Segeln heißt: Fortbewegung mit der Kraft des Windes. Leise und sauber, doch selten in einer geraden Linie von A nach B.  Das ist gleich für alle Typen von Segelbooten und Yachten, egal, ob es sich dabei um kleine Dingis handelt, wie der aufblasbaren Tiwal 3.2, um Fahrtenschiffe mittlerer Größe, etwa einer Hanse 455, um rasende Rennyachten wie die Melges 40 oder gigantische Luxussegler wie z. B. A, die mit fast 140 Metern Länge die derzeit größte Segelyacht der Welt ist. Bei der Länge von Segelbooten, das neben bei, unterscheidet man zwischen Länge über alles (Lüa) und Lände der Wasserlinie (LWL), wobei diese beiden Werte speziell bei älteren Schiffen sehr verschieden sein können.

Wie aber lassen sich die vielen Arten von Segelbooten einteilen und voneinander unterscheiden? Für Anfänger klingt das alles reichlich kompliziert, doch mit ein bisschen Übung und mithilfe unseres Leitfadens sollte diese Aufgabe nicht schwer fallen.

Messer gewonnen, Trimarane geschlagen: Jungle Kitty mit dem innovativen Fahrradantrieb am Heck. Foto: Dieter Loibner

Eine traditionelle Kielyacht, auch Monohull genannt, auf Amwindkurs. Foto: Dieter Loibner

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Was definiert ein Segelboot?


Dazu eine Faustregel: Für die Definition und Kategorisierung von Segelbooten ist entscheidend was im Wasser schwimmt, was unter Wasser dran hängt und was über Wasser in den Himmel ragt. Im Einzelnen:

  • Rumpf: Das ist der Teil, der im Wasser schwimmt. Dabei kommt es in erster Linie auf die Anzahl der Rümpfe an, denn Segelboote können einen, zwei oder drei Rümpfe aufweisen.

  • Anhänge: Was unter dem Rumpf hängt. Darunter versteht man ein Schwert das in der Regel auf kleinen, leichten und schnellen Booten zum Einsatz kommt. Es ist zumeist profiliert und kann abgesenkt bzw. aufgeholt werden. Größere Boote weisen hingegen einen schweren Kiel auf, der zumeist aus einer fixen Stahlflosse besteht, mit zusätzlichem Bleiballast.

  • Rigg/Takelung: Was in den Himmel ragt. Dabei unterscheidet man nach der Konfiguration der Segel (z.B. Slup, Kutter) und der Anzahl der Masten.


An dieser Stelle gleich ein wichtiger Hinweis: Kleine, leichte und sportliche Boote, die einen Rumpf haben und mit Schwert ausgestattet sind, werden als Jollen bezeichnet, während größere Boote mit Kiel, besonders solche mit Kajüte, Yachten genannt werden.

Der Rumpf 


Boote können einen, zwei oder drei Rümpfe haben, die entweder aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK), aus Holz, aus Aluminium oder aus Stahl gebaut sind. Dabei unterscheidet man zwischen

  • Einrumpfboot

  • Katamaran (zwei Rümpfe) oder

  • Trimaran (drei Rümpfe)


Einrumpfer (auch Monohulls genannt) sind eher traditionell und daher auch am weitesten verbreitet. Größere Boote haben einen Kiel mit Ballast, der für aufrichtendes Moment, also Stabilität sorgt. Doch wer auf Performance Wert legt, wird sich zumindest Mehrrumpfboote (Multihulls) ansehen müssen. Sie sind gemeinhin leichter, weil sie keinen Ballastkiel haben, sondern Stabilität durch ihre viel größere Breite erhalten. Sie haben durch die schmalen Rümpfe auch weniger Reibungswiderstand, womit sie zumindest auf gewissen Kursen auch Performancevorteile für sich in Anspruch nehmen können.

Ein Katamaran bezieht seine Stabilität aus der Breite.

