Für die einen ist das Winterlager eine Zwangspause sie würden viel lieber noch segeln. Für die andere ist es die Gelegenheit, am Schiff zu werken längst fällige Überholungsarbeiten zu erledigen oder einfach alle Bastelprojekte umzusetzen, die schon seit Monaten oder Jahren auf die lange Bank geschoben wurden. Aber es gibt auch noch solche, die im Winterlager mit neuen Klubkollegen oder Hallennachbarn Kontakte knüpfen, bzw. bestehende Beziehungen erneuern. Nichts leichter als das, wenn man sich gegenseitig hilft. All dies kann bei der Wahl eines Winterliegeplatzes an Land wichtig sein, den Bootseigner in Mitteleuropa fast zwingend haben müssen.

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Perfekt ausgerichtet in perfekter Umgebung. Lagerhalle mit Booten, die im Winter überarbeitet wurden. Foto: boats.com/Loibner

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Dabei gibt es im Wesentlichen drei Optionen:


  • Lagerplatz im Schuppen oder in einer geheizten Halle

  • Stellplatz im Freien unter einer Plane

  • Stellplatz im Freien unter einem Zelt


Haben Sie den Liegeplatz schon längere Zeit oder beim Kauf des Schiffes mit übernommen, müssen wohl sehr wichtige Gründe vorliegen, ihn aufzugeben, bzw. zu wechseln. Wie zum Beispiel eine Preiserhöhung, die man nicht mitgehen will, umfangreiche Arbeiten, für die sich der alte Platz nicht eignet oder vielleicht weil man das Schiff in einem anderen Revier liegen haben will, das man in der nächsten Saison befahren möchte. Je weniger dabei am Boot gemacht werden muss, desto eher kann man auch auf eine beheizte Halle verzichten.

Und ja, auch die Möglichkeit, es in im Ausland wie etwa in Polen oder Estland während der Winterpause kostengünstig überarbeiten zu lassen, gibt es. Wer dabei gröbere Arbeiten am Zettel hat, wird für sein Boot auch fern des Stammhafens einen Winterstellplatz in einer Halle beanspruchen wollen, deshalb heißt es rechtzeitig voraus planen. Wer dabei eine Werft beauftragt, kann die Bootslagerung im Paket der Dienstleistungen mit vereinbart werden, aber das sollte vorher geklärt werden. Ansonsten biete sich noch die Lösung mit Schrumpffolie an, die oft auch beim Schiffstransport zum Einsatz kommt. Beliebt, weil effektiv und schnell, aber wohin damit im Frühjahr?  Am besten ins Recycling, das von manchen Dienstleistern auch angeboten wird.

Passgenau und schnell angebracht: Schrumpffolie auf einem eingewinterten Fahrtenkat. Foto: www.spezialbootsbau.de

Wer nichts zu tun hat, kann das Boot mit Schrumpffolie abdecken. Praktisch, schnell aber nicht unbedingt umweltfreundlich, wenn das Material nach Gebrauch nicht wieder verwertet wird. Foto: www.spezialbootsbau.de



Welcher Liegeplatz ist nun der beste? Auf den ersten Blick natürlich eine geheizte Lagerhalle, doch ein Platz in einer solchen ist teuer und begehrt. Für die meisten Bootseigner ist das Winterlager nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Rechenexempel, bei dem die spezifischen Bedürfnisse des Eigners und des Bootes mit dem Budget in Einklang gebracht werden müssen. Ein altes Holzboot, bei dem im Winter Sanierung angesagt ist, muss anders gelagert werden als ein GFK-Schiff neueren Datums, bei dem lediglich Routinearbeiten anfallen und das bei fachgerechter Vorbereitung den Winter auch im Freien gut übersteht. Ein potenzieller Nachteil, speziell bei unbewachten Stellplätzen im Freien ist die Gefahr des Einbruchs und Diebstahls von Ausrüstung und besonders von Elektronik, die am Schiff verblieben ist.

