Finnische Werften setzen bei ihren Konstruktionen gern auf Rümpfe aus Aluminium mit GFK-Decksschalen, weil solche Boote pflegeleicht und nahezu unverwüstliche sind. Nach diesem Prinzip ist auch die neue XO 250 Open aufgebaut, ein Produkt der 2009 ins Leben gerufenen Marke XO Boats, die zur EM Group Oy in Finland gehört.  Entwickelt wird in Helsinki, gefertigt in Ähtäri. Die XOs bestehen aus einer seewasserbeständigen Legierung, die ohne Festigkeitsverlust geschweißt werden kann. Die Materialstärken sind beeindruckend: Im Kiel sind es acht Millimeter in den Bodenplatten fünf und die Seitenwände noch vier Millimeter. Das Laminieren und die Montage der GFK-Teile erledigt Mirage-Boats im polnischen Augustów, die für Qualitätsarbeit bekannt ist und hier auch ihre Eigenmarken Mirage, Nordkapp und Seafarer baut.




Auch am ruhigen Bodensee gab es Gelegenheit, die Wellenkünste der XO 250 auszuloten. Foto: Dieter Wanke

Auch am ruhigen Bodensee gab es Gelegenheit, die Wellenkünste der XO 250 auszuloten. Foto: Dieter Wanke


Die neue XO 250 Open, das Nachfolgemodell der XO 240 RS Open, war schon bei ihrer Weltpremiere auf der Boot 2015 in Düsseldorf ein Hingucker und wurde von uns damals auch im Video vorgestellt. Nun hatten wir Gelegenheit, den finnischen Silberpfeil genauer unter die Lupe zu nehmen.  Ziel der Entwicklung war es, das Boot bei Beibehaltung seiner Charakteristik noch komfortabler und praxisgerechter zu gestalten, um den Spaß auf dem Wasser für eine Besatzung mit zwei bis vier Personen zu maximieren. Mit einem Gewicht von nur 1,25 Tonnen ohne Antrieb ist die XO 250 auch noch voll trailerbar, wenn der stärkste Außenborder angeflanscht ist, vorausgesetzt, das Zugfahrzeug ist für eine Anhängelast von mindestens zwei Tonnen zugelassen.




Cockopit mit Durchgang zu den Sitzgelegenheiten im Bug. Foto: Dieter Wanke

Cockopit mit Durchgang zu den Sitzgelegenheiten im Bug. Foto: Dieter Wanke


Spezielles Mobiliar für die Buckelpiste
In typischer Bowrider-Art ist der Bug der XO 250 offen und mit Sitzgelegenheiten ausgestattet unter denen sich sich Stauräume befinden. Die Bank an Backbord eicht dabei bis zum Bug, wo sie auch als Tritt für den Einstieg dient. An Steuerbord ist ein weiterer Einzelsitz vor der Steuerkonsole angebracht. Der Durchgang zum Cockpit erfolgt durch eine in der Mitte angebrachte GFK-Tür und die klappbare Windschutzscheibe, die in einem überaus robusten Rahmen sitzt. Nachteil: Die solide Konstruktion beeinträchtigt stellenweise auch die Sicht. Positiv: Ein stabiler Handlauf, der oben am Rahmen montiert ist, bringt Sicherheit bei bewegter See. Es folgen zwei neu gestaltete verstellbare Einzelsitze für den Fahrer und Beifahrer, die doppelt gut sind: Einerseits schonen sie durch ihren raffinierten Parallelogramm-Schwingungsdämpfer auch bei härterer Gangart und rauem Wasser das Rückgrat andererseits sind sie bequem verleihen aber auch besten Seitenhalt, der bei schnittiger Fahrweise nötig ist.




Alles für den Rücken: Fahrer und Beifahrer haben's auch bei holprigem Wasser  bequem auf den speziell gedämpften Sitzen. Foto: Dieter Wanke

Alles für den Rücken: Fahrer und Beifahrer haben's auch bei holprigem Wasser bequem auf den aufwändig gedämpften Sitzen. Foto: Dieter Wanke