Ein Katamaran bietet nicht nur viel Platz durch seine große Breite, sondern segelt auch ohne starke Neigung zur Seite, weshalb dieser Bootstypus vor allem bei Charterurlaubern sehr beliebt ist.


Die Anhänge


Um seitliche Abdrift zu verhindern, die durch den Wind entsteht, braucht jedes Boot einen Anhang unter dem Rumpf, der dem Boot Stabilität gibt und der Auftriebskraft erzeugt mit der ein Segelboot wirksam vorwärts fahren kann. Vereinfacht gesprochen wird es quasi zwischen der Kraft des Windes, die auf das Segel wirkt und den lateralen Widerstand, der durch Schwert oder Kiel entsteht, nach vorne gedrückt, wie ein Kirschkern, den man zwischen den Fingern zusammenpresst, bis er rausflutscht. Bei den Anhängen unterscheidet man

  • Den Kiel, eine vertikale Finne, unter dem Boot, die auch Ballast enthält

  • Das Schwert, das aus einem flachen Profil besteht und in einem Schwertkasten aufgeholt und abgesenkt wird


Verschiedene Arten von Kielen


Neben dem Herstellen des seitlichen (lateralen) Widerstands trägt ein Kiel großes Gewicht an einem möglichst tiefen Punkt, wodurch sich ein Segelboot aufrichtet wenn es von der Kraft des Windes auf die Seite gelegt (gekrängt) wird. Dieses Phänomen lässt sich im weitesten Sinne mit dem Blei im Bauch eines Stehaufmännchens vergleichen. Gut konstruierte Kielboote mit einem großen aufrichtenden Moment gelten als unkenterbar, weil der Ballast sie auch dann noch aufrichtet, wenn sie 90 Grad oder mehr krängen. Der Nachteil: Sie müssen immer sehr viel Gewicht mit sich rumschippern und sinken im Falle eines katastrophalen Wassereintritts. Auch wenn Kiele seit Jahrhunderten bekannt sind, haben sie sich vor allem in der jüngsten Vergangenheit durch den technologischen Fortschritt stark weiter entwickelt, deshalb benennen wir hier die gängigsten Kielarten: 

Langkiel: Der wird so genannt, weil er sich über fast die gesamte Länge des Unterwasserschiffs erstreckt und das Ruder am hinteren Ende angehängt ist. Man sieht solche Kielkonfigurationen hauptsächlich auf traditionellen Segelyachten.  Der Vorteil langer Kiele ist die große Spurtreue beim Geradeaussegeln und guter Schutz bei Kollisionen mit Treibgut. Der Nachteil ist die große Fläche, die sich im Wasser befindet und die mehr Reibungswiderstand erzeugt, der das Boot langsamer macht.

Traditionell und robust: Fahrtenyacht mit Langkiel. Hat Vorteile bei Kollision mit Treibgut, ist aber durch die große benetzte Fläche langsam.  Foto: windpilot.com

Traditionell und robust: Fahrtenyacht mit Langkiel. Hat Vorteile bei Kollision mit Treibgut, ist aber durch die große benetzte Fläche langsam. Foto: windpilot.com



Flossenkiel: Moderne und leicht gebaute Segelyachten sind mit Flossenkielen bestückt, die deutlich tiefer gehen als Langkiele aber deswegen auch deutlich kürzer sind, womit gleich zwei Vorteile erzielt werden: Bessere Manövrierbarkeit und weniger Reibung, also mehr Geschwindigkeit.