Die Wahl des Winterlagers bestimmt auch, welche Jobs wann durchgeführt werden können. In einem ungeheizten Schuppen oder in einem Lagerzelt sind Arbeiten mit Harz und Farbe nur möglich, wenn das Wetter im Herbst noch oder im Frühjahr wieder warm genug ist, heißt die Segelsaison wird unter Umständen kürzer.  Ist nur ein Ölwechsel beim Motor fällig und ein neuer Unterwasseranstrich im Frühjahr, tut es auch mit einem Platz im Freien, gut eingeplant und aufgepallt oder in einem stabilen Lagerzelt. Stabil und überschwemmungssicher sind dabei zwei wichtige Kriterien, denn wie sich in der jüngeren Vergangenheit zeigt, sind Wetterkapriolen auch in Deutschland zunehmend virulent.
In einer beheizten Halle ist man nicht nur vor Unwettern und Diebstahl besser abgesichert, sondern auch relativ unabhängig von Außentemperaturen (zumindest unter dem Gefrierpunkt), weshalb solche Plätze begehrt sind und entsprechend teuer.

Ein hübsches Skelett aus Plastikrohren wartet auf die  Plane, die diesen Spitzgatter vor den Elementen schützen soll. Foto: www.tuchwerkstatt.de

Ein hübsches Skelett aus Plastikrohren wartet auf die Plane, die diesen Spitzgatter vor den Elementen schützen soll. Foto: www.tuchwerkstatt.de



Doch nicht nur Wetter- und Diebstahlschutz, Temperaturunabhängigkeit und Miete geben bei der Wahl des Stellplatzes den Ausschlag. Zu bedenken sind auch die Entfernung der Halle vom Wohnort und die damit verbundenen Fahrzeiten. Hat die Halle oder der Schuppen ausreichend Licht, um an den kurzen Wintertagen auch bis nach Einbruch der Dunkelheit zu werken? Welche zusätzlichen Gebühren werden vom Betreiber der Lagerhalle in Rechnung gestellt, zum Beispiel für die Mastlagerung, die Miete des Lagerbocks, das Entsorgen von Müll und Problemstoffen? Ist der Hallenbetreiber versichert, oder muss die eigene Versicherung einspringen, wenn Feuer am Dach ist? Und ist das in der Polizze auch so verankert?

Pro und Kontra Freiluftlager



  • + Billiger

  • + Leichter zu bekommen

  • – Kein wirklicher Schutz vor Diebstahl, Witterung und Verschmutzung

  • – Begrenzte Arbeitszeiten für temperaturempfindliche Tätigkeiten

  • – Statt einer Bootsplane, die dem Wind eine große Angriffsfläche bietet und so den Druck auf das Boot selbst erhöht, sollte ein Lagerzelt aus PVC-Plane und stabilem Gestänge über dem Schiff errichtet werden, das Wind und Wetter fernhält

  • – Regelmäßige Kontrolle der Abdeckung, besonders vor Unwettern oder Schneefall

  • – Weniger Arbeitsgemeinschaften als in der Halle

  • – Rigg sollte man auch im Freien legen, um Windangriffsfläche zu verringern


Pro und Kontra Halle



  • + Schutz gegen Wind, Wetter bzw. Einbruch und Diebstahl

  • + Angenehmes Arbeitsklima – wenn geheizt

  • + Mehr Möglichkeiten, temperaturempfindliche Arbeiten durchzuführen

  • + Langsameres Altern des Gelcoats, der Beschläge und des Holzes

  • – Teuer: Mehrere Tausend Euro sind für Boote mittler Größe keine Seltenheit

  •  – Begehrt, heißt, dass man u. U. größere Entfernungen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen muss

  • – Schleifen nur mit Staubschutzmaßnahmen

  • – Geheizt heißt nicht unbedingt warm, kann also an sehr kalten Tagen beim Arbeiten mit Farbe und Harzen problematisch sein

  • – Womöglich beschränkte Arbeitszeiten

  • – Mögliche Platzprobleme durch geringe Seitenabstände zum nächsten Boot

  • – Für Holzboote ein zu trockenes Ambiente, wenn die Hallek einen feuchten Erd- oder Schotterboden hat

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