmal und tief, was die Sicherheit auf offenem Wasser erhöht. Obwohl die beiden Steuerräder relativ nahe zueinander montiert sind, hat man außenbords sitzend und mit einer Hand steuernd einen sehr guten Blick nach vorne und unter der Genua hindurch. Die Yacht wird mit verschiedenen Vorsegelgrößen bestückt werden, entweder eine 94% Selbstwendefock eine kleine 108% oder eine große 140%-Leichtwindgenua. Aber das Solentrigg eröffnet auch andere Möglichkeiten, nämlich eine kleine aufrollbare Arbeitsfock am inneren Stag, und die große Genua für Raum und Halbwindgänge vorne am Bug anzuschlagen. Das 9/10-Rigg mit seinen drei gepfeilten Salingspaaren trägt eine Amwind-Segelfläche von 105 qm. Ein Bugspriet, der für einen Gennaker von Vorteil wäre,kann wahlweise geordert werden, doch das Rodrigg ist auf der Xc 45 serienmäßig. Die Kontrollleinen werden verdeckt nach achtern geführt, wobei Andersen Winschen am Kajütdach neben dem Niedergang für die Bedienung der Fallen und Reffleinen montiert sind. die kleine Windschutzscheibe ist nicht nur gut für den Schutz der Crew bei rauer See, sondern auch ein verschmitztes Zitat eines Designmerkmals, das von schwedischen Nobelyachten der Marke Hallberg-Rassy bekannt ist.

Fahrtengerechtes Cockpit mit Badeplattform, Staufach für die Rettungsinsel und einer Halterung für den Heckanker.

Fahrtengerechtes Cockpit mit Badeplattform, Staufach für die Rettungsinsel und einer Halterung für den Heckanker.



Das geteilte Achterstag erleichtert das Anbordgehen wobei der mittlere Teil des Heckspiegels manuell nach unten geklappt wird, womit eine Schwimmplattform entsteht, aber auch ein Durchgang ins Cockpit selbst. Der faltbare Cockpittisch, der sich sowohl als Fußstütze unterwegs als auch als Esstisch an lauen Abenden bewährt, lässt sich mit wenigen Handgriffen ausklappen. Die Instrumentierung auf dem Testboot stammte von Raymarine und war an beiden Steuerständen installiert. Die Anzeigen für den Motor der Ganghebel und die Bedienung des Bugstrahlruders gab’s allerdings nur an Steuerbord. Ebenfalls positiv: man konnte sich mit Leichtigkeit zwischen den beiden Steuerständen bewegen ohne je die Hand vom Steuer zu nehmen. Flotte Beine für eine Fahrtenyacht Bei Flachwasser und 14 bis 16 Knoten Wind zeigte die Xc 45 beim Test auch gleich wo der Hammer hängt. Eine Geschwindigkeit von acht Knoten oder mehr lagen regelmäßig auf der Logge an, wobei der gesegelte Kurs fast keine Rolle spielte und das Boot jeweils federleicht am Ruder lag. Auffallend auch die engen Wendewinkel und die Fähigkeit, die Geschwindigkeit auch während des Bugwechsels aufrecht zu halten. Das sind gute Nachrichten für alle, die auch gern mal um die Bojen segeln, oder unterwegs auf Langfahrt auch wirklich Meilen machen wollen. Setzt man den etwa 185 qm großen Tourenspinnaker, der uns beim Test leider nicht zur Verfügung stand, dürften zweistellige Geschwindigkeiten wohl keine Hexerei sein. Der relativ schlanke Rumpf der Xc 45 segelt besonders am Wind komfortabler als breitere, flachere Performance-Boote und bietet in der Tiefe auch viel Volumen das für zusätzlichen Stauraum und mehr Tankvolumen für den Offshorebetrieb (440 l Diesel, 615 l Wasser) genutzt wird. Ein integrierter Stahlrahmen nimmt die Riggkräfte des auf dem Kiel stehenden Masts auf. Motor, Tanks und Batterien sind bewusst so eingebaut, dass der Schwerpunkt tief gehalten wird. All dies hindert den 75-PS Yanmar-Diesel nicht, dem Boot auch ohne Wind tüchtig Beine zu machen, 8,5 Knoten bei 3000 Umdrehungen und flachem Wasser sind ein sehr guter Wert.

xc45_reach_sm Raumschots ist die Xc 45 ein Genuss, am besten mit großer Genua oder wahlweise einem Gennaker, der an einem Bugspriet angeschlagen werden kann.

Raumschots ist die Xc 45 ein Genuss, am besten mit großer Genua oder wahlweise einem Gennaker, der an einem Bugspriet angeschlagen werden kann.