Flügel- und T-Kiele: Durch das Hinzufügen von kleinen Flügeln oder sogenannten Winglets die ganz unten am Kiel seitlich hervorstehen, erzielen Konstrukteure mehr aufrichtendes Moment, ohne allzu viel Mehrgewicht. Ursprünglich wurden solche Kiele beim America’s Cup eingesetzt, doch auch Fahrtenyachten können davon profitieren, weil sie bei weniger Tiefgang besseres aufrichtendes Moment produzieren und weil Boote mit weniger Tiefgang auch in seichteren Gewässern segeln können. Bei T-Kielen sitzt eine lange Ballastbombe aus Blei am unteren Ende einer sehr schlanken Kielfinne. Das Ziel, das damit verfolgt wird, ist das Gewicht so tief wie möglich anzubringen, um den Kielhebel, also das aufrichtende Moment zu steigern, ohne den Tiefgang unnötig zu vergrößern. Bei größerem Hebel kommt ein Kiel auch mit weniger Gewicht aus, was einer Regattayacht bei Raumschot- und Vorwindkursen durch mehr Geschwindigkeit zugute kommt.

swan©nautorsswan

Zeitgeschichte: eine alte und eine neue Yacht der Swan-Werft hängen am Kran. Das moderne Boot (vorne) hat einen schlanken T-Kiel mit Ballastbombe, während das ältere noch einen traditionellen Flossenkiel aufweist.



Kimmkiel: Eine etwas seltenere Form, doch unendlich praktisch in Revieren mit großem Tidenhub oder im Watt, wo Yachten gerne auch trockenfallen, wenn das Wasser abgelaufen ist. Boote mit Kimmkielen stehen dann nämlich aufrecht am Grund, wohingegen solche mit normalen kielen auf der Seite liegen. Der Nachteil: Sehr viel benetzte Fläche (also Reibung) und weniger effektiv gegen seitliche Abdrift.

Trockengefallen: Eine Yacht mit Kimmkiel demonstriert die Vorteile dieser Kielart . Foto: sailboatcruising.com

Trockengefallen: Eine Yacht mit Kimmkiel demonstriert die Vorteile dieser Anhänge. Foto: sailboatcruising.com



Schwenkkiel/Hubkiel: Variabler Tiefgang ist für viele Segler interessant, weil damit nicht nur seichtere Häfen oder Buchten angelaufen werden können, sondern, weil damit auch die Notwendigkeit eines Krans entfällt, mit dem man das Boot sonst vom Anhänger ins Wasser und wieder heraus heben müsste. Dabei wird der Schwenkkiel ähnlich wie ein großes Mittelschwert an einem Drehpunkt aufgeholt bis er fast im Rumpf verschwindet, während Hubkiele vertikal hochgezogen oder abgesenkt werden, entweder mittels Hydraulik bei größeren Booten oder mechanisch mit einem Galgen und einer manuellen Winsch, wie bei kleineren und sportlicheren Booten üblich.

Schwenkkiel: Der Vorteil eines aufholbaren Kiels wird in dieser Zeichnung veranschaulicht.

Schwenkkiel: Der Vorteil eines aufholbaren Kiels wird in dieser Zeichnung veranschaulicht.



Neigekiel: Seit Mitte der 1990er Jahre werden Neigekiele auf Rennyachten eingesetzt, die sich mit einem hydraulischen Mechanismus fast bis zur Horizontalen nach Luv schwenken lassen, um so das aufrichtende Moment zu erhöhen. Der Vorteil dabei: Der Ballast muss nicht mehr so schwer sein wie bei herkömmlichen, starren Kielen, das heißt, das Boot ist leichter und schneller. Allerdings müssen derartig ausgestattete Yachten zusätzlich Schwerter führen, die der Abdrift entgegen wirken.

Im 21. jahrhundert angekommen: Die melges 40 mit Neigekiel, Steckschwert und Doppelruder

Rennyacht mit Neigekiel (weiß), Steckschwert und Doppelruder



Kielschwert: Wie der Name verrät, handelt es sich dabei um ein Hybrid zwischen beiden Anhängen. Genau genommen ist es eine Kombination aus aufholbarem Schwert und Ballast, der tief im Rumpf oder sogar an einem kleinen Kielstummel mitgeführt wird, wobei zusätzlich auch noch ein absenkbares Schwert zum Einsatz kommt.