Der Rudergänger blickt am Steuerstand auf eine neue Konsole mit verbesserter Ergonomie, die auch einen versenkbaren Kartenplotter aufnimmt und mit einer edlen, aber empfindlichen Nextel-Lackierung versehen ist. Die hintere Sitzbank wurde verbreitert und kann in eine große Liegefläche verwandelt werden, die sich über die gesamte Breite des Bootes ausdehnt. Unter der Konstruktion ruht auch das Klappverdeck, das bei Bedarf ausgeschwenkt werden kann. Einziger Kritikpunkt sind die wackeligen Scharniere der seitlichen Stützen an der Rückenlehne. Die Werft hat hier Abhilfe zugesagt, betätigt Importeur Martin Porath. Auch der Stauraum unter der Rückbank wurde überarbeitet. Hier kann jetzt zur Komfortverbesserung ein Kühlschrank installiert werden. Hinter der Rückbank folgt eine für Außenborder-Verhältnisse erstaunlich geräumige Badeplattform. Wenn’s zum Schwimmen zu kalt ist, das Boot aber dennoch genutzt werden soll, kein Problem: Einfach die mit Diesel betriebene Heizung als Zubehör bestellen.



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Kraft für Freude
Der Hersteller empfiehlt die Montage von Außenbordern mit mindestens 110 kW (150 PS), gut für Spaß, doch wer mehr möchte und es sich leisten kann, der kann die XO 250 mit  Antrieben bis 221 kW (300 PS) ausstatten. Am Testboot ist der futuristisch gestaltete Zweitakt-Außenborder Evinrude G2 E300XU mit der maximal zulässigen Leistung verbolzt, der durch seine weiße Lackierung farblich auf die weißen Folienbeschichtung des Rumpfes unseres Testbootes einwandfrei abgestimmt war. Der technisch aufwändige emissionsarme V6 mit dem ungewöhnlichen Zylinderwinkel von 74 Grad und einem Hubraum von knapp 3,5-Litern verfügt über eine Direkteinspritzung und Umkehrspülung. Trimm und Tilt sowie eine hydraulische Servolenkung gehören dabei zur Ausstattung. Der Schmierstoff wird durch eine gezielte Multi-Point-Öleinspritzung direkt an die nötigen Stellen gebracht.




Macht Musik: Der 300 PS stake V6 Zweitakter von Evinrude.  Bloß an den Sound muss man sich erst gewöhnen. Foto: Dieter Wanke

Macht Musik: Der 300 PS stake V6 Zweitakter von Evinrude. Bloß an den Sound muss man sich erst gewöhnen. Foto: Dieter Wanke


Wer den Hebel auf den Tisch legt, hat in nur vier Sekunden bei 2800 Umdrehungen und 12,2 Knoten die Gleitfahrt erreicht. Die Spitzengeschwindigkeit von 43,9 Knoten lieferte dieser spurtstarken Antrieb bei 5300 Umdrehungen nach 19 Sekunden, Dabei wurde allerdings der werksseitig angegebene Volllast-Drehzahlbereich von 5400 bis 6000 Umdrehungen nicht ganz erreicht, ein Umstand der mit  einer Propeller-Anpassung aus der Welt zu schaffen wäre. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Laufgeräusch des Evinrude, das sich deutlich vom gewohnten Sound der Viertakter unterscheidet.




Gut geordnet: Cockpit der XO 250 Open, wo Gashebeldisziplin auch mit mehr Reichweite belohnt wird.F oto: Dieter Wanke

Gut geordnet: Cockpit der XO 250 Open, wo Gashebeldisziplin auch mit mehr Reichweite belohnt wird.F oto: Dieter Wanke


Mehr Disziplin bringt mehr Meilen
Trotz der attraktiven Fahrleistungen bleibt der Evinrude beim Verbrauch im Rahmen: Bei Vollgas genehmigt er sich stündlich 89,4 Liter aus dem etwas knapp bemessenen 230-Liter-Tank. Viertakter mit gleicher Leistung auf vergleichbaren Booten können durchaus 20 Liter pro Stunde mehr verbrennen. Bei 3500 Umdrehungen liegt eine ordentliche Reisegeschwindigkeit von 25,9 Knoten an, bei einem Verbrauch von knapp 31 Litern pro Stunde. Die mögliche Reichweite (mit 15-prozentiger Reserve) beträgt rund 164 Seemeilen und schrumpft auf 133 Seemeilen, wenn man mit 36 Knoten bei 4500 Umdrehungen unterwegs ist. Die Gashebelgewohnheiten werden hier wohl von der Tankstellendichte des jeweils befahrenen Reviers diktiert.