Zweckdienlich eingerichtet Die Innenausbauten auf modernen Fahrtenschiffen sind heute zumeist auf die Maximierung des Volumens ausgelegt und komfortables Leben im Hafen oder am Anker, daher auch die hochbordigen Rümpfe. Aber auf Yachten wie der Xc 45, die für das Reisen ausgelegt sind, wird schnell deutlich, dass nicht alles was im ruhigen Hafen wünschenswert ist, auch fürs offene Wasser taugt. Mit knapp 4,30 m Breite ist das Schiff für seine Größe, wie oben angedeutet, relativ schmal, was aber alles andere als ein Nachteil ist. Heißt es fährt am Wind vorwärts und man findet leicht punkte, um sich festzuhalten oder abzustützen wenn es mal härter zur Sache geht und das Schiff stärker krängt. Da sind zum Beispiel praktische Handläufe die seitlich am Kajütdach angebracht sind und auf der gesamten Länge sicheren Halt bieten. Die L-förmige Galley befindet sich an Backbord direkt am Niedergang , womit sehr schnell und einfach Verpflegung an die Wache im Cockpit gereicht werden kann, ohne dass der Smut sich zu sehr von seinem Arbeitsplatz entfernen müsste. Es gibt große Arbeitsflächen aus Corian, die alle sauber mit Schlingerleisten abgeschlossen sind. Wenn der große Hunger gestillt werden muss, kann der Koch auf dem dreiflammigen Eno-Herd auch mehrere Pötte gleichzeitig am Feuer haben. Kühl- und Gefrierfach hingegen sind von oben zugänglich, womit die kalte Luft auch nicht entweicht. Zusätzlich gibt es für häufiger gebrauchte Zutaten, wie z. B. Butter auch einen kleinen Kühlschrank mit Tür. Pütt und Pänn verschwinden allesamt in sanft schließenden Laden und Kästen.

Funktionell Kochen in der Kombüse beim Niedergang. Es gibt genug Arbeitsflächen und Stauräume darunter.

Funktionell Kochen in der Kombüse beim Niedergang. Es gibt genug Arbeitsflächen und Stauräume darunter.



Größere Salonfenster, die sich auch öffnen lassen sorgen nun für mehr Licht in der guten Stube, wobei sich die gemütliche Runde um den Salontisch auf einem C-förmigen Sofa versammelt. Eine kleine Sitzbank mittschiffs bietet zwei zusätzlichen Gästen Platz zum Abendessen. Das zweite Sofa an Steuerbord eignet sich zum gemütlichen Lümmeln oder, mit einem Leesegel ausgerüstet, als Seekoje, denn vorn im Bug wird unterwegs wohl kaum jemand schlafen wollen. Traditionell-praktisch ist die nach vorne ausgerichtete Navi-Ecke an Steuerbord. Blauwassersegler werden dies besonders schätzen, auch wenn heute vielfach auf Multifunktions-Anzeigen im Cockpit navigiert wird. Sollte sich der Käufer für die Option einer zusätzlichen dusche im achtern WC entschließen, geht der Naviplatz allerdings verloren. Die meisten Cruising-Paare werden sich allerdings mit der Dusche im WC der Eignerkajüte begnügen und die hintere Toilette kompakt halten.

Raum zum Wohnen: Der Salon m it ausreichend en Sitzgelegenheiten für Crew plus Gäste, und strategisch platzierten Handläufen für Sicherheit bei schwerem Wetter.

Raum zum Wohnen: Der Salon m it ausreichend en Sitzgelegenheiten für Crew plus Gäste, und strategisch platzierten Handläufen für Sicherheit bei schwerem Wetter.



Die Eignerkabine im Bug hat eine mittig angeordnete Doppelkoje, einen zusätzlichen Sitzplatz, Stauraum in Kästen und das erwähnte Bad mit elektrischer Toilette und abgetrennter Dusche. Stauraum gibt’s allenthalben, u.a., auch unter der großen Koje. Das Testschiff war im Standardlayout mit zwei Achterkajüten konfiguriert, wobei auch eine Option mit Stau- bzw. Werkstattraum an Backbord achtern angeboten wird. Hellgebeizte Oberflächen aus Teak und eine weiße Vinylbeschichtung der Decke sowie die helle Polsterung sorgten auf dem getesteteten Boot für ein helles, freundliches Ambiente, was durchaus im Trend der Zeit liegt. Mehr natürliches Licht im Innenraum gibt es nun ebenfalls, dank der beiden Skylights im Kajütdach. Vorbei sind die Zeiten der dunklen Höhlenatmosphäre. Luxus für den langen Schlag Fast 200 Einheiten der ursprünglichen Xc 45 wurden gebaut, das heißt, es handelt sich um ein erfolgreichen Entwurf von Niels Jeppesen. Verbesserungen vorzunehmen, die auf den Vorschlägen der existierenden Kundschaft beruhen ist eine schlaue Art, diese Traditionsmarke frisch zu halten. Nach unserem Test des ersten Rumpfes der überarbeiteten Xc 45auf der Chesapeake Bay kann man mit ruhigem Gewissen sagen, dass Ehepaare, die auf der Suche nach einem seetüchtigen sicheren aber auch agilen Fahrtenschiff sind, das sich anfühlt wie ein Luxusauto, sollten sich diese Yacht vormerken.

Zwei Layoutvarianten stehen zur Wahl

Zwei Layoutvarianten stehen zur Wahl



Spezifikationen Xc 45 Rumpflänge: 13,86 m LWL: 12,76 m Breite: 4,32 m Tiefg. (seicht/std.) 1,8 m/2,2 m Ballast: 6 t Verdr. (leicht): 13,2 t Großsegel: 61,3 m² Stagsegel: 31,8 m² Genua 108%: 50,7 m² Genua 140%: 65,3 m² Selbstwendefock 94%: 44,1 m² Spinnaker: 180 m² Motor: 55 kW/75 PS Yanmar Diesel Treibst.: 440 l Wasser: 615 l Anz. Kajüten: 2/3 Designer: Niels Jeppesen CE-Kategorie: A Preis: ca. 550.000 Euro (segelfertig, inkl. MwSt.) Werft X-Yachts  Fjordagervej 21 6100 Haderslev Dänemark

Vertretung Deutschland X-Yachts Deutschland Fördepromenade 4 B 24944 Flensburg


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