Verschiedne Arten von Schwertern


Boote mit Schwertern sind deutlich leichter als Kielyachten und haben den Vorteil, dass das Schwert völlig eingeklappt oder hochgeholt werden kann, sodass sie kaum mehr Tiefgang aufweisen und bis in sehr seichtes Wasser segeln können. Ein zweiter Vorteil ist der Straßentransport auf einem kleinen Anhänger, der von einem PKW gezogen weden kann und das Wassern und Aufslippen an der Rampe, das Krangebühren spart. Schwertboote erhalten ihre Stabilität durch die Gewichtsverlagerung der Mannschaft nach Luv, entweder durch das Überbordhängen (Ausreiten) oder durch das sogenannte Trapez, das es der Crew gestattet, quasi außenbords zu stehen. Das heißt aber auch, dass Boote mit Schwertern sehr athletisch zu segeln sind und kentern können. Wie bei den Kielen gibt es auch verschieden konstruierte Schwerter, von denen wir hier die wichtigsten anführen:

 

Eine olympische Zweimannjolle der 470er Klasse. Die Crew steht bei viel Wind im Trapez, um dem Boot Stabilität zu verleihen. Das Schwert unter dem Boot ist im Wellenkamm sichtbar. Foto: World Sailing/Daniel Forster

Eine olympische Zweimannjolle der 470er Klasse. Die Crew steht bei viel Wind im Trapez, um dem Boot Stabilität zu verleihen. Das Schwert unter dem Boot ist im Wellenkamm sichtbar. Foto: World Sailing/Daniel Forster



Drehschwert: Solche Schwerter sind an einem Bolzen im Schiffsboden befestigt und werden mittels einer Leine und einem System von Umlenkblöcken hochgeholt bzw. abgesenkt. Diese Art des Schwerteinbaus ist relativ aufwändig und man findet sie häufig auf älteren Konstruktionen.

Steckschwert: Noch einfacher ist diese Sache auf kleinen und sportlichen Booten wie Jollen oder Strandkatamaranen, auf denen flache, profilierte Schwerter ganz einfach von oben in den Schwertkasten gesteckt werden, und beim Aufslippen auch ebenso wieder hochgeholt werden.

Dieser Segler nutzt das Steckschwert seiner Jolle, um sich nach kenterung aus einer misslichen Lage zu befreien. Foto: blog.vivierboats.com:

Dieser Segler nutzt das Steckschwert seiner Jolle, um sich nach kenterung aus einer misslichen Lage zu befreien. Foto: blog.vivierboats.com:



Foiling-Schwerter: Seit einigen Jahren können leichte und schnelle Boote dank spezieller Schwerter die aus Kohlefaser gefertigt und wie ein L oder J geformt sind, quasi “fliegen”. Das heißt, der Rumpf wird durch die spezielle Form dieser Schwerter beim Beschleunigen komplett aus dem Wasser gehoben, womit sich der bremsende Reibungswiderstand drastisch reduziert und halsbrecherische Geschwindigkeiten von 60 km/h oder mehr erzielt werden können. Diese Art des Segelns wird "foilen" genannt und wird zum Beispiel von Moth Dingis genutzt, oder aber auch von extrem schnellen Katamaranen beim America’s Cup oder anderen internationalen Regattaserien.

Ein Katamaran im Foiling-Modus. die Schwerter sind aus Kohlefaser und so geformt, dass sie das Boot ab einer gewissen Geschwindigkeit aus dem Wasser heben.

Ein Katamaran im Foiling-Modus. die Schwerter sind aus Kohlefaser und so geformt, dass sie das Boot ab einer gewissen Geschwindigkeit aus dem Wasser heben.


Rigg- und Segelkonfiguration


Die Anzahl der Masten und die Position an Deck und die sich daraus ergebende Kombination der verschiedenen Segeltypen sind ein weiters Merkmal, an dem sich Segelboote voneinander unterscheiden lassen. Nachfolgend zählen wir die gängigsten Riggtypen auf, die für Freizeitboote relevant sind. Doch zuvor noch ein kurzes Wort zu den einzelnen Segeln, die dabei vorkommen:

  • Großsegel: Wird immer hinter dem Mast gefahren.