Form fürs Grobe: Steile Aufkimmung des Rumpfes sorgt für gute Rauwassereigenschafte. Foto: Dieter Wanke

Form fürs Grobe: Steile Aufkimmung des Rumpfes sorgt für gute Rauwassereigenschafte. Foto: Dieter Wanke


Wie erwartet, zeigt der schnittige Rumpf mit seiner steilen Aufkimmung von 24 Grad exzellentes Fahrverhalten und taucht beim Überqueren von Wellen weich ein. Beim Beschleunigen ohne Auto-Trimm steigt der Bug etwas höher, was jedoch umgekehrt Aufschluss über die Wirksamkeit der Automatik zulässt. Das hohe Freibord sorgt dabei für für ein maximales Sicherheitsgefühl bei der Besatzung, die durch die raffinierten Stoßdämpfer unter den Sitzen auch bei kabbeligen Wasser zumindest im Steuerstand sehr komfortabel sitzt. Schnell gefahrene Vollkreise meistert die XO 250 Open innerhalb von nur 1,5 Bootslängen und auch beim langsamen Manövrieren oder dem Geradeauslauf gibt es beim Test keinerlei Anlass zur Kritik.




Flotte Gangart? Kein Problem für die XO250 Open mit ausreichend PS am Heck. Foto: Dieter Wanke

Flotte Gangart? Kein Problem für die XO250 Open mit ausreichend PS am Heck. Foto: Dieter Wanke


Gutes Geld für gute Ware
Wer “flott bei rau” weit oben stehen hat auf seiner Liste, schuldet sich einen Blick auf die XO 250, bei der auch vorzügliche Verarbeitung und robuste Bauart auf der Habenseite stehen, beides gute Omen für eine lange Lebensdauer bzw. guten Wiederverkaufswert. Ohne Motor und Frachtkosten ist ein Grundpreis ab 49 800 Euro fällig, der rasch bis ans obere Ende des fünfstelligen Bereichs wächst, sollte der getestete Evinrude G2 E300XU (26 449 Euro) plus diverses Zubehör aus der Optionsliste dazu bestellt werden. Betreffend Styling und Verbrauchswerte, scheint die getestete Kombination aus Boot und Motor ideal zu sein. Lediglich an die Laufgeräusche des Zweitakters müssten sich empfindlichen Ohren erst gewöhnen lernen. Wie das die gestrenge Jury bei der Wahl zum „European Power Boat of the Year 2016“ bewertet, für die die XO 250 Open nominiert ist, wird sich im Januar auf der Messe in Düsseldorf weisen. Man darf gespannt sein.




Eine hohe Bordwand und die weit nach achtern gezogene Windschutzscheibe sorgen für Geborgenheit im Cockpit. Foto: Dieter Wanke

Eine hohe Bordwand und die weit nach achtern gezogene Windschutzscheibe sorgen für Geborgenheit im Cockpit. Foto: Dieter Wanke


Technische Daten XO 250 Open 
Länge: 7,52 m
Breite: 2,28 m
Tiefgang: 0,90 m (Motor abgesenkt)
Leergewicht: 1250 kg (ohne Motor)
Durchfahrtshöhe: 1,60 m (2,75 m mit Targabügel und Lichtmast)
Baumaterial: Aluminium/GFK
CE-Kategorie: C
Zulässige Personenzahl: 8
Brennstofftank: 230 l
Motorisierung: Außenborder mit XL-Langschaft und einer Leistung ab 110 kW (150 PS) bis 261 kW (350 PS)
Grundpreis: 49 800 Euro ohne Motor und Frachtkosten
Einzelpreis Evinrude G2 E300XU: 26 449 Euro
Paketpreis mit Mercury Verado 300 inklusive Montage: 80 500 Euro zuzüglich Frachtkosten


Messung mit Evinrude G2 E300XU, Leistung221 kW (300 PS)


Bildschirmfoto 2015-11-01 um 7.24.43 PM


Revier: Bodensee bei Friedrichshafen, Besatzung: 2 Personen, Wasser 17 °C, Luft 18 °C, Wind 0 Bft., See: 0, Tank: Benzin: 100 l, (44%),


Werft
XO Boats Oy
Pulttitie 18
00880 Helsinki
Finnland


Importeur und Lieferant des Testbootes
Deufin Boote & Yachten
Martin Porath
Fritz-von-dem-Berge-Str. 12
21354 Bleckede

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