  • Vorsegel: Werden vor dem Mast gesetzt. Dabei unterscheidet man zwischen der Fock, einem kleinen bis mittleren Segel und einer Genua, einem großes Vorsegel das den ganzen Mast hinauf reicht und zumeist bei Leichtwind zum Einsatz kommt.

  • Raumschot und Vorwindsegel wie Spinnaker, Gennaker oder Code Zero, die raumschots (quer zur Windrichtung) oder auf Achterkursen (mit dem Wind) gesetzt werden.


Dazu eine Anmerkung: Moderne Boote und Yachten haben eine sogenannte Hoch- oder Bermudatakelung, das heißt, Großsegel und Vorsegel sind dreieckig geschnitten. Ältere Boote hingegen tragen oft noch ein traditionelles Gaffelrigg, das heißt zumindest das Großsegel ist viereckig, wobei die obere Kante an einer diagonalen Spiere, der Gaffel, angeschlagen ist.

Slup: Dies ist der gebräuchlichste Typus von Segelboot, der nur einen Mast hat, aber zwei Segel, Vor- und Großsegel. Modernere Slups haben verschiedene Typen von Vorsegel, die oben am Masttopp (also an der Mastspitze) angeschlagen sind oder ein Stück darunter. Größere Vorsegel wie Gennaker und Code Zero werden oft an einem Bugspriet angeschlagen, einer “Nase” die vom Bug aus nach vorne ragt, weil sie so mehr Segelfläche haben können.

 

Diese Alerion 30 Sport ist ein ein Beispiel für eine Slup. Man beachte den kleinen Bugspriet und den daran angeschlagene Gennaker, der auf Raumschotkursen ausgerollt wird.

Diese Alerion 30 Sport ist ein ein Beispiel für eine Slup. Man beachte den kleinen Bugspriet und den daran angeschlagene Gennaker, der auf Raumschotkursen ausgerollt wird.



Kutter: Dieser Typ sieht einer Slup zum Verwechseln ähnlich, doch der Mast steht oft ein wenig weiter hinten an Deck, damit Platz gewonnen wird für zwei Vorsegel, die hintereinander separat an Deck angeschlagen werden. Das größere (Fock oder Genua) vorne am sogenannten Vorstag, das kleinere (Stagsegel) achtern am Kutterstag. Diese Riggkonfiguration ist auf Fahrtenschiffen sehr beliebt, weil die Besatzung damit sehr flexibel ist und die Segelfläche den herrschenden Bedingungen sehr einfach anpassen kann.

Der Kutter Lizzie May unter Vollzeug. Ein Vorsegel wird am Bugspriet gefahren, das zweite dahinter ist an Deck angeschlagen. Foto: sail-lizziemay.com

Der traditionelle Kutter Lizzie May mit guter Fahrt. Ein "fliegendes" Vorsegel wird am Bugspriet gefahren, das zweite ist geradewegs am Bug angeschlagen. Foto: sail-lizziemay.com



Ketsch: Damit sind wir nun bei den Zweimastern. Eine Ketsch verfügt über einen Hauptmast vorne und einen kürzeren achtern, der Besan genannt wird. Der Vorteil dieser Konfiguration ist dem des Kutters ähnlich: Es ist leichter, die Segelfläche den Bedingungen anzupassen. Kleines, feines Detail: der Besan steht bei der Ketsch vor dem Ruder.

Große Ketsch unter Vollzeug

Vollzeug: Der Besanmast dieser großen Ketsch steht weit vor dem Heck. Wer genau hinguckt, sieht auch, dass die beiden Vorsegel wie bei einem Kutter hintereinander gesetzt sind.



Yawl: Sieht einer Ketsch zum Verwechseln ähnlich, also mit langem Haupt und kurzem Besanmast, doch steht Letzterer, anders als bei der Ketsch, hinter dem Ruder, was auch bedeutet, dass das Besansegel einer Yawl meist kleiner ist als das einer Ketsch.

Yawl-Takelung: Kleiner Besanmast, der weiter achtern steht

Yawl-Takelung: Kenntlich durch den kleinen Besanmast, der weiter achtern steht, womit das Besansegel deutlich über das Heck hinausragt.



Schoner: Das ist Tradition pur, viele berühmte Yachten mit mehreren Masten, wie zum Beispiel America, das Schiff, nach dem der America’s Cup benannt ist, tragen diese Art von Rigg. Die Anzahl der Masten variiert dabei von zwei bis sechs. Doch gemein ist allen, dass der Hauptmast, also der vorderste, kürzer ist als der (oder die) Besanmast(en). Viele der alten Schoner sind dabei noch mit einem traditionellen Gaffelrigg ausgestattet.

Der Schoner Isaac H. Evans vor der Küste von Maine. Schön zu sehen der Längenunterschied der beiden Masten.

Dampf drin: Der Schoner Isaac H. Evans vor der Küste von Maine. Man beachte den Längenunterschied der beiden Masten und die viereckigen Segel, die für gaffelgetakelte Schiffe typisch sind.



Katboot: Wer je ein Laser-Dingi gesehen oder gesegelt hat, weiß um diese super-einfache Riggart, die nur über einen Mast und ein Großsegel verfügt. Der Mast steht dabei weit vorne im Schiff. Der Vorteil: Das ist einfach, das ist billig. Der Nachteil: Wenig Varianz beim Anpassen der Segelfläche.

Ein Katboot mit einem Gaffelsegel Foto: Vinyard Times

Klassisch: Ein Katboot mit einem Gaffelsegel Foto: Vinyard Times


Nutzung von Segelbooten


Der Mensch segelt seit Urzeiten. Bis zum Aufkommen der Dampf und Verbrennungskraftmotoren im späten 19. Jahrhundert war es die einzige Art,  sich am Wasser effizient über größere Distanzen fortzubewegen und dabei auch Nutzlast mit zu führen. Am Anfang dürften die Ägypter gestanden haben, die ihre Schilfkanus mit gewobenem Tuch ausstatteten, um damit vor dem Nordwind gegen den Strom nilaufwärts zu segeln. Später wurden Segelschiffe zum Instrument der Globalisierung, die mit den Entdeckerreisen begann und der Etablierung von Handelsrouten, die irgendwann die gesamte Welt umspannten und bis heute genutzt werden.

Doch mit der Verbreitung der Verbrennungskraftmotoren verloren Segelschiffe jegliche kommerzielle Bedeutung, sodass sie heute eigentlich nur noch dem Freizeitvergnügen dienen, wie zum Beispiel zum Chartern oder Fahrtensegeln, für Wochenend- oder Tagestörns. Auch der Genuss-Schlag nach Dienst ist verlockend, besonders, wenn man direkt vom Büro an Bord gehen kann und innerhalb von wenigen Minuten unterwegs ist.

Ein beliebter Bereich des Freizeitsegelns ist der Wettkampf bei Regatten, die mit Booten aller Art ausgetragen werden, von der kleinen Kinderjolle Optimist bis hin zu High-Tech-Rennyachten oder auch Megayachten. Dabei wird auf Kursen gesegelt, die in Ufernähe rund um ausgelegte Bojen führen, oder aber auch Ozeane überqueren, bzw. rund um die Welt gehen, manchmal sogar ohne Stop. Die Besatzungsgröße variiert stark, von Einhandseglern, die mutterseelenallein unterwegs sind, bis hin zu Proficrews, die ein Dutzend oder mehr Segler umfassen können.

Diese Rennyacht nimmt am Vendee Globe teil, einem Einhandrennen das rund um die Welt führt. Solche Boote sind nun mit Neigekielen und zusätzlichen foilingschwertern ausgestattet, die den Rumpf bei schneller Fahrt aus dem Wasser heben. Foto: Vincent-Curutchet BPCE

Abgehoben: Diese IMOCA-Rennyacht nimmt am Vendee Globe teil, einem Einhandrennen das rund um die Welt führt. Solche Boote sind nun mit Neigekielen und neuerdings auch zusätzlichen Foilingschwertern ausgestattet, die den Rumpf bei schneller Fahrt aus dem Wasser heben. Foto: Vincent-Curutchet BPCE



Fahrtensegeln ist die vielleicht populärste Variante des Sports, die man je nach Lust und Laune, je nach Alter und Können und je nach finanziellen Möglichkeiten auf den verschiedensten Gewässern sehr individuell gestalten kann. Dabei bestimmt das Segelrevier (Ozean, See, küstennahe Gewässer) die Art des Bootes, das dabei zum Einsatz kommt.

Wie kauft man ein Segelboot?


Wer noch nie ein Segelboot erstanden hat, muss eine Reihe von Überlegungen anstellen, die den Kauf entscheidend beeinflussen. Größe des Bootes und Kaufpreis sind dabei wichtige, aber bei weitem nicht die einzigen Fragen, die der angehende Bootseigner zuerst für sich beantworten muss, bevor er auf die Suche nach dem geeigneten Vehikel geht. Wir empfehlen dazu einen Beitrag über die einzelnen Schritte, die beim Bootskauf generell zu beachten sind  und die Beantwortung der Grundsatzfrage, Welches Segelboot ist ideal für mich?

Vielleicht gleich noch ein Wort zum Budget, das für die meisten Käufer den Rahmen absteckt, in dem sich die Suche bewegt. Recherche ist das Zauberwort und die fällt heute im Zeitalter des Internets leichter denn je. Egal, ob es sich dabei um das Schiff, seine Ausstattung und den Kaufpreis handelt, den Sie bei boats.com über eine gezielte Suche sehr einfach und komfortabel für Tausende verschiedene Boote ermitteln können. Ebenfalls zu berücksichtigen sind andere Posten wie Liegeplatz (im Wasser, an Land), Versicherung, Wartung, Ausrüstung, anfallende Reparaturen und Winterlager. Anfänger werden wahrscheinlich zu allererst einen Segelkurs belegen wollen, nicht nur um praktische Kenntnisse für Manöver und kompetente Bootsführung zu erlangen, sondern auch um einen Segelschein zu erwerben.

Neu oder gebraucht?


Es ist eine Gretchenfrage, die jeder für sich entscheiden muss. Neukauf hat viele Vorteile, weil man genau das Boot bestellen kann, das man sich wünscht und sich dank der Werftgarantie wohl kaum Sorgen machen muss, wenn es anfangs Probleme geben sollte. Der Nachteil dabei: Sobald man ein neues Boot übernimmt, hat man ein gebrauchtes Boot, das in der Regel rasch mal an Wert verliert, wie es ja auch bei neuen Autos der Fall ist.<

Wer hingegen mit den Euros haushalten will oder muss, dem empfiehlt sich ein Blick auf unseren Gebrauchtbootmarkt für Segelyachten. Die Vorteile von Gebrauchtem liegen auf der Hand:Es gibt in der Regel mehr  Boot für weniger Geld. Ein Modell, das beispielsweise fünf Jahre alt ist, kann dabei gut 40 Prozent weniger kosten als der Neupreis. Zum Zweiten sind gebrauchte Boote zumeist auch kompletter ausgestattet als ein Neuboot, bei dem m,an für viele Extras auch extra bezahlen muss.
Die Nachteile, die man sich vergegenwärtigen sollte, sind der Zustand, den man auf jeden Fall im Rahmen einer Testfahrt überprüfen und sich zusätzlich vor dem Kauf von einem Gutachter bestätigen lassen sollte, und die Notwendigkeit gewisse Ausrüstungsgegenstände oder sogar die Segel ersetzen zu müssen, wenn sie nicht den Vorstellungen entsprechen. Und Garantie gibt es für Gebrauchtboote in der Regel keine.

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